
Chinas Nvidia-Rivale explodiert an der Börse
Moore Threads feiert den größten IPO-Sprung seit Chinas Marktreform 2019. Der KI-Chip-Hersteller sammelte 1,13 Milliarden Dollar ein und verfünffachte seinen Kurs am ersten Handelstag. Was bedeutet das für den globalen Chip-Markt?
Wenn Ex-Nvidia gegen Nvidia antritt
Hätten Sie vor fünf Jahren gewettet, dass ein chinesisches Startup den amerikanischen KI-Chip-Giganten herausfordern könnte? Moore Threads tut genau das. Das Unternehmen wurde 2020 von Zhang Jianzhong gegründet, der zuvor 14 Jahre lang als Nvidia-Generalmanager für China tätig war.
Seine Aussage bei Börsenstart ist programmatisch: Rechenleistung sei Staatsmacht. Der ehemalige Nvidia-Manager kennt die Schwachstellen seines Ex-Arbeitgebers. Und er weiß, welche Lücke die US-Exportbeschränkungen im chinesischen Markt hinterlassen haben.
Zahlen, die aufhorchen lassen
Der Börsengang am Shanghaier STAR Market übertraf alle Erwartungen. Moore Threads startete bei einem Ausgabepreis von 114,28 Yuan und schloss den ersten Handelstag bei 600,50 Yuan. Ein Plus von 425 Prozent. Die Retail-Tranche war 2.750-fach überzeichnet. Damit übertrifft das Debüt sogar den legendären Börsengang von SMIC im Jahr 2020, der damals mit 202 Prozent Kurssprung Schlagzeilen machte. Die Marktkapitalisierung liegt nun bei umgerechnet 39 Milliarden Dollar.
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Profitabilität? Noch Zukunftsmusik
Für Entscheider mit Blick auf fundamentale Kennzahlen gibt es allerdings Warnsignale. Moore Threads schreibt weiterhin rote Zahlen. In den ersten drei Quartalen 2025 belief sich der Nettoverlust auf 724 Millionen Yuan, immerhin 19 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz explodierte um 182 Prozent auf 780 Millionen Yuan.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 123 liegt über dem Branchendurchschnitt von 111. Analysten sehen eine mögliche Profitabilität frühestens 2027. Zhang selbst erklärte gegenüber dem Shanghai Securities Journal: „Unser Ziel ist es, ein führender GPU-Anbieter mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu werden.“
Geopolitik treibt den Kurs
Die Euphorie speist sich aus dem Konflikt zwischen Washington und Peking. Seit Oktober 2023 steht Moore Threads auf der Entity List des US-Handelsministeriums. Statt das Unternehmen zu schwächen, hat diese Sanktionierung offenbar den nationalistischen Investoreninstinkt geweckt.
China strebt bis 2027 eine 70-prozentige Autonomie bei KI-Chips an. Moore Threads ist Teil dieser Strategie, neben etablierten Playern wie Huawei, Cambricon und aufstrebenden Konkurrenten wie Enflame und Biren.
Warnsignale für kluge Investoren
Shao Qifeng, Chief Investment Officer bei Ying An Asset Management, ordnet das Geschehen nüchtern ein:
Ein Anstieg dieser Größenordnung war bei der starken Nachfrage erwartbar. Dies ist einer jener Flaggschiff-Börsengänge, die in die Geschichte eingehen werden.
Allerdings mahnt er zur Vorsicht: Historisch denkwürdige IPOs signalisierten nicht immer nachhaltigen Wert. Manchmal seien sie eher ein Zeichen für Überhitzung in bestimmten Marktsegmenten. Die technologische Realität bleibt: Chinesische GPUs hinken den Nvidia-Produkten bei Leistung und Effizienz noch hinterher.
Was kommt als Nächstes?
Der Erfolg von Moore Threads könnte eine Welle auslösen. MetaX Integrated Circuits hat bereits Zeichnungsfristen eröffnet. Yangtze Memory Technologies und ChangXin Memory Technologies prüfen Onshore-Börsengänge mit Bewertungen von bis zu 300 Milliarden Yuan. Für europäische Unternehmen, die mit KI-Infrastruktur planen, bedeutet das: Die Chip-Landschaft fragmentiert sich weiter. Wer heute Hardware-Entscheidungen trifft, sollte die geopolitischen Dimensionen mitdenken.
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