
KI frisst Jobs: Tech-CEOs werden plötzlich ehrlich

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebJahrelang beschwichtigten Konzernchefs die Sorgen vor KI-bedingtem Jobverlust. Jetzt ändern sie ihren Ton. Und ihre Prognosen sind erschreckend konkret.
Die Maske fällt
Mal ehrlich: Wie oft haben Sie in den letzten zwei Jahren gehört, KI werde Arbeitsplätze nicht ersetzen, sondern nur „ergänzen“? Diese beruhigende Rhetorik gehört offenbar der Vergangenheit an. Auf Branchenkonferenzen wie dem WSJ Tech Live in Doha und Reuters NEXT sprechen CEOs jetzt eine deutlich andere Sprache. Ford-Chef Jim Farley brachte es kürzlich auf den Punkt:
KI werde „buchstäblich die Hälfte“ aller Bürojobs in den USA ersetzen.
Konkrete Zahlen statt vager Versprechen
Die Prognosen sind nicht mehr abstrakt. Marianne Lake, CEO Consumer Banking bei JPMorgan, rechnet mit einem zehnprozentigen Stellenabbau im operativen Bereich innerhalb der nächsten fünf Jahre. Bloomberg Intelligence geht noch weiter: Bis zu 200.000 Jobs könnten im globalen Bankensektor wegfallen.
Klarna hat seine Belegschaft bereits um 40 Prozent reduziert und nennt KI als wesentlichen Treiber. Moderna-Chef Stéphane Bancel sagt offen, sein Pharmakonzern könne mit „ein paar Tausend Leuten“ maximalen Output erreichen. Dank KI-Tools.
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Niemand ist sicher
Fiverr-CEO Micha Kaufman postete kürzlich einen „Weckruf“ auf X: Programmierer, Designer, Produktmanager, Datenwissenschaftler, Juristen, Kundendienstmitarbeiter, Vertriebler, Finanzfachleute. Niemand sei ausgenommen.
Die Daten stützen diese Warnung. Stellenausschreibungen für Entry-Level-Positionen in den USA sind laut Revelio Labs seit Januar 2023 um 35 Prozent eingebrochen. Besonders betroffen: Berufseinsteiger in datenintensiven Rollen.
Das „Remix“-Argument
Nicht alle sehen schwarz. Walmart-CEO Doug McMillon betont den Unterschied zwischen „verändern“ und „zerstören“. Der historische Vergleich: Von der Dampfmaschine bis zum Internet habe technologischer Wandel kurzfristig Jobs gekostet, langfristig aber neue geschaffen.
Das World Economic Forum prognostiziert tatsächlich einen Nettozugewinn von zwei Millionen Jobs bis 2030. Allerdings: Diese neuen Stellen entstehen nicht am selben Ort, erfordern andere Qualifikationen und gehen nicht an dieselben Menschen.
Anpassung oder Untergang
Die Botschaft der Konzernchefs ist unmissverständlich: Wer sich nicht anpasst, wird abgehängt. „Sie werden keine Wahl haben. Es geht ums Überleben“, fasste ein Analyst die Stimmung zusammen. Anders als bei früheren Technologiewellen bleibt wenig Zeit zum Abwarten.
Die Entwicklung ist rasant. Für Entscheider heißt das: Jetzt in Weiterbildung investieren, Prozesse überdenken und ehrlich analysieren, welche Tätigkeiten in drei Jahren noch von Menschen erledigt werden. Die Tech-Elite hat ihre Karten auf den Tisch gelegt.
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