Microsoft-Chef Satya Nadella warnt im Podcast Sources davor, dass die KI-Aufsicht zu einem „kartellartigen Arrangement“ wird. Seiner Branche wirft er Selbstverliebtheit vor und verspricht Unternehmen zugleich einen Agentenmarkt, der die Cloud um Größenordnungen übertreffen soll.

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Seine Äußerungen zur KI-Aufsicht verbindet Satya Nadella mit einer Rüge für die eigene Branche: „Ich glaube, wir sind als Branche viel zu sehr mit uns selbst beschäftigt, nach dem Motto: Schaut her, wie großartig wir sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende und Verwaltungsratschef von Microsoft im Gespräch mit dem Tech-Journalisten Alex Heath.[1] Aufgezeichnet wurde das Interview in Seattle zum Neustart von Copilot, Heath veröffentlichte das Gespräch am 25. September.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nadella will verhindern, dass die KI-Aufsicht zu einem „kartellartigen Arrangement“ wird.
  • KI-Agenten sollen den Unternehmensmarkt laut Nadella um Größenordnungen stärker vergrößern als die Cloud.
  • Copilot bleibt offen für fremde Modelle, auch wenn Microsoft eigene Spitzenmodelle entwickelt.
  • In der EU schreibt die KI-Verordnung Sicherheitstests per Gesetz vor, in den USA streiten die Labore über freiwillige Absprachen.

Was sagt Nadella über KI-Agenten und ihre Risiken?

Rotes Absperrband vor Netzwerkschrank und Schilderaufschrift „NUR FÜR MITGLIEDER“
Microsofts neuer Agent Autopilot in Copilot soll auf gehärteter OpenClaw-Software basieren und Privatkunden sowie Unternehmenskunden zur Verfügung stehen

Im Mittelpunkt steht Autopilot, der neue Agent in Copilot. Microsoft baut den Agenten auf einer gehärteten Version der quelloffenen Software OpenClaw auf, jeder Agent bekommt einen eigenen Rechner, einen Arbeitsbereich und ein Gedächtnis. Nadella will das Werkzeug auch Privatkunden anbieten und verweist auf die mehr als 100 Millionen Verbraucher-Abonnements von Microsoft. Im Unternehmensgeschäft sollen Agenten den Markt laut Nadella um Größenordnungen stärker vergrößern als die Cloud.

Beim Vertrauen sieht Nadella die Branche im Rückstand. Den Nutzen sollen aus seiner Sicht die Anwender selbst belegen. Zudem müsse die Branche zeigen, dass Beschäftigte und die Gemeinden rund um Rechenzentren wirtschaftlich profitieren. Reden von Konzernchefs genügen dafür nicht mehr: „Nichts, was ich oder einer von uns sagt, reicht noch aus, finde ich.“ Heath befragte ihn auch zu Agenten, die täuschen. Als Beispiel nannte Nadella laut Benzinga einen Agenten, der das Umlaufvermögen optimieren soll und dafür die Bücher frisiert. Für die Sicherheit von KI hält der Microsoft-Chef Tests durch unabhängige Prüfer für sinnvoll.

Auch die Spielesparte kam zur Sprache. Über Xbox-Chefin Asha Sharma sagte Nadella: „Das Team und Asha straffen einiges, und das ist schön zu sehen.“ Laut Kotaku hat Xbox in diesem Jahr bereits mehr als 1.600 Stellen gestrichen, weitere 1.600 sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres folgen.

Warum lehnt Nadella eine Aufsicht nach Kartell-Art ab?

Nadellas Absage an eine kartellartige Aufsicht fällt mitten in einen Streit, der die US-Branche seit dem Sommer beschäftigt. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte am 12. September eine eng gefasste Ausnahme vom Kartellrecht verlangt, damit sich die führenden Labore bei Tempo und Sicherheitsstandards abstimmen dürfen. Eine Woche später reichten vier zahlende Nutzer eine Sammelklage gegen OpenAI, Anthropic, Google und xAI ein. Die Kläger werfen den Konzernen eine illegale Absprache vor, die KI-Entwicklung zu verlangsamen. Am 23. September forderten Amodei und OpenAI-Chef Sam Altman vor dem UN-Sicherheitsrat globale Sicherheitsstandards.

Microsoft verdient an der Modellvielfalt. Copilot greift auf Modelle mehrerer Labore zu, parallel baut der Konzern eigene Spitzenmodelle. „Man kann nicht nur ein Modell haben“, sagt Nadella und warnt davor, wohin sich die Preise pro Token dann entwickeln würden. Legen wenige Labore gemeinsam fest, welche Modelle wann erscheinen, entscheiden sie über das Angebot, das Microsoft weiterverkauft. Wie groß die Abhängigkeit schon heute ausfällt, zeigen die 21 Milliarden Euro KI-Umsatz aus Geschäften mit OpenAI. Nadella vertritt diese Linie nicht zum ersten Mal: Bereits im Juli warnte er Unternehmen davor, dass KI-Labore das Wissen ihrer Kunden für eigene Produkte abschöpfen.

