Mark Zuckerberg hat im Weißen Haus ein freiwilliges Sicherheitsabkommen für große KI-Modelle unterschrieben und es auf X einen bedeutenden Fortschritt genannt. Den Verhaltenskodex der EU-Kommission für dieselben Modelle hat Meta dagegen bis heute nicht unterzeichnet. In Europa schreibt die KI-Verordnung Prüfungen und Meldepflichten längst vor, in Washington bleibt es bei Zusagen.

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Mark Zuckerberg gehört zu den sieben Unterzeichnern eines KI-Abkommens, das Präsident Donald Trump am Dienstag nach einem Mittagessen mit den Chefs der großen Tech-Konzerne im Weißen Haus vorstellte. Am Abend schrieb der Meta-Chef auf X: „Ich halte es für einen bedeutenden positiven Schritt, dass sich die Chefs aller großen amerikanischen KI-Labore zu robusten internen Kontrollen und mehreren Ebenen von Audits und Überprüfungen verpflichtet haben.“[1] Verbindlich ist an dem Papier allerdings nichts. Trump selbst nannte es vor Journalisten „moralisch bindend“.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zuckerberg, Sundar Pichai, Dario Amodei, Elon Musk, Jensen Huang und OpenAI-Präsident Greg Brockman unterschrieben am 29. September mit Trump ein KI-Sicherheitsabkommen.
  • Die Unterzeichner sagen vier Ebenen von Kontrollen und Audits zu. Das Abkommen bleibt freiwillig und sieht keine Verlangsamung der Modellentwicklung vor.
  • Meta fehlt weiterhin auf der Unterzeichnerliste des EU-Verhaltenskodex für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck.
  • In der EU kann die Kommission seit August 2026 Bußgelder von bis zu 3 % des weltweiten Jahresumsatzes gegen Anbieter solcher Modelle verhängen.

Was steht im KI-Abkommen des Weißen Hauses?

Weißer Füllhalter, orange Feder, oranges Siegel „FREIWILLIG“
Trump veröffentlicht „White House Accord on Superintelligence“ mit Zusagen von Unternehmen zu vier Kontrolleben für KI-Modelle

Das einseitige Dokument trägt den Titel „The White House Accord on Superintelligence: A Joint Commitment on Frontier SI Responsibilities“. Trump veröffentlichte es auf seiner Plattform Truth Social.[2] Die unterzeichnenden Firmen versprechen darin vier Ebenen der Kontrolle: interne Kontrollen, die Fähigkeiten und Ausrichtung der Modelle in Training und Betrieb überwachen, etwa bei der Cybersicherheit. Dazu kommen ein internes Team, das diese Kontrollen prüft, unabhängige externe Prüfer sowie ein unabhängiger Ausschuss im Verwaltungsrat, der die Berichte beider Seiten beaufsichtigt. Außerdem wollen sich die Firmen regelmäßig treffen und gemeinsame Standards erarbeiten.

Neben Trump und Zuckerberg unterschrieben Pichai für Google, Amodei für Anthropic, Brockman für OpenAI, Musk für xAI und Huang für Nvidia. Amazon-Gründer Jeff Bezos und Microsoft-Chef Satya Nadella saßen laut CNBC mit am Tisch, fehlen aber in der Unterzeichnerliste, die Nextgov und CBS News nennen. Mike Johnson, Sprecher des Repräsentantenhauses, sprach von einer Grundsatzerklärung mit Zusagen, die für die Branche freiwillig seien. Im Dokument selbst heißt es, mit der Zeit könne es sinnvoll sein, diese Schritte in Gesetze oder Vorschriften zu überführen. Am selben Tag unterzeichnete Trump eine Verordnung, nach der Bundesbehörden künftig „Super Intelligence“ statt „Artificial Intelligence“ schreiben sollen.[3]

Warum unterschreibt Zuckerberg ausgerechnet jetzt?

