Für rund 10,1 Milliarden Euro sichert sich Anthropic sieben Jahre lang Rechenleistung in der Cloud von Akamai. Der Vertrag betrifft Prozessoren (CPUs), keine Grafikchips für das Modelltraining. Obendrein erhält der Claude-Entwickler Optionsscheine auf bis zu 5 Prozent der Akamai-Aktien.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Anthropic sagt Akamai rund 10,1 Milliarden Euro über sieben Jahre zu, dazu kommt eine Option auf weitere 7,8 Milliarden Euro.
- Der Vertrag deckt CPU-Rechenleistung ab, keine GPU-Kapazität fürs Training.
- Über Optionsscheine kann Anthropic bis zu 5 Prozent an Akamai erwerben, rund 2 Prozent sind sofort unverfallbar.
- Akamai kauft vorab Arbeitsspeicher und investiert 2026 rund 1,5 Milliarden Euro mehr.
Was kauft Anthropic bei Akamai?

Anthropic bindet sich sieben Jahre an die Akamai Cloud, das verteilte Rechenzentrumsnetz des Konzerns aus Cambridge (Massachusetts). Akamai begründet den Auftrag mit Anthropics schnell wachsendem Bedarf an CPU-Rechenleistung.[1] Erste Umsätze erwartet Akamai ab der zweiten Jahreshälfte 2027, Ende 2028 soll das Geschäft mit Anthropic rund 1,5 Milliarden Euro im Jahr einbringen. Beide Seiten können das Volumen auf insgesamt rund 17,4 Milliarden Euro aufstocken. Die Dollarbeträge sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet (Stand 25. September 2026).
Der Großauftrag übertrifft alles Bisherige in Akamais Cloud-Geschäft: Bis August sammelte der Konzern bei allen Cloud-Kunden Mehrjahreszusagen über zusammen mehr als 2,4 Milliarden Euro ein. Für 2026 rechnet Akamai mit rund 3,9 Milliarden Euro Umsatz, das Cloud-Infrastrukturgeschäft wuchs im zweiten Quartal um 39 Prozent.[2] Allein für diesen Kunden plant Akamai Investitionen von rund 4,8 Milliarden Euro.
Warum braucht Anthropic Prozessoren statt Grafikchips?
Welche Anwendungen auf den Servern laufen, verraten beide Firmen nicht. Naheliegend sind KI-Agenten: Grafikchips berechnen die Antworten des Modells, doch sobald Claude Code ausführt, Webseiten abruft oder Werkzeuge bedient, laufen diese Schritte in abgeschotteten Umgebungen auf gewöhnlichen Prozessoren. Nach Einschätzung des chinesischen Chipherstellers Hygon verschieben KI-Agenten das Verhältnis von CPU zu GPU im Rechenzentrum von 1:8 auf 1:1.
Nvidia zielt mit der 88-Kern-CPU Vera auf denselben Bedarf. Akamai bringt dagegen die Verteilung mit: Das Netz aus der Auslieferung von Webinhalten steht an vielen Standorten nahe bei den Nutzern.
Anthropic bezahlt Akamai mit Aufträgen und bekommt dafür Aktien zurück. Die Rechnung geht nur auf, solange die Agenten tatsächlich so viel Prozessorzeit verbrauchen, wie beide Firmen heute kalkulieren.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Warum wird der Kunde zum Aktionär seines Lieferanten?
Die Optionsscheine koppeln Anthropics Beteiligung an künftige Käufe. Rund 2 Prozent werden mit dem jetzigen Auftrag unverfallbar, je weitere 2,6 Milliarden Euro Auftragsvolumen kommt etwa ein Prozentpunkt hinzu. Die Scheine berechtigen zum Kauf stimmrechtsloser, wandelbarer Vorzugsaktien.
