Meta stuft Nvidia-Chips in seinen KI-Rechenzentren laut New York Times in der Steuererklärung als Verbrauchsmaterial für Experimente ein. Über eine ähnliche Auslegung bei Mark Zuckerbergs Aktienoptionen streitet die US-Steuerbehörde IRS mit dem Konzern schon seit Jahren.

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Meta nutzt die Forschungssteuergutschrift der USA stärker als jeder andere börsennotierte Konzern. Von den rund 27,9 Milliarden Euro, die das 1981 eingeführte Instrument den US-Haushalt 2025 laut Prognose des Joint Committee on Taxation kostete, entfiel mehr als ein Zehntel auf den Facebook-Mutterkonzern.[1] Allein 2025 senkte die Gutschrift Metas Steuerlast um rund 3,4 Milliarden Euro, mehr als fünfmal so viel wie 2023.

Das Wichtigste in Kürze

  • Metas US-Forschungsgutschrift stieg von rund 609 Millionen Euro im Jahr 2023 auf 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2025.
  • Laut New York Times verbucht Meta Chips für KI-Rechenzentren seit Ende 2024 als Material für Experimente.
  • Die IRS erkennt eine Steuerersparnis von rund 309 Millionen Euro aus Zuckerbergs Aktienoptionen nicht an, das Verfahren läuft.
  • Die deutsche Forschungszulage ist auf höchstens 4,2 Millionen Euro im Jahr begrenzt.

Wie macht Meta aus KI-Rechenzentren ein Forschungsprojekt?

Ein 1U-Rack-Server unter einer Glasglocke mit orangefarbenem Aufkleber vor weißem Hintergrund
Meta nutzt Pilotmodell-Status für Steuervergünstigungen auf spezialisierte KI-Chips von Nvidia und trennt diese steuerlich von Standard-Rechenzentrum-Chips

Metas Rechnung stützt sich auf den Begriff Pilotmodell. Die US-Steuervorschriften verstehen darunter die Testversion eines Produkts, mit der ein Unternehmen offene Fragen in der Entwicklung klärt. Laut New York Times trennt Meta seit Ende 2024 steuerlich zwischen Chips für KI-Rechenzentren und Chips für gewöhnliche Rechenzentren.[1] Nur die erste Gruppe, darunter Grafikprozessoren von Nvidia, verbucht der Konzern als Verbrauchsmaterial für Experimente, das unter die Gutschrift fällt.

Mit jedem neuen KI-Rechenzentrum wächst die Grundlage für die Gutschrift, etwa mit dem Campus Hyperion in Louisiana, für den Meta mehr als 43,5 Milliarden Euro veranschlagt. Meta-Sprecher Andy Stone sagte der Zeitung, Meta nutze wie andere Unternehmen, die in dieser Größenordnung investieren, „die Steueranreize, die der Kongress vor Jahrzehnten geschaffen hat“. Alle Dollarbeträge sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet (Stand 2. Oktober 2026).

Wie riskant der Ansatz ist, steht in Metas Quartalsbericht. Die Summe der Steuervorteile, die Meta wegen möglicher Anfechtung nicht als sicher verbucht, wuchs bis Ende Juni 2026 auf 16,3 Milliarden Euro, nach 14,3 Milliarden Euro zum Jahresende 2025. Als Hauptgründe nennt der Bericht die Forschungsgutschriften und die Verrechnungspreise mit Auslandstöchtern.[2] Laut New York Times hat die Prüfungsgesellschaft EY den Ansatz gebilligt und anderen Unternehmen angeboten. Kippt die IRS das Modell, treffen Nachforderungen auch weitere Konzerne.

Warum streiten Meta und die IRS über Zuckerbergs Aktienoptionen?

Der älteste Streit dreht sich um Forschungslohn. Für die Steuerjahre 2012 und 2013 rechnete Facebook rund 3,6 Milliarden Euro aus Zuckerbergs ausgeübten Aktienoptionen als Lohn für Forschung an und sparte damit rund 309 Millionen Euro Steuern. Facebook begründete das damit, dass Zuckerberg bei der Zuteilung der Optionen im Jahr 2005 noch selbst programmierte.[1]

Die IRS setzt einen anderen Zeitraum an. Nach Lesart der Behörde vergüteten die Optionen Zuckerbergs Arbeit von 2008 bis 2010, als sie unverfallbar wurden, zumal der Optionsvertrag Leistungen vor diesem Zeitraum ausdrücklich ausschloss. Gegen den Nachforderungsbescheid vom März 2018, der auch Steuergutschriften kürzt, klagt das Unternehmen vor dem US Tax Court.[2] Ein Urteil steht aus; frühere Verfahren um Apple und Sun Microsystems hatten Gewinne aus Mitarbeiteroptionen grundsätzlich als Forschungslohn anerkannt.