Das Treffen fiel in eine Woche mit wachsendem Druck auf die Labore. OpenAI hielt GPT-6.1 Astra nach Sicherheitstests zurück und der New Yorker Stadtrat lud Musks SpaceXAI unter Eid vor. Im Repräsentantenhaus und im Senat liegen mehrere Gesetzentwürfe zur KI-Sicherheit. Eine freiwillige Zusage liefert den Gegnern dieser Entwürfe ein Argument, ohne die Firmen zu etwas zu verpflichten.

Für Meta kostet die Unterschrift wenig. Zuckerberg hatte schon am 15. September auf X argumentiert, jedes Labor habe die Verantwortung und den Anreiz, seine Modelle in sicherem Tempo zu trainieren, und die Mittel, selbst dafür zu sorgen.[4] Laut Reuters verwies der Meta-Chef damals darauf, dass Meta Superintelligence Labs bereits unabhängige Prüfer einsetze, und nannte das einen Branchenstandard, den andere Labore einfach übernehmen könnten. Mit dem Abkommen gilt diese Linie nun für alle Unterzeichner.

Amodeis Forderung taucht im Text dagegen nicht auf. Der Anthropic-Chef hatte Mitte September eine Verlangsamung der Modellentwicklung verlangt und laut Reuters eine kartellrechtliche Erlaubnis beantragt, damit sich Konkurrenten über ein langsameres Tempo absprechen dürfen. Zuckerberg hielt dagegen, Wettbewerb und Haftung böten genug Anreiz zur Vorsicht. Wie Trump um Amodei warb, zeigte schon das Abendessen am Sonntag. Bill Gates hatte wenige Tage vorher Gesetze statt Selbstregulierung gefordert.

Freiwillig in Washington, Pflicht in Brüssel
Was das KI-Abkommen vom 29. September verspricht und wer den EU-Kodex unterschrieben hat
Ebene 1

Interne Kontrollen: Fähigkeiten und Ausrichtung der Modelle in Training und Betrieb überwachen

Ebene 2

Internes Team: prüft, ob die Kontrollen wirken

Ebene 3

Externe Prüfer: unabhängige Audits der Schutzmaßnahmen

Ebene 4

Ausschuss im Verwaltungsrat: beaufsichtigt interne und externe Berichte

EU-KI-Verordnung

Pflicht seit 2025: Angriffstests, Meldung schwerer Vorfälle, Bußgeld bis 3 % des Weltumsatzes ab 02.08.2026

Wer hat was unterschrieben?
  1. FirmaAbkommen 29.09.EU-Verhaltenskodex (Stand 31.07.2026)
  2. Googlejaunterzeichnet
  3. Anthropicjaunterzeichnet
  4. OpenAIjaunterzeichnet
  5. xAIjanur Kapitel Sicherheit
  6. Nvidiajanicht auf der Liste
  7. Metajanicht unterzeichnet, Absage im Juli 2025

Zuckerberg unterschreibt in Washington, was Meta ohnehin tut, und bleibt in Brüssel dem Kodex fern, der genau diese Kontrollen nachprüfbar machen würde. Europäische Firmen sollten Meta an der KI-Verordnung messen, nicht an einer Unterschrift im Weißen Haus.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das Abkommen für Unternehmen in Europa?

In der EU sind Sicherheitsprüfungen für die größten Modelle keine Absichtserklärung. Artikel 55 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter von Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck und systemischem Risiko zu Modellbewertungen samt Angriffstests, zur Risikominderung, zur Meldung schwerwiegender Vorfälle an das KI-Büro der Kommission und zu angemessener Cybersicherheit.[5] Die Verordnung vermutet ein systemisches Risiko ab einer Trainingsrechenleistung von 1025 Gleitkommaoperationen. Seit dem 2. August 2026 kann die Kommission Verstöße mit bis zu 3 % des weltweiten Jahresumsatzes oder 15 Millionen Euro ahnden, je nachdem, welcher Betrag höher ist.

