Fresenius Medical Care stellt in China die Produktion und den Verkauf seines Dialysegeräts 4008A ein und steigt dort aus der Bauchfelldialyse aus. Für Wertberichtigungen, Verschrottung und gekündigte Verträge verbucht der Dialysekonzern im dritten Quartal rund 110 Millionen Euro als Sonderkosten. Künftig konzentriert sich Fresenius Medical Care in China auf Dialysezentren und die Intensivmedizin.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas China-Geschäft steuert 6 bis 7 % zum Umsatz der Produktsparte Care Enablement bei.[1] Die Sparte kam im zweiten Quartal auf eine operative Marge von 8,1 %. Den künftigen Umsatz in China sieht der Konzern durch den Umbau nicht spürbar belastet. Bestehende Verpflichtungen in der Bauchfelldialyse will Fresenius Medical Care erfüllen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Einstiegsgerät 4008A wird in China weder gebaut noch verkauft.
- Aus der Bauchfelldialyse zieht sich Fresenius Medical Care in China zurück.
- Die Sonderkosten von rund 110 Millionen Euro fallen im dritten Quartal 2026 an.
- Im Mittelpunkt stehen künftig Hämodiafiltration in Zentren und Geräte für die Intensivstation.
Warum gibt Fresenius Medical Care das Einstiegsgerät auf?

Die 4008A war als kostengünstiges Gerät gedacht. Fresenius Medical Care hatte sie Anfang 2019 für Schwellenländer vorgestellt, zuerst in Indien, später auch in China.[2] Genau in diesem Segment drückt Chinas staatliche Sammelbeschaffung die Preise. Seit dem 1. Juni 2024 kauft ein Bündnis aus 23 Provinzen unter Führung von Henan das Verbrauchsmaterial für die Blutwäsche gemeinsam ein. Dialysatoren wurden dabei um 40 bis 62 % billiger, einzelne Produkte um bis zu 74 %. Laut der Wirtschaftszeitung 21st Century Business Herald gewannen chinesische Hersteller wie Weigao Anteile hinzu, Fresenius Medical Care büßte Anteile ein.[3]
Mit Hochleistungstechnik will der Konzern gegen Chinas Hersteller bestehen. Im Zentrum steht das Gerät 5008S CAREsystem mit Hämodiafiltration, die zusätzlich größere Giftstoffe aus dem Blut filtert, dazu multiFiltratePRO für die Intensivstation. „China ist ein wichtiger Markt für unser Care-Enablement-Geschäft“, sagt Vorstandschefin Helen Giza. „Während sich der Markt entwickelt, schärfen wir unser Portfolio für die Bereiche, in denen wir den größten Nutzen für Patienten und Kunden schaffen.“[1]
Welche Rolle spielt der Beschaffungsstreit zwischen EU und China?
Seit Sommer 2025 sperren sich beide Seiten gegenseitig aus öffentlichen Ausschreibungen aus. Die EU-Kommission schloss am 19. Juni 2025 chinesische Medizintechnik-Anbieter für fünf Jahre von öffentlichen Aufträgen über 5 Millionen Euro aus.[4] Peking reagierte am 6. Juli 2025: Staatliche Käufer in China schließen EU-Unternehmen bei Medizingeräten ab 45 Millionen Yuan aus, umgerechnet gut 5 Millionen Euro. Ausgenommen sind Unternehmen mit europäischem Kapital, die in China selbst ansässig sind.[5]
Daher zählt die Fertigung vor Ort. Joe Turk, Chef der Sparte Care Enablement, kündigt an, der Konzern werde weiter auf seine lokale Produktion und sein China Design Center setzen. Die Führung im Land übernimmt der neu ernannte Landeschef Rex Liu.[1]
Standardtechnik für die Dialyse kauft China inzwischen bei heimischen Herstellern. Europäische Anbieter verdienen dort nur noch an Geräten, die Chinas eigene Industrie bisher nicht liefert.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Umbau für deutsche Medizintechnik-Anbieter?
Fresenius Medical Care steht mit dem Rückzug nicht allein. Siemens Healthineers senkte im Juli die Umsatzprognose, weil die Labordiagnostik in China unter der staatlichen Mengenbeschaffung einbricht. Carl Zeiss Meditec streicht bis zu 1.000 Stellen, nachdem Chinas Preisrunden die Marge gedrückt haben.
Den Technikvorsprung verlieren europäische Anbieter auch bei komplexer Technik, sobald die Patente auslaufen. Bei OP-Robotern etwa bieten chinesische Hersteller vergleichbare Systeme zu einem Bruchteil des US-Preises an. Prüfen Sie deshalb, wie viel Ihres China-Umsatzes auf Standardprodukten beruht. Als EU-Anbieter ohne eigene Gesellschaft in China sind Sie bei staatlichen Ausschreibungen über 45 Millionen Yuan ausgeschlossen.
Quellen
[1] Fresenius Medical Care: „Fresenius Medical Care Refines China Commercial Strategy with a Focus on Long-Term Growth and Market Leadership“ (25.09.2026)
[2] Fresenius: „Fresenius Medical Care launches 4008A dialysis machine tailored to needs in emerging markets“ (18.01.2019)
[3] 21st Century Business Herald: Bericht zur Sammelbeschaffung von Dialysematerial (05.06.2024, chinesisch)
[4] EU-Kommission: Durchführungsverordnung (EU) 2025/1197 zum Instrument für das internationale Beschaffungswesen (19.06.2025)
[5] Staatsrat der VR China: „China to take measures against medical devices imported from EU in government procurement“ (06.07.2025)
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