Metas Forschungsgutschrift in Zahlen
Seit Ende 2024 verbucht Meta Chips für KI-Rechenzentren als Material für Experimente
Steuerersparnis durch die US-Forschungsgutschrift
20230,61 Mrd. €
20241,74 Mrd. €
20253,40 Mrd. €
16,3 Mrd. €
Steuervorteile, die Meta Ende Juni 2026 wegen möglicher Anfechtung nicht als sicher verbucht
309 Mio. €
Steuerersparnis aus Zuckerbergs Aktienoptionen für 2012 und 2013, die die IRS nicht anerkennt
4,2 Mio. €
Höchstbetrag der deutschen Forschungszulage pro Jahr für kleine und mittlere Unternehmen
Alle Dollarbeträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 (Stand 2. Oktober 2026). Das Verfahren vor dem US Tax Court ist nicht entschieden.

Meta baut Rechenzentren für zweistellige Milliardenbeträge und deklariert sie beim Fiskus als Versuchsaufbau. Spätestens sobald darauf Instagram-Werbung ausgespielt wird, ist aus dem Versuch ein Betrieb geworden.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Was können Unternehmen in Deutschland aus dem Fall lernen?

Das deutsche Gegenstück, die Forschungszulage, zieht engere Grenzen. Für Aufwendungen ab 2026 bezuschusst der Staat Forschungskosten bis zu 12 Millionen Euro im Jahr, mit 25 Prozent bei großen Firmen, bei kleinen und mittleren Unternehmen mit 35 Prozent.[3] Große Firmen erhalten damit höchstens 3 Millionen Euro Zulage im Jahr, kleine und mittlere höchstens 4,2 Millionen Euro. Abschreibungen auf Geräte zählen seit März 2024 mit, allerdings nur für Wirtschaftsgüter, die ausschließlich dem Forschungsvorhaben dienen.

Mittelständler mit Software- oder KI-Projekten sollten von Beginn an festhalten, welches technische Problem ein Vorhaben lösen soll und wie viele Stunden das Team daran arbeitet. Für jeden Testserver lohnt ein Vermerk, ob er Versuche rechnet oder bereits Kunden bedient. Mit einer Buchhaltungssoftware, die Projektkosten getrennt erfasst, liegt dieser Nachweis bereit, sobald das Finanzamt nachfragt.

FAQ: Meta verbucht KI-Rechenzentren als Forschung: Die Steuergutschrift stieg auf 3,4 Milliarden Euro

Was ist die Forschungssteuergutschrift in den USA?

Die Research and Development Tax Credit ist eine US-Steuergutschrift, mit der Unternehmen einen Teil ihrer Ausgaben für Forschung und Experimente direkt von der Steuerschuld abziehen. Begünstigt sind etwa Löhne für Forschungspersonal und Material, das in Versuchen verbraucht wird. Der Kongress führte die Gutschrift 1981 ein.

Was ist die IRS?

Der Internal Revenue Service (IRS) ist die Bundessteuerbehörde der USA und gehört zum Finanzministerium in Washington. Die Behörde zieht Bundessteuern ein, prüft die Steuererklärungen von Privatpersonen sowie Firmen und erlässt Nachforderungsbescheide.

Wie hoch ist die Forschungszulage 2026?

Die Forschungszulage beträgt 2026 für große Unternehmen 25 Prozent, für kleine und mittlere Unternehmen 35 Prozent der förderfähigen Kosten, bei einer Bemessungsgrundlage von höchstens 12 Millionen Euro im Jahr. Daraus ergeben sich bis zu 3 beziehungsweise 4,2 Millionen Euro Zulage. Für Vorhaben, die nach 2025 beginnen, kommen pauschal 20 Prozent für Gemeinkosten hinzu.

Was bedeutet Unverfallbarkeit bei Aktienoptionen?

Unverfallbar ist eine Aktienoption, sobald der Mitarbeiter sie nicht mehr verlieren kann, etwa weil er die vereinbarte Zeit im Unternehmen geblieben ist. Im Englischen heißt dieser Vorgang Vesting. Vorher verfällt die Option meist, falls der Mitarbeiter das Unternehmen verlässt.

Was ist der US Tax Court?

Der United States Tax Court ist ein Bundesgericht in Washington, D. C., das Streitigkeiten zwischen Steuerpflichtigen und der Steuerbehörde IRS entscheidet. Unternehmen können dort gegen Nachforderungsbescheide klagen, ohne die geforderte Steuer vorher zu zahlen. Gegen die Urteile ist Berufung bei den Bundesberufungsgerichten möglich.

Quellen

[1] The New York Times: Bericht über Metas Forschungsgutschriften für KI-Rechenzentren vom 30. September 2026

[2] Meta Platforms: Quartalsbericht Form 10-Q zum 30. Juni 2026

[3] Bescheinigungsstelle Forschungszulage: „Steuerliches Investitionssofortprogramm“

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