Google, Anthropic, OpenAI, Microsoft und Amazon weisen diese Pflichten über den freiwilligen Verhaltenskodex der Kommission nach. xAI trat nur dem Kapitel zu Sicherheit bei, Meta fehlt auf der Liste.[6] Metas Politikchef Joel Kaplan hatte die Absage im Juli 2025 damit begründet, der Kodex schaffe Rechtsunsicherheit und gehe weit über die KI-Verordnung hinaus. Meta muss die Einhaltung deshalb auf anderem Weg belegen. Wie stark der Konzern auf seine KI-Modelle setzt, zeigt unsere Analyse des Meta-Geschäftsmodells. Für Firmen, die Modelle von Meta oder anderen Unterzeichnern einsetzen, folgen daraus drei Aufgaben:

  • Fordern Sie vom Anbieter die Dokumentation an, die Artikel 53 der KI-Verordnung für nachgelagerte Anbieter vorschreibt, und halten Sie fest, ob er den EU-Kodex unterzeichnet hat.
  • Fragen Sie nach den Ergebnissen der externen Audits, die das Abkommen verspricht. Ohne veröffentlichte Berichte lässt sich die Zusage nicht überprüfen.
  • Prüfen Sie bei offenen Meta-Modellen im eigenen Rechenzentrum, ob Ihr Unternehmen durch umfangreiches Nachtrainieren selbst zum Modellanbieter im Sinne der Verordnung wird.

Trump will in den nächsten Tagen einen KI-Beauftragten benennen und brachte ein zehnköpfiges Gremium ins Gespräch, das die Branche beaufsichtigen soll. Ob daraus eine Aufsicht mit Befugnissen wird, ist offen. Weitere Entscheidungen der prägenden Köpfe der Branche bündelt unser Themenarchiv zu den Tech-Titanen.

FAQ: Zuckerberg und das KI-Abkommen

Was ist die White House Accord on Superintelligence?

Ein einseitiges, freiwilliges Abkommen, das Trump und sechs KI-Chefs am 29. September 2026 im Weißen Haus unterschrieben. Die Firmen versprechen interne Kontrollen, ein internes Prüfteam, externe Audits und einen unabhängigen Ausschuss im Verwaltungsrat. Rechtlich bindend ist das Papier nicht.

Wer hat das KI-Abkommen unterschrieben?

Neben Donald Trump unterschrieben Mark Zuckerberg (Meta), Sundar Pichai (Google), Dario Amodei (Anthropic), Greg Brockman (OpenAI), Elon Musk (xAI) und Jensen Huang (Nvidia). Jeff Bezos und Satya Nadella nahmen am Mittagessen teil, stehen aber nicht auf der bekannten Unterzeichnerliste.

Hat Meta den EU-Verhaltenskodex für KI unterzeichnet?

Nein. Auf der Unterzeichnerliste der EU-Kommission mit Stand 31. Juli 2026 fehlt Meta. Der Konzern lehnte den Kodex im Juli 2025 ab, weil er über die KI-Verordnung hinausgehe. Meta muss die Einhaltung der Verordnung deshalb auf anderem Weg nachweisen.

Welche Pflichten gelten in der EU für große KI-Modelle?

Anbieter von Modellen mit systemischem Risiko müssen nach Artikel 55 der KI-Verordnung ihre Modelle mit Angriffstests bewerten, Risiken mindern, schwere Vorfälle dem KI-Büro melden und für Cybersicherheit sorgen. Seit August 2026 drohen Bußgelder von bis zu 3 % des weltweiten Jahresumsatzes.

Quellen

[1] Mark Zuckerberg auf X: „I think it’s a significant positive step …“ (29.09.2026)

[2] Donald J. Trump auf Truth Social: „The White House Accord on Superintelligence: A Joint Commitment on Frontier SI Responsibilities“ (29.09.2026)

[3] The White House: „Inaugurating the Era of Super Intelligence“ (Executive Order, 29.09.2026)

[4] Mark Zuckerberg auf X: „Every lab has the responsibility and incentive …“ (15.09.2026)

[5] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung)“, Artikel 51, 53, 55 und 101

[6] Europäische Kommission: „The General-Purpose AI Code of Practice“, Unterzeichnerliste (Stand 31.07.2026)

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