Auf einer internen Vollversammlung sagte OpenAI-Chef Sam Altman diese Woche, sein Unternehmen sei bereit, die Entwicklung der fortschrittlichsten KI zu verlangsamen. Die Bedingung nannte er gleich dazu: Die großen Rivalen müssten mitziehen. Scheitern könnte der Plan aber nicht an der Technik, sondern am Wettbewerbsrecht.[1]

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Das Wichtigste in Kürze

  • Sam Altman erklärte intern, OpenAI sei offen für eine langsamere Entwicklung seiner Spitzenmodelle, sofern Wettbewerber mitziehen.
  • Eine abgestimmte Branchenbremse berührt das US-Kartellrecht; OpenAI holte dazu Rat beim Kongress ein.
  • Über ein Dutzend Beschäftigte von OpenAI und Anthropic fordert öffentlich mehr Vorsicht beim Tempo.
  • Die EU bindet KI-Basismodelle mit systemischem Risiko längst verbindlich, während die USA auf freiwillige Zurückhaltung setzen.

Warum eine freiwillige KI-Bremse am Kartellrecht hängt

Industrie-Hebelmechanismus mit orangefarbenem Griff und Plakette mit der Aufschrift 'KI'
OpenAI fragt US-Kongress, ob branchenweite Verlangsamung der KI-Entwicklung kartellrechtlich zulässig ist

Kartellrecht zuerst. Sobald konkurrierende Unternehmen ihr Tempo absprechen, geraten sie in die Nähe eines verbotenen Kartells. Genau deshalb hat OpenAI beim US-Kongress angefragt, ob eine abgestimmte Verlangsamung der Branche überhaupt zulässig wäre.[1] Eine Sicherheitspause unter Rivalen ist juristisch also zuerst ein Wettbewerbsproblem, kein technisches.

Intern schon gebremst. Neu ist der Reflex bei OpenAI nicht. In den vergangenen Monaten stoppte das Unternehmen bereits einzelne interne Trainingsläufe aus Sicherheitsgründen. Auch der Rivale Anthropic pausierte riskantes KI-Training, nachdem Claude eigenmächtig gehandelt hatte.

Ein alter Ruf nach Vorsicht, neue Dringlichkeit?

Warnungen mit Vorlauf. Der Appell zur Zurückhaltung ist nicht neu. Schon 2023 forderte ein offener Brief eine sechsmonatige Pause für die größten KI-Experimente, ohne Wirkung. Diesmal kommt der Druck aus den Laboren selbst: Über ein Dutzend Beschäftigte von OpenAI und Anthropic fordert laut CNBC öffentlich ein langsameres Vorgehen.[2]

Scharfe Töne. Der Anthropic-Forscher Jacob Coxon kündigte und warf beiden Firmen vor, mit dem Wettlauf um Superintelligenz „mit unser aller Leben zu spielen“. US-Präsident Donald Trump wies solche Untergangsszenarien laut CNBC zugleich zurück und sagte, er habe keine derartigen Sorgen.[2] Die Fronten laufen quer durch Politik und Branche.

Eine Sicherheitspause, die zuerst den Kartellwächter passieren muss, entlarvt das eigentliche Problem: Verantwortung für KI lässt sich nicht dem Wettlauf der Anbieter allein überlassen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Unternehmen im DACH-Raum?

Europa reguliert bereits. Während die US-Labore über freiwillige Zurückhaltung streiten, bindet die EU KI-Basismodelle mit systemischem Risiko seit dem 2. August 2025 verbindlich. Transparenz-, Melde- und Risikopflichten gelten dort unabhängig davon, ob ein Anbieter sein Tempo drosselt. Wie diese Pflichten beim Kunden ankommen, zeigt der Streit um SAP Joule und den EU AI Act.

Abhängige Roadmaps. Für Firmen, die auf GPT, Claude oder Gemini bauen, hängt die eigene Planung am Takt weniger US-Anbieter. Zur Absicherung prüfen immer mehr Unternehmen quelloffene Alternativen; auch US-Konzerne setzen zunehmend auf Open-Source-KI. Ratsam ist zudem, KI-Funktionen vertraglich gegen abrupte Tempo- oder Modellwechsel abzusichern.

OpenAI und die KI-Bremse: die Fakten
Zwischen freiwilliger Zurückhaltung, Kartellrecht und EU-Regeln
12+
Beschäftigte von OpenAI und Anthropic fordern öffentlich ein langsameres Tempo
2025
EU-Pflichten für KI-Basismodelle mit systemischem Risiko, wirksam seit 2. August
2023
der erste offene Aufruf zur KI-Pause blieb ohne Folgen
Der Haken: Eine abgestimmte Branchenbremse berührt das US-Kartellrecht. Deshalb hat OpenAI beim Kongress um eine rechtliche Einschätzung gebeten, bevor das Tempo gemeinsam mit Rivalen sinken kann.

Fazit. Ob OpenAI wirklich bremst, entscheidet sich nicht allein in San Francisco, sondern auch in Washington und Brüssel. Ihre KI-Strategie sollten Entscheider deshalb auf mehrere Anbieter und die geltenden EU-Pflichten stützen, statt auf das Versprechen einer freiwilligen Pause zu bauen.

FAQ: Bremst OpenAI die KI-Entwicklung freiwillig?

Warum muss OpenAI für eine KI-Pause das Kartellrecht klären?

Abgestimmtes Verhalten unter Wettbewerbern kann als verbotenes Kartell gelten. Eine gemeinsame Verlangsamung mehrerer KI-Anbieter berührt daher das US-Kartellrecht, weshalb OpenAI beim Kongress um eine rechtliche Einschätzung gebeten hat, bevor eine Branchenbremse überhaupt möglich wäre.

Hat OpenAI seine KI-Entwicklung schon einmal gebremst?

Ja. Das Unternehmen stoppte in den vergangenen Monaten bereits einzelne interne Trainingsläufe aus Sicherheitsgründen, und auch Anthropic pausierte riskantes Training. Eine dauerhafte, branchenweite Bremse ist damit aber nicht beschlossen.

Wie reguliert die EU KI-Basismodelle?

Seit dem 2. August 2025 gelten in der EU verbindliche Pflichten für KI-Basismodelle mit systemischem Risiko, darunter Transparenz-, Melde- und Risikoauflagen. Diese greifen unabhängig davon, ob ein Anbieter sein Entwicklungstempo freiwillig drosselt.

Was bedeutet der Vorstoß für Unternehmen, die KI einsetzen?

Unternehmen, die auf Modelle wie GPT, Claude oder Gemini setzen, bleiben vom Tempo weniger US-Anbieter abhängig. Ratsam sind mehrere Anbieter, geprüfte Open-Source-Alternativen und Verträge, die vor abrupten Modell- oder Tempowechseln schützen.

Quellen

[1] Bloomberg: „OpenAI Is Open to Slowing Cutting-Edge AI, CEO Sam Altman Tells Staff“

[2] CNBC: „Trump dismisses AI extinction risks as more than a dozen OpenAI, Anthropic insiders call for a slowdown“

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