Meitu kennt fast jeder als Schönheits-App fürs Selfie, doch die Halbjahreszahlen vom 26. August erzählen eine andere Geschichte. Die wiederkehrenden Erlöse der KI-Produktivitätssparte wuchsen um 47,8 Prozent auf rund 74 Millionen Euro, die Bruttomarge dagegen fiel um 3,8 Prozentpunkte. Hinter dem Umbau vom Foto-Filter zur Design-Software steckt eine Kostenmechanik, die jedes Team mit KI-Funktionen kennt.

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Meitu hat am 26. August die Halbjahreszahlen 2026 vorgelegt und zum ersten Mal offengelegt, wie viel die KI-Werkzeuge für Profis schon einspielen. Der Konzern aus Xiamen will weg vom Ruf der reinen Beauty-App, hin zum Anbieter von Design- und Content-Software. Genau dieser Wechsel entscheidet, ob aus einer Consumer-Marke ein Software-Zulieferer wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Meitu steigerte den Halbjahresumsatz um 22,1 Prozent auf rund 265 Millionen Euro, der Nettogewinn wuchs um 40 Prozent.
  • Die KI-Produktivitätssparte kommt auf einen wiederkehrenden Jahresumsatz von rund 74 Millionen Euro, ein Plus von 47,8 Prozent.
  • 18,44 Millionen zahlende Abonnenten nutzen die Apps, 2,35 Millionen davon die Produktivitäts-Werkzeuge.
  • Die Bruttomarge sank um 3,8 Prozentpunkte auf 71,5 Prozent, weil generative Funktionen laufende Rechenkosten verursachen.

Warum tauscht Meitu den Schönheitsfilter gegen Design-Werkzeuge?

Geöffnete blaue Plastikbox mit Buntstiften, Lineal, Farbfächer und Plakette „Design 2026“
Meitu diversifiziert: Vom gesättigten Selfie-Markt zu B2B-Tools wie Design Studio, Vmake und MVLAND für Unternehmen, Marketing-Teams und Kreativagenturen

Sättigung im Consumer-Geschäft zwingt Meitu zum Schwenk. Der Markt für Selfie-Retusche ist ausgereizt, das Wachstum kommt aus den Werkzeugen für Unternehmen. Apps wie Meitu Design Studio, das Video-Tool Vmake und die Musikvideo-Plattform MVLAND zielen auf Marketing-Teams, Online-Händler und Kreativagenturen.[1]

Zweistelliges Wachstum belegt den Umbau. Der wiederkehrende Jahresumsatz der Produktivitäts-Apps stieg um 47,8 Prozent auf rund 74 Millionen Euro, der Sparten-Umsatz legte um 40,1 Prozent zu. Vmake wächst noch schneller mit einem Plus von mehr als 200 Prozent, MVLAND verdoppelte seinen Wert binnen drei Monaten.

Das Kerngeschäft trägt die teure Expansion. Die Imaging- und Design-Produkte, überwiegend Abonnements, brachten rund 216 Millionen Euro, 30,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Aus diesen Erlösen finanziert Meitu den Vorstoß zu Firmenkunden, ein Muster, das auch die klassische Bildbearbeitung in Photoshop unter Druck setzt.

Warum sinkt die Marge, obwohl der Umsatz wächst?

Rechenkosten pro Klick sind der Grund. Anders als ein festes Abonnement verursacht jede generative Bild- oder Videoausgabe direkte Kosten für Rechenleistung. Je stärker die Nutzer die KI-Funktionen ausreizen, desto höher fällt die Rechnung für Meitu aus.

„Der Verbrauch von KI-Guthaben folgt einer grundlegend anderen Ertragslogik als das feste Abonnement und erhöht die direkten Betriebskosten, je intensiver die Nutzer interagieren“, sagt Finanzvorstand Gary Ngan.

Die Bruttomarge zeigt die Folge. Der Wert sank um 3,8 Prozentpunkte auf 71,5 Prozent, obwohl Umsatz und Gewinn kräftig zulegten. Ein wachsender Teil der Wertschöpfung fließt in Grafikchips und Cloud-Rechenzeit statt in den Gewinn.

Ein eigenes Modell soll gegensteuern. Das hauseigene MiracleVision erzeugt nach Firmenangaben über 96 Prozent der generativen Ausgaben und senkt die Abhängigkeit von teuren Fremdmodellen. Denselben Weg gehen Adobe und Canva, deren KI-Bildwerkzeuge für den Online-Shop ebenfalls in bestehende Abos wandern.

