
Digitale Barrierefreiheit 🚦: So machen Sie Ihren Shop fit für alle Nutzer
Michael Dobler
Autor Dr. WebIhr Shop läuft, aber nicht für alle? Digitale Barrierefreiheit ist kein Nice-to-have mehr, sondern eine Frage der Reichweite. Und der Umsatz folgt bekanntlich der Reichweite. Zeit, die Stolpersteine zu beseitigen.
Warum Digitale Barrierefreiheit im E-Commerce über Erfolg und Misserfolg entscheidet
Digitale Barrierefreiheit beginnt nicht im Code, sondern in Ihrem Denken. Sie entscheiden, ob Ihr Online-Shop funktioniert – für alle Menschen oder nur für manche. Ob jemand mit einer Sehbehinderung durch Ihren Checkout kommt oder vor einem unlesbaren Button kapituliert, hängt nicht von einer ethischen Grundsatzdebatte ab, sondern von Ihrer To-do-Liste. Und die ist kürzer, als viele glauben.
Digitale Zugänglichkeit betrifft nicht nur ein paar wenige
Ein gern genutzter Irrtum: Menschen mit Einschränkungen machen nur einen kleinen Teil der Zielgruppe aus. Die Wahrheit ist: Laut Schätzungen der WHO lebt weltweit etwa jeder sechste Mensch mit einer dauerhaften oder temporären Beeinträchtigung. Ob durch Alter, Unfall, Krankheit oder schlicht fehlende digitale Erfahrung: Technische Hürden treffen viele. Und das nicht nur theoretisch.
Denken Sie an einen älteren Kunden, der mit dem Smartphone auf Ihrem Shop landet. Die Schrift ist klein, der Kontrast schwach, und mit der Wurstfinger-Navigation auf dem Touchscreen wird der Kauf zur Geduldsprobe. Oder an eine blinde Nutzerin, die mit Screenreader bestellt. Wenn der Kaufen-Button nicht korrekt beschriftet ist, bleibt der Warenkorb voll und der Umsatz aus.
Digitale Barrierefreiheit ist deshalb keine Option. Sie ist Grundvoraussetzung für eine funktionierende Nutzerführung.
E-Commerce ohne Zugang für alle verliert auf mehreren Ebenen
Digitale Inklusion im Onlinehandel bringt konkrete Vorteile mit sich. Mehr potenzielle Käufer, weniger Kaufabbrüche, bessere Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Und, ganz nebenbei, ein geringer juristischer Stresspegel. Denn spätestens mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) ist das Thema nicht mehr nur moralisch relevant, sondern rechtlich verpflichtend.
Sie denken bei Barrierefreiheit an Behördenportale? Dann unterschätzen Sie, wie schnell Ihr Shop unter Beobachtung gerät.
Gute digitale Barrierefreiheit spart Aufwand
Natürlich bedeutet digitale Barrierefreiheit Aufwand. Aber nicht den Aufwand, den viele befürchten. Wer früh plant, spart später doppelte Korrekturen. Wer auf bewährte Standards setzt, muss nicht für jeden Fall eine Extrawurst braten. Barrierefreiheit ist kein Kunststück. Die Regeln sind klar. Die Tools vorhanden. Die Checklisten geschrieben. Es braucht keine neue Agentur. Nur eine klare Entscheidung.
Und bevor Sie sich fragen, ob Sie alles alleine stemmen müssen: Spezialisierte Anbieter helfen bei der Umsetzung: leise, effizient und mit Blick aufs Ganze.
Digitale Barrierefreiheit rechnet sich schneller, als Sie denken
Ein barrierefreier Onlineshop erreicht mehr Nutzer und erzeugt weniger Supportaufwand. Auch Suchmaschinen bewerten sauberen Code und klare Struktur positiv. Damit spielt digitale Barrierefreiheit auch in der technischen Optimierung eine Rolle. Hinzu kommt: Wer an Förderungen denkt oder im öffentlichen Bereich tätig ist, kommt ohnehin nicht darum herum.
Digitale Barrierefreiheit ist also kein idealistischer Zusatznutzen, sondern ein strategischer Wettbewerbsfaktor.
Digitale Barrierefreiheit: So sieht Ausgrenzung im Online-Shop konkret aus
Digitale Barrierefreiheit scheitert selten an der Technik, sondern meist an fehlendem Bewusstsein. Wer einen Shop baut, denkt zuerst an Conversionrate, Performance und Design. Alles nachvollziehbar. Doch wenn am Ende Menschen ausgeschlossen werden, weil bestimmte Funktionen schlicht nicht nutzbar sind, verliert Ihr Shop mehr als nur ein paar potenzielle Käufer. Sie verlieren Vertrauen. Und zwar dauerhaft.
