Broadcom leiht Anthropic bis zu 36,5 Milliarden Euro für das Leasing von KI-Chips, die Broadcom für Google mitentwickelt. Die Zahl stammt laut Reuters aus dem Börsenprospekt des Claude-Entwicklers. Im selben Dokument warnt Anthropic vor Interessenkonflikten, weil Broadcom zugleich Lieferant und Kreditgeber ist.

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Ein Drittel der künftigen Leasingraten für KI-Chips lässt sich Anthropic vom Chiplieferanten Broadcom vorstrecken. Für fünf Jahre Rechenleistung auf Googles TPU-Chips hat der Claude-Entwickler rund 108,9 Milliarden Euro zugesagt, Broadcom finanziert davon bis zu 36,5 Milliarden Euro.[1] Der Kunde bezahlt den Lieferanten also zu einem guten Teil mit dessen eigenem Geld.

Das Wichtigste in Kürze

  • Broadcom stellt Anthropic bis zu 36,5 Milliarden Euro über Wandelanleihen bereit.
  • Der Rahmen deckt rund ein Drittel der Leasingzusage für Googles TPU-Chips.
  • Anthropic soll 2027 Broadcoms größter Kunde für maßgeschneiderte KI-Chips werden.
  • Der Börsenprospekt nennt Broadcoms Doppelrolle einen möglichen Interessenkonflikt.

Wie funktioniert der Kredit von Broadcom an Anthropic?

Orangefarbenes Sparschwein mit Chip, Aufschrift: „Leihgabe vom Lieferanten“
Broadcom erhält Wandelanleihen von Anthropic, die erst nach dem Börsengang in Aktien umgewandelt werden können. Im April 2026 zahlte Anthropic bereits Bargeld auf ein gesperrtes Konto ein

Das Geld fließt über Wandelanleihen, die Broadcom später in Anthropic-Aktien tauschen kann. Vor dem Börsengang will Anthropic laut Prospekt keine Anleihen aus dem Rahmen abrufen. Schon im April 2026 zahlte der Claude-Entwickler Bargeld auf ein gesperrtes Konto zugunsten von Broadcom ein.[1] Alle Dollarbeträge sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet (Stand 2. Oktober 2026).

Hinter der Summe steht die TPU-Vereinbarung vom April: Anthropic, Google und Broadcom vereinbarten, dass Anthropic ab 2027 mehrere Gigawatt Rechenleistung auf Googles Tensor Processing Units erhält.[2] Laut Reuters wird Anthropic damit 2027 der größte Kunde in Broadcoms Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Chips.

Warum finanziert ein Chiphersteller seinen Kunden?

Mit dem Kredit sichert Broadcom seine Umsatzprognose ab. Der Konzern peilt laut Reuters für das Geschäftsjahr 2027 rund 100 Milliarden Euro KI-Umsatz an, für 2028 rund 200 Milliarden Euro. Im dritten Quartal setzte Broadcom mit KI-Halbleitern 14,5 Milliarden Euro um.[3] Als größter Einzelkunde steht Anthropic für einen erheblichen Teil dieser Planung.

Über die Wandelanleihen verdient Broadcom zusätzlich am Börsenerfolg des Kunden mit. Gerät der Claude-Entwickler ins Straucheln, verliert Broadcom gleich doppelt, als Gläubiger und als Lieferant. Der zugesagte Rahmen übersteigt Broadcoms Barbestand von 20,9 Milliarden Euro zum Quartalsende Anfang August deutlich, im selben Quartal erwirtschaftete der Konzern 11,9 Milliarden Euro freien Cashflow.[3]

Broadcoms Kredit an Anthropic in Zahlen
Der Chiplieferant finanziert einen Teil der Leasingraten für die eigenen Chips
36,5 Mrd. €
Kreditrahmen von Broadcom über Wandelanleihen
108,9 Mrd. €
Zusage von Anthropic für fünf Jahre TPU-Rechenleistung
rund ein Drittel
Anteil der Leasingzusage, den der Kreditrahmen abdeckt
100 Mrd. €
KI-Umsatz, den Broadcom laut Reuters im Geschäftsjahr 2027 anpeilt
Kreditrahmen im Vergleich zu Broadcoms Kasse
Kreditrahmen für Anthropic36,5 Mrd. €
Barbestand Anfang August 202620,9 Mrd. €
Freier Cashflow im dritten Quartal11,9 Mrd. €
Alle Dollarbeträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 (Stand 2. Oktober 2026). Das dritte Quartal von Broadcoms Geschäftsjahr 2026 endete am 2. August 2026.