Das Muster kennt die Branche von AMD. Der Chipkonzern gab OpenAI im Oktober 2025 Optionsscheine auf bis zu 10 Prozent seiner Aktien, gebunden an die Abnahme von bis zu 6 Gigawatt Rechenleistung. Zwischen AMD und Anthropic fließt das Geld ebenfalls in beide Richtungen: AMD investiert 4,35 Milliarden Euro in Anthropic und liefert die Chips gleich mit. Bleibt Anthropics Nachfrage hinter dem Plan zurück, sitzt Akamai auf Servern für 4,8 Milliarden Euro, die ein einziger Kunde bestellt hat.
Was bedeutet der Vertrag für IT-Einkäufer in Europa?
Für den Vertrag kauft Akamai Arbeitsspeicher vorab ein und konkurriert damit mit den Serverbestellungen europäischer Mittelständler um dieselben Chips. KI-Server werden laut Bloomberg wegen knapper Speicherchips bereits um mehr als 15 Prozent teurer.
Anthropic verteilt seine Rechenleistung inzwischen auf Google, Amazon, Microsoft, Lambda und Nscale, zuletzt mit 39 Milliarden Euro für ein Rechenzentrum im Inselnetz. Die breite Streuung senkt das Risiko, dass ein einzelner Engpass Claude ausbremst. IT-Verantwortliche sollten bei KI-Projekten mit Agenten die Kosten je erledigter Aufgabe messen, denn die Prozessorzeit taucht in Preisen nach Tokens bisher nur indirekt auf.
FAQ: Anthropic, Akamai und der CPU-Vertrag
Was ist Akamai?
Akamai Technologies ist ein US-Konzern aus Cambridge, Massachusetts, der mit der Auslieferung von Webinhalten groß wurde. Heute verkauft Akamai zusätzlich Sicherheitsdienste und Cloud-Rechenleistung. Den Grundstock seiner Cloud übernahm der Konzern 2022 mit dem Hoster Linode.
Wie viel zahlt Anthropic an Akamai?
Anthropic sagt Akamai rund 10,1 Milliarden Euro über sieben Jahre zu. Eine Option erlaubt bis zu 7,8 Milliarden Euro zusätzlich, zusammen also rund 17,4 Milliarden Euro. Die Beträge sind zum Kurs von 0,87 umgerechnet (Stand 25. September 2026).
Warum brauchen KI-Agenten viel CPU-Leistung?
Grafikchips berechnen die Antworten eines Sprachmodells. Führt ein KI-Agent Code aus, ruft Webseiten ab oder bedient Werkzeuge, laufen diese Schritte in abgeschotteten Umgebungen auf gewöhnlichen Prozessoren. Mit mehr Agenten steigt deshalb der CPU-Bedarf im Rechenzentrum.
Wird Anthropic Aktionär von Akamai?
Anthropic erhält Optionsscheine auf bis zu 5 Prozent der Akamai-Aktien zu einem Ausübungspreis von rund 97 Euro. Rund 2 Prozent sind mit dem aktuellen Auftrag unverfallbar, der Rest hängt an weiteren Käufen. Die Scheine berechtigen zu stimmrechtslosen Vorzugsaktien.
Quellen
[1] Akamai Technologies: „Akamai Announces $11.6 Billion Multi-year Agreement with Anthropic to Support Growing Demand“
[2] Akamai Technologies: „Akamai Reports Second Quarter 2026 Financial Results“
Mehr Newshunger?
- Anthropic zahlt laut Bloomberg 39 Milliarden Euro für Rechenleistung im Inselnetz
- Broadcom beschafft laut Bloomberg bis zu 87 Milliarden Euro für Anthropics KI-Chips
- 30 Milliarden Euro für Claude: Anthropic mietet Rechenleistung bei Nvidias Partner Lambda
- Meta wird zum Cloud-Vermieter: Rechenpower für den KI-Rivalen Anthropic
- 173 Milliarden Euro: Anthropic kauft sich bei Google ein
- Anthropic vor dem Börsengang: 56,6 Milliarden Euro sind hochgerechnet, nicht verdient