Unsichtbare Buttons für blinde Nutzer
Ein klassisches Beispiel: Der Kaufen-Button ist visuell perfekt gestaltet, aber technisch nicht beschriftet. Ein Screenreader erkennt kein Ziel, kann keine Funktion vorlesen und liefert damit nur Verwirrung. Für blinde oder stark sehbehinderte Menschen endet der Einkauf genau an dieser Stelle. Digitale Barrierefreiheit bedeutet, dass jeder zentrale Shop-Prozess auch ohne Maus und ohne Sehkraft zugänglich bleibt.
Solche Probleme lassen sich vermeiden. Ein korrekt formulierter Alternativtext, eine klare Fokusreihenfolge, aussagekräftige ARIA-Rollen. Die technische Lösung ist simpel. Die Wirkung für Ihre Kunden enorm.
Farbwahl ohne Kontrast – Design als Hindernis
Ein Beispiel aus der Praxis: Weißer Text auf hellgrauem Button, weil das Designteam sich für eine dezente Ästhetik entschieden hat. Leider lesen Menschen mit altersbedingter Sehschwäche oder Farbenblindheit diesen Button gar nicht. Oder klicken aus Versehen auf das Falsche, weil sich aktive und inaktive Zustände optisch kaum unterscheiden.
Barrierearme Gestaltung bedeutet nicht, dass Sie Ihr Corporate Design aufgeben müssen. Aber Sie sollten es gezielt testen. Unterschiedliche Tools helfen hier schnell weiter. So werden mit dem Kontrastrechner von WebAIM fehlerhafte Farbkontraste auf der Website aufgedeckt, während automatisierte Widgets, wie der danova Assistant, die Kontraste direkt auf der Website auf die individuellen Bedürfnisse der Besucher dynamisch anpasst.
Tastaturnavigation ohne Ziel
Viele Nutzer verlassen sich auf die Tastatur. Entweder aus Gewohnheit oder weil motorische Einschränkungen eine Mausbedienung unmöglich machen. Doch wenn wichtige Elemente wie Filteroptionen, Navigation oder Eingabefelder nicht per Tab erreichbar sind, entsteht eine digitale Sackgasse.
Sie testen das einfach selbst:
- Öffnen Sie Ihren Shop
- Legen Sie die Maus beiseite
- Drücken Sie die Tabulatortaste
Wenn Sie damit nicht intuitiv durch die Seite kommen, ist die Tastaturnavigation unvollständig. Und dann steht der nächste Nutzer schon vor einer Mauer.
Checkout mit Hürden – Formularlogik als Ausschlusskriterium
Formulare sind die stillen Killer der Conversion. Nicht, weil sie da sind, sondern weil sie häufig nicht barrierefrei sind. Fehlende Feldbeschriftungen, unklare Fehlermeldungen, unvorhersehbare Feldsprünge. Das alles sorgt dafür, dass Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder mit Assistenztechnik abbrechen.
Geben Sie jedem Eingabefeld eine klare, programmatisch verknüpfte Beschriftung. Führen Sie den Nutzer logisch durch den Prozess. Und denken Sie daran: Ein Formular ist keine Designspielwiese, sondern ein Prüfstein für funktionierende digitale Inklusion.
Medieninhalte, PDF-Fallen und Captchas
Zugänglichkeit endet nicht bei Design und Navigation. Denken Sie an eingebundene PDFs mit fixem Layout, die nicht vorlesbar sind. Oder an Videos ohne Untertitel. Oder an Captchas, die Menschen mit Hör- oder Sehbehinderungen aussperren.
Stattdessen:
- Verwenden Sie HTML statt PDF, wenn möglich
- Bieten Sie Untertitel oder Transkripte an
- Nutzen Sie barrierefreie Captcha-Alternativen, etwa rechnerische Aufgaben
Barrieren erkennen – und ernst nehmen
Digitale Zugänglichkeit bedeutet: Jeder Mensch muss Inhalte wahrnehmen, verstehen, bedienen und technisch verarbeiten können. Das klingt abstrakt, betrifft aber ganz konkrete Dinge. Wenn Ihr Shop an diesen Stellen versagt, haben Sie nicht nur einzelne Kundengruppen ausgeschlossen. Sie haben bewusst Kaufinteresse abgewürgt.
