Reid Hoffman sieht in den Milliarden für KI-Rechenzentren den einzigen Grund, warum die USA nicht in einer Rezession stecken. Der LinkedIn-Mitgründer sagte das am Freitag in einem Podcast. Die jüngsten US-Daten stützen die These beim Wachstum, auf dem Arbeitsmarkt kommt vom Bauboom bisher wenig an.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Dieses Kapital ist der einzige Grund, warum wir nicht in einer Rezession sind“, sagt Reid Hoffman über das Geld, das in den Bau von KI-Rechenzentren fließt. Der Mitgründer von LinkedIn ist Partner beim Wagniskapitalgeber Greylock und sitzt im Verwaltungsrat von Microsoft. Seine These vertrat Hoffman in einer Folge des Podcasts von US-Journalist Eric Newcomer, die am 2. Oktober erschien.[1] Eine wachsende Zahl von Amerikanern sieht die Anlagen inzwischen kritisch.
Das Wichtigste in Kürze
- Hoffman, Microsoft-Verwaltungsrat und Wagniskapitalgeber, sieht vor allem die Bauaufträge im ganzen Land als Stütze der US-Konjunktur.
- Die US-Statistikbehörde BEA hob ihre Schätzung für das Wachstum im zweiten Quartal auf 2,2 % an, unter anderem wegen höherer Ausgaben für Rechenzentren.
- Im September entstanden in den USA nur 29.000 neue Stellen, die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 %.
- Deutschland profitiert laut Gemeinschaftsdiagnose vom KI-Boom vor allem über den Export, die Unternehmen im Inland investieren weiter wenig.
Was hat Reid Hoffman über Rechenzentren und Rezession gesagt?

Im Gespräch kam Hoffman von den Staatsschulden der USA auf die Rechenzentren. Viele Menschen glaubten, das Kapital lande nur bei den Tech-Konzernen, sagte er. Ein großer Teil gehe aber in den Bau der Anlagen und damit an Bauarbeiter, Elektriker, Zimmerleute, Projektentwickler und Anwälte. Den genauen Anteil müsse er eigentlich erst messen, räumte Hoffman ein. Der Großteil des Kapitals fließe zudem nicht in die Metropolen: „Das meiste davon verteilt sich stärker über das ganze Land. Das ist großartig.“[1]
Einen landesweiten Baustopp hält Hoffman für unwahrscheinlich. Als Vorbild für den Umgang mit dem Widerstand nennt er Josh Shapiro, den Gouverneur von Pennsylvania. Nach diesem Modell sollen Gemeinden dem Bau zustimmen, dauerhaft profitieren und keine höheren Strompreise fürchten müssen. Seine Kritik richtet Hoffman an progressive Demokraten, die den Zusammenhang zwischen KI-Ausbau und Konjunktur aus seiner Sicht nicht verstehen.[1] Neutral ist Hoffman dabei nicht: Als Wagniskapitalgeber und Microsoft-Verwaltungsrat steht er auf der Seite der Geldgeber.
Was zeigen die US-Daten zu Hoffmans These?
Beim Wachstum stützen die amtlichen Zahlen einen Teil der Aussage. Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 auf das Jahr hochgerechnet um 2,2 %. Mit der dritten Schätzung vom 30. September hob die Statistikbehörde BEA den Wert um 0,7 Prozentpunkte gegenüber der zweiten Schätzung an. Bei den privaten Anlageinvestitionen geht die Korrektur vor allem auf Gewerbebauten zurück, in erster Linie auf Rechenzentren, daneben auf den Wohnungsbau. Zum Plus trugen allerdings auch Konsum und Exporte bei.[2]
Am Arbeitsmarkt fällt der Effekt kleiner aus. Im September entstanden in den USA außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 zusätzliche Stellen, die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 %. Der Bau, auf den Hoffman verweist, kam auf 11.000 neue Jobs.[3] Zugleich wächst die Ablehnung. Nach einer Umfrage des Pew Research Center halten 54 % der Erwachsenen in den USA Rechenzentren für überwiegend schlecht für die Umwelt, im Januar lag der Anteil noch bei 39 %. Auf dem Land kletterte der Wert von 32 auf 50 %. Mit einer neuen Anlage in ihrer Gegend würden sich 60 % aller Befragten unwohl fühlen.[4]
- 22. SeptemberPew Research Center: 54 % der Erwachsenen in den USA halten Rechenzentren für überwiegend schlecht für die Umwelt, im Januar lag der Anteil bei 39 %.
- 24. SeptemberDie Gemeinschaftsdiagnose erwartet für Deutschland 1,3 % Wachstum 2026 und nennt den weltweiten KI-Boom als Impuls für den Export.
- 30. SeptemberDie BEA hebt ihre Schätzung für das US-Wachstum im zweiten Quartal auf 2,2 % an, die Korrektur bei den Anlageinvestitionen geht vor allem auf Gewerbebauten wie Rechenzentren zurück.
- 30. SeptemberDie Bank of England warnt vor Verlusten aus KI-Schulden: Bis Anfang September kamen mehr als doppelt so viele neue hinzu wie im gesamten Jahr 2025.
- 2. OktoberDie US-Arbeitsmarktstatistik meldet nur 29.000 neue Stellen für September, am selben Tag erscheint Hoffmans Podcast.
