Palo-Alto-Chef Nikesh Arora sichert seinen Entwicklern die Stellen zu, selbst bei doppelter Produktivität durch KI. Für die übrigen rund 16.000 Beschäftigten des Sicherheitskonzerns gilt diese Zusage nicht. Am meisten Geld gibt Palo Alto allerdings für den Vertrieb aus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBeim KI-Forum ICONIQ Frontier zog Nikesh Arora eine klare Linie durch die Belegschaft von Palo Alto Networks. „Ich habe 6.000 Entwickler. Selbst wenn sie doppelt so effektiv und effizient werden, entlasse ich keinen von ihnen“, sagte der Chef des Sicherheitskonzerns im Gespräch mit Divesh Makan, dem Gründer des Vermögensverwalters ICONIQ. Das Video veröffentlichte ICONIQ am 1. Oktober.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Arora will die rund 6.000 Entwickler von Palo Alto Networks auch dann halten, wenn KI ihre Produktivität verdoppelt.
- Alle übrigen Funktionen stehen nach seinen Worten zur Disposition, einen Stellenabbau kündigte der Konzern nicht an.
- Von 21.921 Beschäftigten fällt gut ein Viertel unter die Zusage, der größte Kostenblock ist der Vertrieb mit 3,42 Mrd. €.
- In Deutschland muss der Arbeitgeber den Betriebsrat schon bei der Planung von KI-Arbeitsabläufen unterrichten.
Was hat Nikesh Arora über Entwickler und KI gesagt?

Seine Begründung lieferte Arora gleich mit: „Meine Konkurrenz wird schneller Neues entwickeln. Ich will mehr machen.“ Ein Entwicklerteam, das seine Produktplanung für die nächsten zwölf Monate tatsächlich abarbeitet, habe er noch nie erlebt. Aufgaben gebe es also genug. Womöglich brauche Palo Alto andere Leute, die sich mit KI auskennen, verkleinern werde er die technische Organisation aber nicht.[1]
Dann folgte der Satz, der den Rest der Belegschaft betrifft: „Aber alle anderen Funktionen stehen zur Disposition.“[1] Welche Bereiche er meint, sagte Arora nicht. Einen Stellenabbau kündigte Palo Alto nicht an, die Aussage fiel vor Investoren und Gründern, nicht in einer Telefonkonferenz zu Quartalszahlen. Arora führt den Konzern seit 2018 und sitzt zugleich dem Verwaltungsrat vor.
Warum schützt Arora ausgerechnet die Entwickler?
Neue Märkte erschließt Palo Alto vor allem über Zukäufe. Für die Absicherung von KI-Agenten bekämen derzeit rund 40 Start-ups Geld, darunter mehrere aus Israel, sagte Arora. Sein Konzern beobachte diese Firmen sechs bis 24 Monate und kaufe dann das Team mit dem stimmigsten Ansatz: „Ich habe Bargeld. Ich habe Börsenwert. Also kann ich sie kaufen.“[1] So übernahm Palo Alto im September die KI-Plattform Console und im Februar den Identitätsspezialisten CyberArk für 21,8 Mrd. €. Um solche Zukäufe einzubinden, braucht der Konzern die eigenen Entwickler.
Rechnerisch zielt Aroras Satz auf den größeren Teil der Kosten. Im Geschäftsjahr bis 31. Juli 2026 setzte Palo Alto 9,99 Mrd. € um. Für Vertrieb und Marketing gab der Konzern 3,42 Mrd. € aus, für Forschung und Entwicklung 2,22 Mrd. €, für die Verwaltung 782 Mio. €, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Zum Stichtag 31. Juli arbeiteten weltweit 21.921 Menschen für Palo Alto. Im Jahresbericht kündigte der Konzern allerdings an, den Vertrieb weiter aufzustocken.[2]
Am Thema KI-Sicherheit verdient Palo Alto selbst. Unternehmen brauchten im Schnitt vier Tage, um einen unbekannten Angreifer im Netz zu finden und zu entfernen, sagte Arora. KI verkette Schwachstellen dagegen in zwölf Minuten zu einem Angriff. Über die Gefahr reden Vorstände nach seinen Worten erst, seit Anthropic das Modell Mythos vorgestellt hat, das Sicherheitslücken in großer Zahl aufspürt und Exploits baut. „Ich versuche seit acht Jahren, das Vorständen und IT-Chefs zu erklären, aber Dario scheint ein viel besserer Kommunikator zu sein als ich“, sagte Arora mit Blick auf Anthropic-Chef Dario Amodei.[1]
Entwicklung: kein Abbau, womöglich braucht der Konzern aber andere Leute mit KI-Wissen. Alle übrigen Bereiche: stehen zur Disposition, einen Stellenabbau hat Palo Alto nicht angekündigt.
Unternehmen brauchen im Schnitt 4 Tage, um einen unbekannten Angriff zu finden und zu beseitigen. KI verkettet Schwachstellen laut Arora in 12 Minuten zum Angriff.