Übersicht: Wo Ihr Shop an Barrierefreiheit verlieren kann
| Bereich | Typische Barriere | Was hilft |
|---|---|---|
| Buttons und Links | Keine Beschriftung für Screenreader | ARIA-Rollen und Alternativtexte |
| Farbschema | Zu geringer Kontrast | Kontrastprüfung und angepasste Farben |
| Navigation | Keine Tab-Reihenfolge, Fokusverlust | Tastaturnavigation testen |
| Formulare | Fehlende Labels, unklare Fehlermeldungen | Beschriftung, logische Reihenfolge |
| Medieninhalte | Keine Untertitel, unlesbare PDFs | HTML statt PDF, Untertitel ergänzen |
| Sicherheitsabfragen | Komplexe Captchas | barrierearme Alternativen |
Rechtzeitig handeln: Welche Shops ab 2025 zur Barrierefreiheit verpflichtet sind
Spätestens mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz ist klar: Digitale Barrierefreiheit ist ab Mitte 2025 Pflicht für viele Onlineshops. Der Gesetzgeber formuliert kein gut gemeintes Ziel, sondern eine klare Anforderung. Und wie bei allen gesetzlichen Vorgaben gilt: Je früher Sie reagieren, desto entspannter verläuft die Umsetzung.
Das BFSG betrifft mehr Unternehmen, als Sie denken
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt eine EU-Richtlinie in deutsches Recht um. Im Zentrum steht der Gedanke, dass alle Menschen gleichberechtigten Zugang zu digitalen Dienstleistungen erhalten müssen. Onlinehändler mit einer gewissen Marktrelevanz sind direkt betroffen.
Sie unterliegen dem BFSG, wenn folgende Voraussetzungen gleichzeitig zutreffen:
- Ihr Shop richtet sich an Endkunden
- Sie erzielen mit Ihrem Onlineangebot Einnahmen
- Ihr Unternehmen beschäftigt mehr als zehn Mitarbeitende oder überschreitet einen Jahresumsatz von zwei Millionen Euro
Ein kleiner Shop ohne eigenes Personal bleibt also außen vor. Doch viele inhabergeführte Mittelständler fallen genau in den Geltungsbereich. Prüfen Sie nicht nur Ihre aktuelle Größe, sondern auch Ihre geplante Entwicklung. Wer 2026 wachsen möchte, muss 2025 sauber aufgestellt sein.
Ab wann genau wird Digitale Barrierefreiheit verpflichtend?
Der offizielle Startpunkt ist der 28. Juni 2025. Ab diesem Tag dürfen neue Onlineangebote nur dann betrieben werden, wenn sie die Anforderungen an digitale Barrierefreiheit erfüllen. Für bereits bestehende Angebote gilt eine Übergangsfrist. Doch die ist trügerisch. Denn sobald ein Relaunch ansteht, ein neues Feature integriert wird oder das Shopsystem wechselt, entfällt diese Schonfrist.
Setzen Sie deshalb nicht auf juristische Schlupflöcher, sondern auf technische Vorbereitung.
Auch für nicht betroffene Shops lohnt sich Barrierefreiheit
Wenn Ihr Unternehmen formal nicht unter das BFSG fällt, können Sie trotzdem profitieren. Barrierefreies Design führt zu:
- höherer Reichweite
- stabilerer Nutzerführung
- besserem SEO-Ranking
- geringeren Supportaufwänden
Und ganz ehrlich: Niemand verliert Kunden, weil ein Shop barrierefrei ist. Ganz im Gegenteil. Die digitale Zugänglichkeit wirkt im Hintergrund – bis sie plötzlich darüber entscheidet, ob jemand kaufen kann oder nicht.
Ein Beispiel: Ein Einpersonenunternehmen betreibt einen Nischenshop für Sporternährung. Offiziell vom BFSG ausgenommen. Doch der Shop nutzt Videos ohne Untertitel, Formulare ohne Labels und Menüstrukturen, die für Screenreader unlesbar sind. Die Folge: Nutzende mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen springen ab. Dabei ließe sich mit geringem Aufwand eine deutlich größere Zielgruppe erreichen.