Die Rechenzentren stützen die US-Konjunktur, doch bezahlt wird der Bau zunehmend mit Schulden.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Hoffmans These für Unternehmen in Deutschland?
Deutschland verdient am KI-Boom vor allem als Lieferant mit. Die Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsinstitute hob ihre Wachstumsprognose für 2026 im September von 0,6 auf 1,3 % an. Impulse kamen nach Einschätzung der Institute von der robusten Weltkonjunktur und dem weltweiten KI-Boom, Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben dagegen schwach.[5] Welche Branchen den Aufschwung stützen und wo Industriejobs verschwinden, zeigt unsere Analyse der Herbstprognose.
Finanziert wird der Boom zunehmend auf Kredit. Weltweit nahmen Unternehmen bis Anfang September nach einer Schätzung von Morgan Stanley rund 390 Mrd. € an KI-bezogenen Schulden auf, mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2025. Steigende Verschuldung, wenig Transparenz und Kreisgeschäfte zwischen KI-Firmen könnten Verluste verstärken, falls sich die Erwartungen nicht erfüllen, warnt der Finanzstabilitätsausschuss der Bank of England.[6] Ein Beispiel liefert SoftBank, das seine OpenAI-Beteiligung zuletzt mit Anleihen bezahlte.
Hoffmans Rechnung, das Geld komme den Gemeinden zugute, geht hierzulande nur bedingt auf. Rechenzentren beschäftigen wenige Menschen. Das Finanzamt verteilt die Gewerbesteuer bei Betriebsstätten in mehreren Gemeinden aber nach der Lohnsumme. Sitzt die Verwaltung des Betreibers anderswo, bringt eine Serverhalle mit kleiner Belegschaft der Standortgemeinde deshalb wenig ein. Durchgerechnet haben wir das am geplanten Rechenzentrum in Wenzenbach bei Regensburg. Für Entscheider ergeben sich daraus zwei Aufgaben:
- Prüfen Sie, wie stark Ihr Auftragsbuch an Kunden aus dem KI-Ausbau hängt, etwa bei Kühlung, Stromtechnik oder Bauleistungen. Rechnen Sie dafür ein Szenario mit sinkenden Bestellungen durch.
- Steht in Ihrer Region ein Rechenzentrum zur Debatte, bewerben Sie sich früh bei Betreiber und Generalunternehmer um Aufträge für Elektrik, Kühlung oder Wartung.
Was ein KI-Rechenzentrum kostet und wer vor Ort daran verdient, rechnet unser Überblick vor, die größten Standorte im Land listet der Beitrag zu den zehn größten Rechenzentren Deutschlands. Wie Hoffmans bekannteste Gründung Geld verdient, seziert die LinkedIn-Analyse. Vermögen und Firmen der Branchengrößen vergleicht der Beitrag zu den 15 reichsten Tech-Milliardären, weitere Meldungen sammelt das Archiv der Tech-Titanen.
FAQ: Reid Hoffman, KI-Rechenzentren und Rezession
Was hat Reid Hoffman über KI und Rezession gesagt?
Reid Hoffman sagte am 2. Oktober 2026 im Podcast Newcomer, das Kapital für KI-Rechenzentren sei der einzige Grund, warum die USA nicht in einer Rezession stecken. Ein großer Teil des Geldes fließe in Bauaufträge für Elektriker, Bauarbeiter und Projektentwickler im ganzen Land.
Wie stark ist die US-Wirtschaft 2026 gewachsen?
Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 aufs Jahr hochgerechnet um 2,2 %. Die Statistikbehörde BEA hob den Wert am 30. September um 0,7 Prozentpunkte an, auch wegen höherer Ausgaben für Rechenzentren. Im September entstanden in den USA nur 29.000 neue Stellen.
Wie sehen die Amerikaner neue Rechenzentren?
Laut Pew Research Center halten 54 % der Erwachsenen in den USA Rechenzentren für überwiegend schlecht für die Umwelt, im Januar 2026 lag der Anteil bei 39 %. Auf dem Land kletterte der Wert von 32 auf 50 %. Mit einer neuen Anlage in ihrer Gegend würden sich 60 % unwohl fühlen.
Profitiert Deutschland vom weltweiten KI-Boom?
Ja, vor allem über den Export. Die Gemeinschaftsdiagnose hob ihre Prognose für 2026 im September auf 1,3 % Wachstum an und nennt den weltweiten KI-Boom als einen Impuls. Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben in Deutschland dagegen schwach.
Quellen
[1] Newcomer: „Reid Hoffman on ChatGPT, Data Centers & Why America Needs AI“, Podcast-Video, 2. Oktober 2026 (Passage ab Minute 29)
[2] U.S. Bureau of Economic Analysis: „GDP (Third Estimate), Industries, Corporate Profits, State GDP, and State Personal Income, 2nd Quarter 2026“, 30. September 2026
[3] U.S. Bureau of Labor Statistics: „The Employment Situation, September 2026“, 2. Oktober 2026
[4] Pew Research Center: „Americans’ views of data centers have turned more negative“, 22. September 2026
[5] Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose: „Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2026: Aufschwung mit Strukturproblemen“, Pressemitteilung, 24. September 2026
[6] Bank of England: „Record of the Financial Policy Committee meeting on 25 September 2026“, 30. September 2026
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