Lufax ist zurück an der Hongkonger Börse: Nach fast 20 Monaten Handelsaussetzung schloss die Aktie der Ping-An-Tochter am 24. September bei 6,45 Hongkong-Dollar, 40,8 Prozent unter dem letzten Kurs. Auslöser der Pause war ein Streit mit dem Prüfer PwC über verschwiegene Kredite an eine Drittfirma.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenStellen Sie sich vor, Ihre Aktie ist über 600 Tage nicht handelbar, und am ersten Handelstag fehlen vier von zehn Hongkong-Dollar. Diesen Tag erlebten die Hongkonger Aktionäre von Lufax, der Kreditplattform des Versicherungskonzerns Ping An. Das Wirtschaftsportal Yicai meldete den Kurssturz noch am selben Tag.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Der Handel in Hongkong ruhte vom 28. Januar 2025 bis zum 24. September 2026.
- Von 2017 bis 2023 flossen 3,84 Milliarden Yuan (rund 500 Millionen Euro) an eine Drittfirma, die Verluste von Kleinanlegern ausglich.
- Nach der Bilanzkorrektur fiel der Nettogewinn 2022 um 917 Millionen Yuan (rund 120 Millionen Euro) niedriger aus.
- Im ersten Halbjahr 2026 verbuchte Lufax 694 Millionen Yuan Verlust, rund 91 Millionen Euro.
Warum war die Lufax-Aktie so lange eingefroren?

Der Abschlussprüfer schlug Alarm. Im Oktober 2024 stieß PwC im Gespräch mit einem leitenden Manager auf Geschäfte mit nahestehenden Parteien, die Lufax nie offengelegt hatte. PwC verlangte eine Untersuchung und zog später die Zustimmung zu den eigenen Testaten für 2022 und 2023 zurück.[2] Im Januar 2025 trennte sich Lufax von der Prüfungsgesellschaft, ab dem 28. Januar ruhte der Handel in Hongkong.
Die Untersuchung legte den Zweck der Geschäfte offen. Zwischen 2017 und 2023 lieh Lufax der Firma Shenzhen Decheng Investment insgesamt 3,84 Milliarden Yuan. Decheng kaufte damit Vermögenswerte verlustreicher Anlageprodukte, die Kleinanleger über Lufax erworben hatten, und glich so deren Verluste aus.[3] Drei Gesellschaften kontrollierte Lufax faktisch, ohne diese Einheiten in den Konzernabschluss aufzunehmen.
Der Umweg verschleierte die Kosten. Lufax, 2011 gegründet, vermittelte anfangs Privatkredite und Anlageprodukte. Offene Entschädigungen hätten als Verlust in der Bilanz gestanden, über Decheng erschienen die Zahlungen als gewöhnliche Kredite. Nach der Korrektur lag der Nettogewinn 2022 um 10,4 Prozent niedriger, der für 2023 um 7,9 Prozent.[4] Hauptverantwortlich macht Lufax den früheren Co-Chef und den früheren Finanzchef.
Warum stürzt der Kurs erst jetzt?
In New York lief der Handel weiter. Die Lufax-Anteilsscheine (ADS) schlossen dort am 23. September bei 1,22 US-Dollar.[5] Seit Dezember 2023 entspricht ein ADS zwei Aktien.[6] Umgerechnet auf eine Aktie ergab der New Yorker Kurs rund 0,54 Euro, der letzte Hongkonger Kurs vor der Pause lag bei 1,22 Euro. Am ersten Handelstag holte der Hongkonger Kurs den Rückgang aus 20 Monaten nach und schloss bei 0,72 Euro, immer noch gut ein Drittel über dem New Yorker Gegenwert.
Das Kerngeschäft schrumpft weiter. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz um 11,3 Prozent auf 12,49 Milliarden Yuan (1,64 Milliarden Euro zum EZB-Kurs vom 24. September), der Kreditbestand um 13,5 Prozent.[1]
Ein ausgesetzter Handel schützt Anleger nicht vor dem Verlust, der Stopp verschiebt nur den Tag der Abrechnung. Die New Yorker Kurse zeigten den Wertverlust seit Monaten.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der Fall für Anleger in Europa?
Der Börsenplatz entscheidet, ob Anleger verkaufen können. Viele chinesische Konzerne sind wie Baidu doppelt in New York und Hongkong notiert. Bei Lufax blieben die ADS handelbar, die Hongkonger Aktien nicht. Anleger in der DACH-Region prüfen deshalb am besten, an welcher Börse ihr Depot das Papier führt.
Ein Prüferwechsel im Streit gilt als Warnsignal. Lufax holte EY als neuen Abschlussprüfer und Deloitte für die interne Kontrolle.[4] In Deutschland prüft seit 2022 die BaFin selbst, ob Konzernbilanzen korrekt sind, und beanstandete etwa Zalandos Konzernbilanz.
Warum war die Lufax-Aktie in Hongkong ausgesetzt?
Der frühere Prüfer PwC stieß Ende 2024 auf nicht offengelegte Geschäfte mit nahestehenden Parteien und zog die Zustimmung zu seinen Testaten für 2022 und 2023 zurück. Lufax trennte sich im Januar 2025 von PwC, ab dem 28. Januar 2025 ruhte der Handel in Hongkong.
Wie stark fiel die Lufax-Aktie nach der Wiederaufnahme?
Am 24. September 2026 schloss die Aktie in Hongkong bei 6,45 Hongkong-Dollar, 40,8 Prozent unter dem letzten Kurs vor der Aussetzung. Umgerechnet sind das rund 0,72 Euro je Aktie.
Was hat Lufax mit den verdeckten Krediten finanziert?
Lufax lieh der Firma Shenzhen Decheng Investment von 2017 bis 2023 insgesamt 3,84 Milliarden Yuan, rund 500 Millionen Euro. Decheng kaufte damit Vermögenswerte verlustreicher Anlageprodukte auf und glich so Verluste von Kleinanlegern aus.
Quellen
[1] Yicai (第一财经): „停牌超600天,陆金所港股复牌首日股价跌40%“
[2] Levi & Korsinsky über PR Newswire: „LU Investor Alert: Lufax Holding Ltd Securities Fraud Lawsuit“
[3] Sina Finance (新浪财经): „陆金所控股关联交易风波后续:补充调查结果出炉,正推进内控整改“
[4] Tencent News (腾讯新闻): „卷入‚关联交易‘风波后,陆金所换了董事长、CEO、CFO、CRO“
[5] Investing.com China (Zhitong Finance): „美股异动 | 陆金所控股(LU.US)收涨超6% 港股停牌近20个月后复牌“
[6] Lufax Holding (SEC): „Lufax Holding Ltd Announces Plan to Implement ADS Ratio Change“
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