Cavalry galt in der Motion-Design-Szene lange als Geheimtipp mit Abo-Preis, jetzt liegt die Vollversion für Einzelanwender ohne Kosten vor. Wie ernst das Werkzeug gemeint ist, zeigt ein prominenter Nutzer: Der Melbourner Designer Rob Farmer baut damit Cover für das New York Times Magazine.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Cavalry Pro ist seit dem 16. April 2026 für Einzelanwender kostenlos, kommerzielle Nutzung eingeschlossen; Studios zahlen über Canva Enterprise.
- Die Software animiert prozedural über Parameter wie Rauschen und Zufallswerte, statt jedes Bild einzeln zu setzen.
- Für das Web exportiert Cavalry das Vektorformat Lottie, dazu Videocodecs und Bildsequenzen.
- Die App läuft unter Windows 10 und macOS 12 aufwärts und verlangt beim Start ein kostenloses Canva-Konto.
Was macht Cavalry im Motion-Design anders?

Cavalry stammt vom Londoner Studio Scene Group und setzt auf prozedurale Animation. Statt jede Bewegung Bild für Bild zu setzen, steuern Designer sie über Parameter, und ein Regler für Rauschen oder ein Zufallswert erzeugt hunderte Varianten in einem Schritt. Rob Farmer schätzt daran, dass sich Zufallswerte und Rauschen wie Muster aus der Natur verhalten.
Für Web- und Interface-Designer zählt vor allem der Lottie-Export. Dieses Vektorformat spielt Animationen als kompakte JSON-Datei aus, die im Browser und in Apps ohne schwere Videodateien läuft, etwa für animierte Icons oder Mikrointeraktionen. Cavalry importiert dazu Daten aus CSV- oder JSON-Dateien und macht Zähler oder Diagramme datengetrieben, ähnlich wie das Werkzeug DialKit Interface-Parameter in Echtzeit justiert.
Warum verschenkt Canva Cavalry?
Hinter dem Schritt steht die Übernahme durch Canva im Februar 2026. Sechs Wochen später, am 16. April, gab der australische Design-Konzern die Vollversion für einzelne Kreative frei[1] und kassiert nur noch bei Studios über eine Canva-Enterprise-Lizenz. Dieses Muster kennt die Branche von Figma, das seinen Editor gratis verteilt und an den Teams verdient.
Für Canva ist Cavalry ein Baustein gegen Adobe. Nach Zukäufen wie Affinity und Leonardo.ai fügt der Konzern seiner Suite ein Profi-Animationswerkzeug hinzu und greift After Effects an, das allein im Abo der Adobe Creative Cloud zu haben ist. Die frühere Rechnung von 192 Pfund im Jahr entfällt für Einzelnutzer damit ganz.
Canva verschenkt Cavalry nicht aus Großzügigkeit, sondern um Adobe die Einzelanwender abzugraben. Den eigentlichen Preis zahlen Nutzer mit dem Pflicht-Login beim Konzern, das jeder Programmstart verlangt.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Web-Designer im DACH-Raum?
Vor dem Umstieg lohnt ein Blick auf die Anmeldepflicht. Version 2.7 verlangt beim Start ein Canva-Konto und meldet den Nutzer damit an einen Cloud-Dienst außerhalb der EU an. Für Agenturen, die mit Kundendaten arbeiten, gehört dieser Datenfluss in die DSGVO-Prüfung, die ein rein lokales Programm gar nicht erst auslöst.
Für animierte Icons, Ladeanimationen oder Bewegtbild auf Websites ersetzt Cavalry teure Abos, und der Lottie-Export fügt sich in gängige Web-Stacks ein. Teams mit Bedarf an Videoschnitt und einem großen Plugin-Ökosystem bleiben vorerst bei After Effects. Ein Test mit einem echten Projekt zeigt schneller als jede Feature-Liste, ob der prozedurale Ansatz zum Team passt.
Neben Cavalry stehen Web-Teams weitere kostenlose Bausteine offen, von quelloffenen UI-Komponenten bis zu Design Tokens.
Quelle
[1] Cavalry (Scene Group / Canva): „Cavalry is now free for individuals“
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