Nadellas Gegenentwurf zur Labor-Absprache
Positionen des Microsoft-Chefs im Podcast Sources vom 25. September 2026
Agenten

Autopilot auf Basis von OpenClaw soll auch zu Privatkunden kommen. Im Unternehmensgeschäft erwartet Nadella einen Markt, der die Cloud um Größenordnungen übertrifft.

Modelle

Copilot behält alle fremden Modelle, Microsoft entwickelt parallel eigene Spitzenmodelle. Ein einziges Modell würde laut Nadella die Tokenpreise treiben.

Aufsicht

Unabhängige Prüfer für täuschende Agenten ja, eine Aufsicht als „kartellartiges Arrangement“ nein.

Zwei Wochen Streit um die gemeinsame KI-Bremse
  1. 12.09.2026Dario Amodei verlangt eine Ausnahme vom Kartellrecht für abgestimmte Sicherheit
  2. 19.09.2026Sammelklage wirft OpenAI, Anthropic, Google und xAI eine Absprache zum Tempo vor
  3. 23.09.2026Altman und Amodei fordern vor dem UN-Sicherheitsrat globale Standards
  4. 25.09.2026Nadella warnt vor einer Aufsicht nach Kartell-Art

Nadella verkauft Modelle mehrerer großer Labore und verliert, sobald wenige davon den Takt gemeinsam bestimmen. Europäische Kunden fahren gut damit, ihre KI-Strategie ebenso breit aufzustellen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet Nadellas Kurs für Unternehmen in Europa?

In der EU entscheidet kein Zusammenschluss von Laboren über die Prüfpflichten, sondern die KI-Verordnung. Für Modelle mit systemischem Risiko schreibt Artikel 55 Angriffstests und die Meldung schwerer Vorfälle vor.[2] Den freiwilligen Verhaltenskodex der EU-Kommission für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck unterzeichnete Microsoft im August 2025, Meta verweigerte die Unterschrift.[3] Eine Kartellausnahme nach dem Wunsch von Amodei bräuchte in Europa niemand, weil das Gesetz die Tests jedem Anbieter großer Modelle einzeln vorschreibt. Absprachen zwischen Wettbewerbern über das Entwicklungstempo verbieten dagegen Artikel 101 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU und Paragraf 1 des deutschen Kartellgesetzes GWB.

Für Firmen, die Agenten wie Autopilot einführen, ergeben sich zwei konkrete Aufgaben:

  • Binden Sie Ihre Anwendungen möglichst nicht an ein einziges Modell. Eine Architektur mit austauschbaren Modellen schützt vor steigenden Tokenpreisen und vor Lieferengpässen eines Labors.
  • Lassen Sie Agenten keine Buchungen und Zahlungen ohne menschliche Freigabe ausführen. Nadellas Beispiel mit den frisierten Büchern zeigt, dass ein Agent ein Ziel auch mit unerlaubten Mitteln verfolgen könnte.

Welche Modelle Microsoft inzwischen selbst einsetzt, zeigt der Wechsel von Excel und Outlook auf eigene KI-Modelle. Prüfen Sie deshalb gerne, welches Modell in Ihrer Copilot-Lizenz gerade die Antworten liefert.

FAQ: Satya Nadella und die KI-Aufsicht

Was hat Satya Nadella über KI-Aufsicht gesagt?

Im Podcast Sources von Alex Heath sagte Nadella, die KI-Aufsicht dürfe nicht zu einem kartellartigen Arrangement werden. Unabhängige Prüfer für KI-Agenten hält er dagegen für sinnvoll. Der Branche warf er vor, zu sehr mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Was ist Microsoft Autopilot?

Autopilot ist ein KI-Agent in Copilot, den Microsoft auf einer gehärteten Version der quelloffenen Software OpenClaw aufbaut. Jeder Agent erhält einen eigenen Rechner, einen Arbeitsbereich und ein Gedächtnis. Nadella will Autopilot auch Privatkunden anbieten.

Welche Kartellausnahme fordert Anthropic?

Anthropic-Chef Dario Amodei verlangte am 12. September 2026 eine eng gefasste Ausnahme vom US-Kartellrecht. Führende KI-Labore sollen damit gemeinsam das Entwicklungstempo drosseln und Sicherheitsstandards abstimmen dürfen, ohne gegen das Kartellrecht zu verstoßen.

Welche Prüfpflichten gelten in der EU für KI-Modelle?

Die KI-Verordnung verpflichtet Anbieter von Modellen mit systemischem Risiko nach Artikel 55 zu Angriffstests und zur Meldung schwerer Vorfälle. Microsoft hat zusätzlich den freiwilligen Verhaltenskodex der EU-Kommission für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck unterzeichnet.

Was sagte Nadella zu den Stellenstreichungen bei Xbox?

Nadella lobte, dass Xbox-Chefin Asha Sharma und ihr Team einiges straffen. Laut Kotaku hat Xbox 2026 bereits mehr als 1.600 Stellen gestrichen, weitere 1.600 sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres folgen.

Quellen

[1] Sources (Alex Heath): „Satya Nadella on Microsoft’s agent bet and AI’s trust problem“

[2] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz“

[3] Europäische Kommission: „The General-Purpose AI Code of Practice“

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