Chinas neue Powerbank-Norm GB 47372 verlangt, dass jede Zelle eine vier Millimeter dicke Stahlnadel übersteht, ohne Feuer zu fangen. Anker hat als erster Hersteller einen Akku durch diese Prüfung gebracht, ein Jahr vor der Pflicht im April 2027. Für Millionen Reisende mit einer chinesischen Powerbank im Handgepäck entscheidet die Norm, welche Geräte künftig überhaupt noch verkauft werden.

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Eine Powerbank-Norm bestimmt in China künftig, welcher Akku überhaupt in den Handel kommt. Auslöser war eine Rückrufwelle über mehr als eine Million Geräte im Sommer 2025, bei denen minderwertige Zellen Feuer fingen. Seit Juni 2025 darf in China keine Powerbank ohne gültiges 3C-Siegel mehr an Bord.

Das Wichtigste in Kürze

  • GB 47372-2026 gilt ab dem 1. April 2027 verpflichtend und prüft jede Zelle mit Stahlnadel, Hitzeschrank und 300 Ladezyklen.
  • 2025 riefen Anker, Romoss und Baseus in China mehr als eine Million Powerbanks zurück, weil der Zulieferer Amprius die Zellchemie eigenmächtig verändert hatte.
  • Anker ließ als erster Hersteller einen Akku nach der neuen Norm zertifizieren, den Zolo-Reiseakku mit 20.000 mAh.
  • Die EU kennt keine vergleichbare Pflichtnorm allein für Powerbanks, hier greifen nur die CE-Kennzeichnung und die allgemeine Produktsicherheit.

Was verlangt die neue Powerbank-Norm?

Powerbank mit „bestanden“-Plakette und Nadel auf Podest
Chinas Powerbank-Norm GB 47372-2026 gilt ab April 2027. Sie prüft Zellensicherheit, Geräteschutz und Ladeelektronik mit fünf neuen Pflicht­tests pro Zelle

Die Powerbank-Norm GB 47372-2026 hat das chinesische Industrieministerium im April 2026 verabschiedet, verbindlich wird sie nach einer einjährigen Übergangsfrist am 1. April 2027. Die Norm prüft drei Ebenen zugleich: die Sicherheit der Zelle, den Schutz des ganzen Geräts und die Elektronik, die den Ladevorgang steuert.

Jede Zelle muss dafür fünf neue Pflichttests bestehen. Eine vier Millimeter dicke Stahlnadel durchsticht die Zelle, ohne dass sie brennt oder explodiert, ein Hitzeschrank hält sie bei 135 °C, und nach 300 Ladezyklen darf sich kein metallisches Lithium an der Anode abscheiden. Dieses Lithium-Plating ist die eigentliche Brandursache, weil die feinen Metallnadeln den Separator zwischen den Polen durchstoßen und einen Kurzschluss auslösen. Wie stark eine Zelle über viele Ladezyklen altert, entscheidet auch beim E-Auto über ihre Sicherheit.

Warum die Rückrufe von 2025 die Powerbank-Norm erzwangen

Ein Skandal im Sommer 2025 hat die Powerbank-Norm ausgelöst. Anker rief in China über 710.000 Geräte zurück, Romoss knapp 492.000, dazu kam Baseus. In allen Fällen führte die Spur zum selben Zellhersteller: Amprius aus Wuxi hatte das Material der Zellen ohne Freigabe geändert und so die Brandgefahr erhöht. Rückrufe, bei denen der Brandherd an der Batterie sitzt, treffen längst auch Lastwagen und Verbrenner.

Die Behörden zogen die Konsequenz binnen Tagen. Chinas Zivilluftfahrtbehörde untersagte am 28. Juni 2025 jede Powerbank ohne sichtbares 3C-Siegel im Flugzeug und entzog mehr als 70 Zertifikate von Zellzulieferern. Erst kürzlich rief auch BMW über 740.000 Autos wegen Brandgefahr zurück, ein Muster, das sich quer durch die Batteriebranche zieht. Der alte Standard hatte den Herstellern zu viel Spielraum gelassen, die neue Norm schließt ihn.