Arora behandelt Entwickler bei Palo Alto als Investition und alle übrigen Beschäftigten als Kostenstelle.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet Aroras Linie für Unternehmen in Deutschland?
Ein Umbau nach Aroras Muster folgt in Deutschland festen Regeln. Nach dem Betriebsverfassungsgesetz muss der Arbeitgeber den Betriebsrat rechtzeitig über die Planung von Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufen unterrichten, ausdrücklich einschließlich des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz. Die Folgen für die Beschäftigten muss die Unternehmensleitung so früh mit dem Gremium beraten, dass dessen Vorschläge noch in die Planung einfließen können.[3] Führt ein Unternehmen mit mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern grundlegend neue Arbeitsmethoden ein, liegt eine Betriebsänderung vor, über die der Arbeitgeber ebenfalls frühzeitig informieren muss.[4]
Wie Konzerne mit Jobs umgehen, die KI-Werkzeuge übernehmen, beschäftigt inzwischen auch Gerichte. In den USA werfen 26 Beschäftigte Meta vor, KI-gestützte Entlassungen hätten Kranke und Eltern benachteiligt. Bill Gates schlug vor, dass Firmen für Roboter dieselben Sozialabgaben zahlen wie für Menschen. Bei den Befragten der Umfrage State of Devs 2026 stammen im Median 63 % des Codes aus KI-Werkzeugen. Ausgerechnet in der Entwicklung schließt Arora einen Abbau aus. Für Entscheider ergeben sich daraus zwei Aufgaben:
- Legen Sie fest, welche Abläufe in Vertrieb, Kundenservice und Verwaltung Sie mit KI umbauen wollen. Binden Sie den Betriebsrat schon in dieser Planungsphase ein, nicht erst bei den Kündigungen.
- Kaufen Sie Sicherheitssoftware bei Palo Alto oder anderen US-Anbietern, regeln Sie Ansprechpartner und Reaktionszeiten im Vertrag. Schrumpfen Support und Vertrieb beim Anbieter, greifen dann zumindest die vereinbarten Fristen.
Wie Palo Alto Firmennetze inzwischen mit den Modellen von Anthropic und OpenAI durchleuchtet, zeigt unser Bericht zum Dauertest per KI. Vermögen und Firmen der Branchengrößen vergleicht der Beitrag zu den 15 reichsten Tech-Milliardären, weitere Meldungen sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Nikesh Arora, Palo Alto Networks und die Jobs
Wer ist Nikesh Arora?
Nikesh Arora führt den US-Sicherheitskonzern Palo Alto Networks seit 2018 als Vorstandschef und sitzt zugleich dem Verwaltungsrat vor. Vorher arbeitete er in leitenden Funktionen bei Google und SoftBank.
Wie viele Mitarbeiter hat Palo Alto Networks?
Palo Alto Networks beschäftigte zum 31. Juli 2026 weltweit 21.921 Menschen. Rund 6.000 davon sind nach Angaben von Konzernchef Nikesh Arora Entwickler.
Baut Palo Alto Networks wegen KI Stellen ab?
Einen Stellenabbau hat Palo Alto Networks nicht angekündigt. Konzernchef Nikesh Arora sagte Anfang Oktober 2026, er werde keinen Entwickler entlassen, alle anderen Funktionen stünden zur Disposition. Im Jahresbericht plant der Konzern, den Vertrieb weiter aufzustocken.
Wie viel Umsatz macht Palo Alto Networks?
Palo Alto Networks setzte im Geschäftsjahr bis 31. Juli 2026 umgerechnet 9,99 Mrd. € um, 24,5 % mehr als im Vorjahr. Der größte Kostenblock waren Vertrieb und Marketing mit 3,42 Mrd. €.
Muss der Betriebsrat beim Einsatz von KI beteiligt werden?
Ja. Nach § 90 Betriebsverfassungsgesetz muss der Arbeitgeber den Betriebsrat rechtzeitig über geplante Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufe einschließlich des KI-Einsatzes unterrichten und die Folgen mit ihm beraten. Grundlegend neue Arbeitsmethoden gelten zudem als Betriebsänderung nach § 111.
Quellen
[1] ICONIQ: „Palo Alto Networks CEO Nikesh Arora on Where AI Goes Next“, Video vom Forum ICONIQ Frontier, 1. Oktober 2026 (Passagen ab Minute 18 und 23)
[2] Palo Alto Networks: „Form 10-K, Annual Report for the fiscal year ended July 31, 2026“, eingereicht bei der SEC am 10. September 2026
[3] Bundesministerium der Justiz: „§ 90 Betriebsverfassungsgesetz: Unterrichtungs- und Beratungsrechte“
[4] Bundesministerium der Justiz: „§ 111 Betriebsverfassungsgesetz: Betriebsänderungen“
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