Inklusive Nutzerführung: So profitieren Sie doppelt von barrierefreiem Webdesign
Digitale Barrierefreiheit ist kein Prüfstein für Paragrafentreue, sondern eine Qualitätsfrage. Ein Shop, der sich an alle Menschen richtet, zeigt nicht nur Weitsicht, sondern auch Respekt. Sie können noch so viele Besucher über Werbung in Ihren Shop lenken. Wenn jemand nicht ans Ziel kommt, bleibt der Warenkorb leer. Genau hier setzt digitale Zugänglichkeit an. Sie optimieren nicht für theoretische Gruppen, sondern für echte Nutzerinnen und Nutzer mit konkreten Anforderungen.
Wer auf digitale Barrierefreiheit setzt, gewinnt Vertrauen
Nutzer merken, ob ein Shop für sie mitgedacht wurde. Der erste Eindruck entsteht nicht durch Ihre Startseite, sondern durch den Umgang mit Vielfalt. Wenn Menschen mit Einschränkungen problemlos bestellen können, zahlt das auf Ihr Markenbild ein. Und zwar ganz ohne lautes Marketing. Digitale Barrierefreiheit wirkt im Hintergrund, aber bleibt im Gedächtnis.
Ein barrierefreies Design signalisiert: Hier kümmert sich jemand um Details. Hier denkt jemand an mehr als nur Klickzahlen. Und ja, digitale Inklusion gehört längst zum guten Ton, auch wenn Sie nicht gesetzlich dazu verpflichtet sind.
Nutzerführung für alle heißt: weniger Reibung, mehr Conversion
Digitale Barrierefreiheit führt zu einer durchgängigeren Nutzererfahrung. Nicht nur für Menschen mit Einschränkungen, sondern für alle. Wenn Ihre Navigation logisch aufgebaut ist, Ihre Formulare verständlich funktionieren und Ihre Inhalte gut lesbar sind, steigt die Verweildauer. Die Kaufabbrüche sinken. Ihre Conversionrate verbessert sich.
Sie müssen dafür nicht komplett neu denken. Oft reichen kleine Anpassungen:
- Klare Struktur und Überschriften
- Hoher Farbkontrast und große Klickflächen
- Logische Tab-Reihenfolge
- Eindeutige Beschriftungen von Buttons und Formularfeldern
Diese Punkte kommen übrigens nicht nur Menschen mit Einschränkungen entgegen. Auch ältere Nutzer, mobile Besucher mit schlechtem Empfang oder Menschen mit wenig technischer Erfahrung profitieren.
Auch Suchmaschinen mögen barrierefreies Webdesign
Ein weiterer Bonus: Digitale Barrierefreiheit verbessert Ihre Sichtbarkeit. Strukturierte Inhalte, semantisch sauberer Code und optimierte Lesbarkeit zahlen direkt auf Ihr SEO-Konto ein. Denn Suchmaschinen lesen wie Screenreader. Wer Überschriften richtig gliedert, alternative Texte vergibt und auf sinnvolle Verlinkungen achtet, wird besser indexiert.
Sie schreiben also nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen. Und beide mögen Klarheit.
Ein barrierefreier Shop spart Zeit im Support
Fehlbedienungen, Missverständnisse, falsch ausgefüllte Felder: all das produziert Supportanfragen. Und diese kosten nicht nur Nerven, sondern Geld. Mit barrierearmem Design entschärfen Sie viele dieser Situationen im Vorfeld.
Ein Beispiel: Ein Shop erhält immer wieder Mails, weil Kunden den Gutscheincode nicht einlösen können. Nach einer Überprüfung zeigt sich: Das Eingabefeld ist nur mit der Maus erreichbar, die Fehlermeldung bleibt unverständlich und die Hilfeseite ist nicht verlinkt. Drei Probleme – eine Ursache: fehlende digitale Zugänglichkeit.
Digitale Inklusion ist kein Nice-to-have, sondern ein Qualitätsmerkmal
In anderen Bereichen ist Inklusion längst Standard. Öffentliche Gebäude bauen Rampen. Verlage drucken Großschrift. Warum also sollte ein Shop nur für einen Teil der Bevölkerung zugänglich sein?
Wenn Sie barrierefreies Webdesign umsetzen, zeigen Sie, dass Sie verstanden haben: Nutzerfreundlichkeit endet nicht beim Design, sondern beginnt bei der Zugänglichkeit. Und das zahlt sich doppelt aus – in Form von Vertrauen und Umsatz.
Barrierearme Nutzererfahrung: Was gehört zur technischen Umsetzung?
