Ein 100-Dollar-Schein besteht zu 75 % aus Baumwolle und zu 25 % aus Leinen, darin stecken farbige Fasern und ein Sicherheitsfaden. Die US-Website RealWorth zerlegt die Banknote in 14 Scroll-Kapiteln als 3D-Modell und liefert jede Szene zusätzlich als Text. Gerade diese zweite Fassung macht das Stück zum Lehrbeispiel für interaktive Erklärseiten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Scrollytelling von RealWorth endet mit demselben Dreischritt, den die Bundesbank für Euro-Scheine empfiehlt: Fühlen, Sehen, Kippen.[3] Die Seite überträgt die amerikanische Prüfanleitung „Feel, Tilt, Check“ auf ein Modell, das sich beim Scrollen Schicht für Schicht öffnet.[1] Der Zeitpunkt passt, denn in Europa wählt die EZB gerade das Design der nächsten Euro-Serie aus.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- RealWorth erklärt den 100-Dollar-Schein in 14 Kapiteln an einem zerlegbaren 3D-Modell.
- Ohne JavaScript erhalten Besucher alle Kapitel als vollständige Textfassung.
- Die FAQ-Antworten verweisen auf amtliche Unterlagen der US-Behörden.
- Über das Design der neuen Euro-Banknoten entscheidet die EZB voraussichtlich gegen Ende 2026.
Wie zerlegt RealWorth die Banknote?

In 14 Kapiteln fährt ein 3D-Modell des 100-Dollar-Scheins auseinander und zeigt sich auch im Querschnitt. Per Schalter lässt sich die Banknote auch im Gegenlicht oder unter UV-Licht betrachten.[1]
Den Anfang macht das Papier mit eingestreuten roten und blauen Fasern. Danach folgen Wasserzeichen und Sicherheitsfaden, später das eingewebte blaue 3D-Band, dessen Glocken und Hunderter beim Kippen wandern. Im UV-Modus leuchtet der schmale Sicherheitsfaden rosa, genau wie am echten Schein.[1]
Ihre Zählweise legt die Seite offen. Der Leitfaden unterscheidet 15 Merkmalsgruppen nach dem offiziellen Datenblatt der US-Behörden, davon fünf zentrale Sicherheitsmerkmale. Im Modell selbst lassen sich 11 Merkmale anwählen, geordnet in 8 Bausystemen. Schichtabstände und Dicken sind laut Hinweis bewusst übertrieben dargestellt.[1]
Warum trägt die Textfassung die halbe Arbeit?
Ohne Textalternative bleibt ein 3D-Modell für Screenreader und Suchsysteme stumm. RealWorth stellt deshalb alle 14 Kapitel zusätzlich als Text bereit und ergänzt einen Leitfaden mit Merkmalsliste und FAQ-Block.[1]
Genau das verlangt das WCAG-Kriterium 1.1.1 der Stufe A: Nicht-Text-Inhalte brauchen eine Textalternative, die denselben Zweck erfüllt.[4] Ohne JavaScript meldet die Seite, dass der Betrachter Skripte braucht, und verweist sofort auf die Textfassung.
Jede FAQ-Antwort beginnt mit einer Direktantwort und verlinkt das passende amtliche PDF, etwa das Merkmalsblatt oder die Prüfanleitung. Solche Absätze können Suchsysteme zitieren, ein gerendertes 3D-Bild dagegen nicht. Warum zitierfähige Textblöcke in KI-Antworten zählen, erklärt der Ratgeber zur Generative Engine Optimization.
Offen benennt RealWorth auch die Grenze des eigenen Modells: Weder ein Bild noch das 3D-Modell könne einen Schein auf Echtheit prüfen, heißt es direkt unter der Prüfanleitung.[1]
Drei Prüfschritte, zwei Währungen
Ein 3D-Modell weckt Neugier, verständlich und auffindbar wird es erst durch die Textfassung. Diesen Doppelbau sollten Agenturen bei jedem Produktkonfigurator von Anfang an einplanen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Shops und Agenturen im DACH-Raum?
Für viele Onlineshops gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. 3D-Produktansichten sollten deshalb eine gleichwertige Textfassung mit Maßen und Materialangaben erhalten.[5]
Welche Pflichten im Einzelnen gelten, fasst der Überblick zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz zusammen. Konkrete Schritte für Händler stehen im Beitrag zur digitalen Barrierefreiheit im Onlineshop. Für die Scroll-Mechanik brauchen Sie nicht zwingend eine große Bibliothek, denn moderne Browser steuern viele Scroll-Animationen per CSS. Planen Sie dabei eine ruhige Variante für Nutzer ein, die in ihrem System reduzierte Bewegung eingestellt haben.
Auch die Euro-Scheine stehen vor der ersten vollständigen Neugestaltung seit 2002. Aus einem Wettbewerb mit über 1.200 Bewerbungen stellte die EZB am 23. Juli 2026 zehn Entwürfe vor. Die öffentliche Umfrage dazu lief bis zum 21. September.[2] Die neue Serie soll die Nutzung für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen verbessern. Banken und Handelsketten, die ihr Kassenpersonal auf die neuen Merkmale schulen, finden bei RealWorth eine brauchbare Vorlage.
Quellen
[1] RealWorth: „Anatomy of a $100 Bill: 15 Features“
[2] Europäische Zentralbank: „EZB präsentiert Endauswahl der Designs für die neuen Banknoten und startet öffentliche Umfrage“
[3] Deutsche Bundesbank: „Schnelltest Europa-Serie: Sehen, Fühlen, Kippen“
[4] W3C: „Understanding Success Criterion 1.1.1: Non-text Content“
[5] Bundesministerium der Justiz: „Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG)“
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