Broadcom verkauft Anthropic die Chips und streckt das Geld dafür gleich mit vor. Für Claude-Kunden heißt das: Die Verfügbarkeit ihres KI-Modells hängt inzwischen auch an der Bilanz eines Chipherstellers.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Kennt die Branche solche Kreisgeschäfte schon?

Nvidia beteiligt sich an KI-Firmen wie OpenAI, die anschließend Nvidia-Chips kaufen. AMD gab OpenAI im Oktober 2025 Optionsscheine auf bis zu 10 Prozent der eigenen Aktien, gekoppelt an die Abnahme von Rechenleistung, und investiert 4,35 Milliarden Euro in Anthropic. Broadcom selbst verhandelte laut Bloomberg schon im August über bis zu 87 Milliarden Euro Fremdkapital für Anthropics Chips.

Das Risiko solcher Kreisgeschäfte zeigte sich um 2001: Die Netzausrüster Lucent und Nortel hatten ihren Telekom-Kunden die Netztechnik finanziert und blieben nach dem Platzen der Internetblase auf den Forderungen sitzen.

Was bedeutet die Verflechtung für Claude-Kunden in Europa?

Der Prospekt beschreibt das Ausfallrisiko aus Anthropics Sicht: Gerät der Claude-Entwickler mit Zahlungen in Verzug, können hohe Leasingverpflichtungen sofort fällig werden, und gleichzeitig verliert Anthropic den Zugang zum Kreditrahmen.[1] Zudem beeinflussen Broadcoms Preise und Hardware-Entscheidungen, wie viel Rechenleistung Anthropic beschaffen kann. Den Risikofaktoren widmet Anthropic rund 80 von 261 Seiten im Börsenprospekt.

Anthropic selbst verteilt seine Rechenleistung auf mehrere Anbieter und bucht zusätzlich CPU-Leistung bei Akamai. Dieselbe Streuung empfiehlt sich für Unternehmen, die Claude per Programmierschnittstelle oder über Google Vertex AI und Amazon Bedrock in ihre Abläufe einbinden. Ein getestetes Zweitmodell für zentrale KI-Anwendungen und vertraglich geregelte Ausweichwege bei Kapazitätsengpässen kosten im Vergleich zu einem Ausfall wenig.

FAQ: 36,5 Milliarden Euro Kredit: Broadcom finanziert Anthropic das Leasing der eigenen Chips

Was sind Wandelanleihen?

Wandelanleihen sind Kredite, die der Geldgeber später in Aktien des Schuldners umtauschen kann. Bis zum Tausch hat Broadcom die Rechte eines Gläubigers, danach die eines Aktionärs von Anthropic.

Was ist eine TPU?

Eine Tensor Processing Unit (TPU) ist Googles eigener Chip für das Training und den Betrieb von KI-Modellen. Broadcom entwickelt die Chips gemeinsam mit Google, Kunden wie Anthropic nutzen die Chips über Googles Cloud oder als geleaste Rechenleistung.

Wann geht Anthropic an die Börse?

Einen Termin hat Anthropic nicht genannt. Reuters hat den Entwurf des Börsenprospekts eingesehen, bei der US-Börsenaufsicht SEC war das Dokument am 2. Oktober 2026 noch nicht öffentlich abrufbar.

Wie viel Umsatz macht Anthropic?

Im April 2026 bezifferte Anthropic seinen hochgerechneten Jahresumsatz auf rund 26,1 Milliarden Euro, umgerechnet zum Kurs von 0,87. Ende 2025 lag der Wert noch bei rund 7,8 Milliarden Euro.

Quellen

[1] Reuters (veröffentlicht bei CNBC): „Broadcom to lend Anthropic up to $42 billion to lease its chips, filing says“

[2] Anthropic: „Anthropic expands Google and Broadcom compute deal“

[3] Broadcom: „Broadcom Inc. Announces Third Quarter Fiscal Year 2026 Financial Results and Quarterly Dividend“

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