Digitale Barrierefreiheit beginnt nicht mit einem Plugin und endet nicht bei der Farbauswahl. Sie verlangt eine gewisse Gründlichkeit – kein akademisches Gerede, sondern ganz praktische Entscheidungen. Damit Ihr Shop wirklich für alle funktioniert, brauchen Sie ein Grundverständnis für die technischen Stellschrauben. Die gute Nachricht: Sie müssen kein Entwickler sein, um die wichtigsten Punkte zu prüfen oder anzustoßen.
Alternativtexte: Kleine Maßnahme, große Reichweite
Bilder ohne Beschreibung sind für viele Nutzer schlicht unsichtbar. Wer sich auf Screenreader verlässt, bekommt statt des schicken Produktbilds lediglich den kryptischen Dateinamen vorgelesen. Das hilft weder bei der Kaufentscheidung noch bei der Orientierung.
Vergeben Sie für jedes relevante Bild einen präzisen Alternativtext. Ein Bild eines grünen Wollpullovers kann zum Beispiel beschrieben werden mit: „Grüner Wollpullover mit V-Ausschnitt auf weißem Hintergrund“. Keine Romane, keine Werbetexte. Nur Klarheit.
WAI ARIA, semantische Struktur und Fokussteuerung
Barrierefreie Websites nutzen sinnvolle HTML-Strukturen. Überschriften sollten korrekt geschachtelt sein. Navigationselemente gehören in ein Menü, Buttons sind als Buttons gekennzeichnet. Diese semantische Ordnung hilft nicht nur Screenreadern, sondern auch Suchmaschinen und Menschen mit kognitiven Einschränkungen.
Zusätzlich unterstützen sogenannte ARIA-Rollen die Orientierung. Ein „Warenkorb öffnen“ Button erhält etwa die Rolle button plus ein entsprechendes aria-label. Auf diese Weise wird klar, was passiert, bevor überhaupt etwas geklickt wird.
Die Fokussteuerung ist der nächste Punkt: Ihre Nutzer müssen mit der Tabulatortaste logisch durch Ihre Seite navigieren können. Kein Springen, kein Hängenbleiben, kein Fokusverlust. Testen Sie das regelmäßig selbst.
Tastaturfreundlichkeit testen – so einfach geht’s
Legen Sie die Maus beiseite. Öffnen Sie Ihre Shopseite und tippen Sie auf die Tabulatortaste. Beobachten Sie die Markierung, die Fokusanzeige, die Reihenfolge.
- Kommen Sie zu allen wichtigen Elementen?
- Können Sie Formulare ausfüllen?
- Sind Auswahllisten erreichbar?
Wenn nicht, sollten Sie den Aufbau überdenken. Ein Shop, der nur mit der Maus funktioniert, ist nicht barrierefrei. Viele Nutzer, darunter ältere Menschen, Menschen mit motorischen Einschränkungen oder Menschen mit Screenreader, sind auf die Tastatur angewiesen.
Kontraste, Schriftgrößen und Farben: Design mit Verantwortung
Ihre CI-Farben können bleiben, wenn Sie kontrastreich genug gestaltet sind. Der Text muss auf dem Hintergrund lesbar sein, auch bei starker Vergrößerung. Weiß auf Hellgrau oder Pastell auf Beige ist keine gute Idee, wenn Sie mehr Menschen erreichen wollen.
Vermeiden Sie rein farbliche Kodierungen, etwa bei Fehlermeldungen oder Statusanzeigen. Ein Hinweis darf nicht nur rot sein, sondern muss auch klar formuliert werden. Denken Sie an Menschen mit Farbenblindheit oder Sehschwäche. Gute Kontrastverhältnisse lassen sich mit einfachen Tools wie dem Kontrastrechner von WebAIM überprüfen.
Testwerkzeuge: schnell, effizient, aussagekräftig
Sie müssen nicht alles manuell prüfen. Es gibt zahlreiche Werkzeuge, die bei der Bewertung der Barrierefreiheit helfen. Dazu gehören:
- WAVE (Web Accessibility Evaluation Tool)
- AXE (als Browser-Erweiterung)
- Lighthouse (in Chrome enthalten)
- Bildschirmleseprogramme wie NVDA oder VoiceOver
Diese Tools decken typische Fehler auf: fehlende Alternativtexte, mangelnde Kontraste, fehlende Beschriftungen oder nicht erreichbare Elemente. Sie sind kein Ersatz für echte Nutzertests, aber ein solider Einstieg.