Meitu verkauft nicht länger schöne Selfies, sondern Rechenzeit mit Oberfläche. Generative KI im Abo tauscht planbare Marge gegen nutzungsabhängige Kosten, die Käufer künftig einpreisen müssen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Meitu im ersten Halbjahr 2026
Vom Foto-Filter zur KI-Design-Software, in Euro umgerechnet
265 Mio. €
Halbjahresumsatz
+22,1 %
74 Mio. €
ARR der KI-Produktivitätssparte
+47,8 %
18,44 Mio.
zahlende Abonnenten
+19,7 %
71,5 %
Bruttomarge
−3,8 Prozentpunkte
+40,0 %
Nettogewinn zum Vorjahr
Rekordwert
EU-KI-Verordnung, Artikel 50

Seit dem 2. August 2026 müssen KI-erzeugte oder veränderte Bilder maschinenlesbar gekennzeichnet werden. Büßgeld bis 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes, Schonfrist für Altsysteme bis Dezember 2026.

Was bedeutet Meitus KI-Umbau für Design-Teams in der DACH-Region?

Kennzeichnungspflicht ist die erste Konsequenz. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, dass KI-erzeugte oder veränderte Bilder und Videos maschinenlesbar markiert werden, damit Software sie als synthetisch erkennt.[2] Für rein assistive Retusche gilt eine Ausnahme, doch die generativen Ausgaben aus Werkzeugen wie MiracleVision fallen unter die Pflicht.

Eine Schonfrist mildert den Einstieg. Für Altsysteme läuft über den Digital Omnibus eine Frist bis Dezember 2026, danach drohen Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Hinzu kommt der Datenschutz: Gesichtsfotos sind personenbezogene, oft biometrische Daten, deren Verarbeitung in einer chinesischen App die DSGVO berührt.

Die Rechnung ändert sich für Design- und Marketing-Teams. Eine Abrechnung nach verbrauchtem Guthaben statt fester Lizenz macht das Budget schwerer planbar, der Vergleich mit Adobe Firefly oder Canva lohnt sich dann neu. Vor der Einführung sichern Teams die Kennzeichnung technisch ab und rechnen den Preis je Ausgabe durch, der Datenfluss in eine chinesische App gehört zusätzlich auf den Prüfstand.

Quellen

[1] Meitu Inc.: Interim Results, Investor Relations

[2] Europäische Kommission: Transparency obligations under Article 50 of the AI Act

FAQ: Meitu wird zur Design-Firma

Was ist Meitu?

Meitu ist ein 2008 gegründetes chinesisches Software-Unternehmen aus Xiamen, das an der Börse Hongkong notiert ist. Bekannt wurde es mit Foto-Apps wie Meitu und BeautyCam zur Selfie-Retusche. Heute baut der Konzern sein Geschäft in Richtung KI-gestützter Design- und Produktivitäts-Software um.

Womit verdient Meitu heute sein Geld?

Den Großteil des Umsatzes bringen weiterhin Abonnements der Imaging- und Design-Apps, im ersten Halbjahr 2026 rund 216 Millionen Euro. Am schnellsten wächst die KI-Produktivitätssparte mit einem wiederkehrenden Jahresumsatz von etwa 74 Millionen Euro und einem Plus von 47,8 Prozent. Die Consumer-Apps finanzieren den Ausbau des Geschäfts mit Firmenkunden.

Sind mit KI erzeugte Bilder in der EU kennzeichnungspflichtig?

Ja. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, dass KI-erzeugte oder veränderte Bilder und Videos maschinenlesbar markiert werden. Für rein assistive Retusche gilt eine Ausnahme, für generative Ausgaben nicht. Bei Verstoß drohen Bußgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Welche Alternativen zu Meitu gibt es für Design-Teams?

Für Marketing- und Design-Teams im DACH-Raum sind Adobe Firefly, Canva und Photoshop mit KI-Funktionen die naheliegenden Alternativen. Sie unterscheiden sich vor allem im Abrechnungsmodell, also feste Lizenz gegen verbrauchsabhängiges Guthaben, und im Umgang mit der EU-Kennzeichnungspflicht. Ein Vergleich lohnt sich vor jeder Einführung.

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