Anker hat die Norm mitgeschrieben, an der viele kleine Marktplatz-Händler jetzt scheitern. So wird aus einer Sicherheitsregel ein Burggraben, den der Marktführer selbst ausgehoben hat.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Chinas Powerbank-Norm GB 47372 im Überblick
Die neue Sicherheitsnorm und ihre wichtigsten Eckwerte
1. April 2027
Ab dann ist die Norm für neue Powerbanks Pflicht
über 1 Mio.
2025 in China zurückgerufene Powerbanks
4 mm
Stahlnadel, die jede Zelle ohne Brand übersteht
100 Wh
Grenze fürs Handgepäck ohne Freigabe der Airline

Die fünf neuen Pflichtprüfungen

  • 1Stahlnadel von 4 mm durchsticht jede Zelle, ohne einen Brand auszulösen
  • 2Hitzeschrank hält die Zelle bei 135 °C stabil
  • 3Nach 300 Ladezyklen scheidet sich kein metallisches Lithium ab
  • 4Verschärfter Drucktest quetscht das ganze Gerät
  • 5Aufgedruckte Sicherheits-Lebensdauer für jeden Akku

Was die Powerbank-Norm für Europa bedeutet

Vom Umbau profitiert ausgerechnet der Marktführer. Anker hat die Norm als eines der beteiligten Unternehmen mitgeschrieben und ließ mit dem Zolo-Reiseakku, einem 55-W-Modell mit 20.000 mAh und fest verbautem Kabel, als erster Hersteller ein Gerät nach GB 47372 zertifizieren. Ein Forschungsteam von mehr als 3.500 Leuten trägt die Prüfkosten leichter als ein kleiner Marktplatz-Anbieter, dem chinesische Batteriekonzerne ohnehin den Takt vorgeben.

Für europäische Verbraucher ist der Vergleich unbequem. Die EU kennt keine eigene Pflichtnorm speziell für Powerbanks, hier bürgt allein die CE-Kennzeichnung zusammen mit der allgemeinen Produktsicherheit und der Zellnorm IEC 62133. Die EU-Batterieverordnung 2023/1542 regelt vor allem Nachhaltigkeit, Recycling und die austauschbare Bauweise, nicht den Nadeltest.[2]

Im Flugzeug bleibt die Lage streng. Über den Wolken gilt in Europa eine Obergrenze von 100 Wh im Handgepäck ohne Freigabe der Airline, Lufthansa und Air France verlangen 2026, die Powerbank während des Flugs auszuschalten.[1] Beim Kauf achten Sie am besten auf ein sichtbares Zertifikat, eine klar aufgedruckte Wattstunden-Angabe und einen Markenhersteller mit sauberer Rückrufhistorie statt auf das billigste No-Name-Modell.

FAQ: Chinas neue Powerbank-Norm

Darf ich meine alte Powerbank nach dem 1. April 2027 weiter benutzen?

Ja, bereits gekaufte Powerbanks mit gültigem 3C-Siegel dürfen Sie in China weiter nutzen. Die Norm GB 47372-2026 gilt nur für die künftige Produktion und ist kein Rückruf für Geräte, die schon im Umlauf sind.

Was bedeutet das 3C-Siegel auf einer Powerbank?

Das 3C-Siegel (China Compulsory Certification) ist die Pflichtzulassung für Elektrogeräte in China. Seit Juni 2025 verlangt die Zivilluftfahrtbehörde ein sichtbares 3C-Zeichen, sonst darf die Powerbank nicht mit an Bord.

Wie viele Wattstunden darf eine Powerbank im Handgepäck haben?

Bis 100 Wh nehmen Sie eine Powerbank ohne Rücksprache im Handgepäck mit, das entspricht rund 27.000 mAh. Zwischen 100 und 160 Wh ist die Zustimmung der Airline nötig, darüber ist der Transport verboten.

Gilt die chinesische Powerbank-Norm auch in Deutschland?

Nein, GB 47372-2026 ist eine chinesische Norm. In der EU sorgen die CE-Kennzeichnung, das Produktsicherheitsrecht und die Zellnorm IEC 62133 für Sicherheit. Eine eigene Pflichtnorm allein für Powerbanks fehlt hier.

Warum hat Anker 2025 Powerbanks zurückgerufen?

Der Zellzulieferer Amprius hatte das Material der Akkuzellen ohne Freigabe verändert, was die Brandgefahr erhöhte. Anker rief deshalb in China über 710.000 Geräte zurück und legte weltweit weitere Modelle still.

Quellen

[1] Anker: „Powerbank im Flugzeug: Regeln & Wh-Grenzwerte“

[2] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien

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