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Digitale Zugänglichkeit strategisch denken: So rollen Sie das Thema unternehmensweit aus
Ein Shop ist kein fertiges Produkt, sondern ein System in Bewegung. Mit jedem neuen Feature, mit jeder Kampagne, mit jeder Umstellung wächst die Komplexität. Damit digitale Barrierefreiheit nicht irgendwann wie ein loses Modul am Rand hängt, gehört sie von Anfang an in Ihre Prozesse. Das beginnt beim Projektplan und endet nicht bei der Technik. Es geht um Klarheit, Zuständigkeit und den Willen, sauber zu arbeiten. Nicht mehr, nicht weniger.
Briefing, bitte barrierefrei
Wer einmal ein Designbriefing gelesen hat, kennt den Klassiker: Zielgruppe, Tonalität, Corporate Design, mobile Optimierung. Alles drin. Nur digitale Barrierefreiheit fehlt fast immer. Dabei braucht es nur einen Absatz mit klarer Ansage:
- Inhalte müssen auch mit Tastatur und Screenreader nutzbar sein
- Farben und Kontraste müssen Mindeststandards erfüllen
- Interaktive Elemente benötigen semantische Auszeichnung
Wenn Sie diesen Anspruch gleich zu Beginn ins Briefing schreiben, geben Sie die Richtung vor. Und sparen später Korrekturschleifen.
Designsysteme und Styleguides mitdenken
Ein funktionierendes Designsystem schafft Klarheit für alle Beteiligten. Ob Agentur, Inhouse-Team oder Freelancer: ein barrierefreies Grundgerüst verhindert blinde Flecken. Definieren Sie:
- Mindestkontrastwerte
- Schrifthierarchien mit semantischen Bezeichnungen
- Fokuszustände für interaktive Elemente
- Regelungen für Alternativtexte und Sprachebene
Je konsequenter Sie diese Regeln aufbauen, desto leichter lassen sie sich in neuen Templates, Modulen oder Microsites anwenden.
Redaktionssysteme auf Barrierefreiheit prüfen
Viele Fehler entstehen nicht im Code, sondern bei der Inhaltspflege. Sie setzen ein Content Management System ein? Dann prüfen Sie, ob:
- Überschriften korrekt verschachtelt werden können
- Bildbeschreibungen als Pflichtfeld definiert sind
- Formulare mit echten Labels arbeiten
- die Reihenfolge der Inhalte im Quelltext logisch bleibt
Ein Beispiel: Wenn ein Teaserbild im Backend mit einer leeren Alternativtextmaske erscheint, wird diese von Redakteuren oft ignoriert. Sie können das verhindern, indem Sie Pflichtfelder erzwingen oder in Schulungen deutlich machen, worauf es ankommt.
Zuständigkeiten benennen
Barrierefreiheit entsteht nicht automatisch. Sie braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen. Benennen Sie intern eine Ansprechperson, die bei neuen Features, Designs oder CMS-Updates ein Auge auf digitale Zugänglichkeit hat. Geben Sie dieser Person keine Alibirolle, sondern Entscheidungsbefugnis. Denn ohne diese Befugnis bleibt Barrierefreiheit reiner Wunsch.
Und: Beziehen Sie alle Abteilungen ein. Das Thema betrifft nicht nur IT und UX, sondern auch Marketing, Redaktion, Produktmanagement und Kundenservice.
Qualität braucht externe Prüfung
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Onlineshop die Anforderungen an digitale Barrierefreiheit erfüllt, holen Sie sich Feedback. Nicht vom Grafikbüro, sondern von Menschen, die täglich auf barrierearme Nutzung angewiesen sind. Echte Tests mit echten Nutzenden bringen oft mehr als 20 Seiten Auditbericht.
Es reicht, wenn Sie sich für eine erste Evaluation auf typische Nutzergruppen konzentrieren:
- Menschen mit Sehbehinderung
- Nutzer mit kognitiven Einschränkungen
- Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik
Diese Perspektiven zeigen schnell, wo Lücken bestehen. Und sie liefern oft die überzeugendsten Argumente gegenüber der Geschäftsführung.
Noch besser als ein mitunter schwer selbst zu organisierendes Testing wäre das Hinzuziehen eines externen Experten. Eine gute auf digitale Barrierefreiheit spezialisierte Firma setzt auf einen so genannten hybriden Ansatz aus manuellen Prüfungen und automatisierten Tools. Das Ziel: Vollständige Barrierefreiheit für Ihre Website bzw. Online-Shop.
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