Siemens Healthineers dämpft die Wachstumserwartung für 2026 zum zweiten Mal, hebt zugleich aber den Gewinnausblick an. Der Grund steckt in einer einzigen Sparte: der Diagnostik, die vor allem in China einbricht.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Die neue Prognose von Siemens Healthineers klingt widersprüchlich, denn weniger Umsatzwachstum trifft auf mehr Gewinn je Aktie.[1] Hinter dem Bruch steckt kein Ausrutscher, sondern ein Konzern, der sein schwächstes Geschäft abstößt und die profitablen Sparten schont.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Konzern nur noch 3,5 bis 4,0 Prozent vergleichbares Umsatzwachstum, nach zuvor 4,5 bis 5,0 Prozent.
  • Den Ausblick für das bereinigte Ergebnis je Aktie hebt Siemens Healthineers auf 2,35 bis 2,45 Euro an, statt bisher 2,20 bis 2,30 Euro.
  • Im dritten Quartal wuchs der vergleichbare Umsatz nur um 2,8 Prozent, die Diagnostik verlor 5,5 Prozent.
  • Die Diagnostik soll abgespalten werden, über die Trennung stimmen die Aktionäre voraussichtlich im Februar 2027 ab.

Warum senkt Siemens Healthineers die Umsatzprognose?

Blaue Hand greift nach Reagenzglas mit „zu verkaufen“-Schild in Ständer auf weißem Grund
Chinesischer Diagnostikmarkt bricht um 40-50 Prozent ein durch staatliche Mengenbeschaffung und sinkende Erstattungssätze

Die Diagnostik bricht in China ein. Das Geschäft mit Labortests und Analysegeräten steht in der Volksrepublik unter massivem Druck, seit die staatliche Mengenbeschaffung die Preise drückt und die Erstattungssätze fallen. Branchenanalysen beziffern den Rückgang im chinesischen Diagnostikgeschäft auf 40 bis 50 Prozent. Zusätzlich bauen Vertriebspartner ihre Lagerbestände ab, was die Nachfrage weiter bremst.

Weil die Diagnostik rund ein Zehntel des Konzernumsatzes ausmacht und ausgerechnet der zweitgrößte Markt schwächelt, zieht Siemens Healthineers die Wachstumserwartung nach unten. Für das Gesamtjahr rechnet der Medizintechnik-Konzern nur noch mit 3,5 bis 4,0 Prozent organischem Umsatzplus. Im dritten Quartal legte der vergleichbare Umsatz sogar nur um 2,8 Prozent zu, deutlich langsamer als die knapp acht Prozent ein Jahr zuvor.

Siemens Healthineers verdient an der KI-gestützten Bildgebung glänzend, doch die Labordiagnostik leidet unter Chinas Preisdruck. Die geplante Abspaltung trennt darum zwei Welten, die längst nicht mehr ins selbe Portfolio passen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Wie kann der Gewinn trotz schwächerem Umsatz steigen?

Marge schlägt Menge. Trotz des flauen Umsatzes hebt Siemens Healthineers den Ausblick für das bereinigte Ergebnis je Aktie auf 2,35 bis 2,45 Euro. Getragen wird der Zuwachs von der hochprofitablen Bildgebung, die im dritten Quartal auf eine operative Marge von 26,5 Prozent kam, und von der Krebstherapie-Tochter Varian mit gut neun Prozent Wachstum. Zusätzlich flossen Zollrückerstattungen aus den USA ins Ergebnis.

Ein ähnliches Muster zeigen gerade weitere DAX-Konzerne: Der Sportartikelhersteller Puma meldete jüngst eine Rekordmarge neben einem Quartalsverlust. Bei Siemens Healthineers stützt vor allem das Gerätegeschäft die Bilanz, das mit Großaufträgen wie der Bündelung der kompletten Bildgebung eines US-Klinikverbunds planbar bleibt. Ein Book-to-Bill von 1,27 zeigt, dass die Auftragsbücher trotz der Umsatzdelle voll bleiben.

Siemens Healthineers Q3 2026 in Zahlen

Umsatzprognose runter, Gewinnprognose rauf: die Kennzahlen hinter dem Umbau

3,5–4,0 %Umsatzprognose 2026zuvor 4,5–5,0 %
2,35–2,45 €Ergebnis je Aktie, Ausblickangehoben von 2,20–2,30 €
2,8 %Umsatzwachstum im Q3Vorjahr: 7,6 %
−5,5 %Diagnostik-Umsatz im Q3operative Marge nur 4,1 %
26,5 %operative Marge der Bildgebung im Q3
+9,2 %Wachstum der Krebstherapie Varian
1,0 Mrd €freier Cashflow im Q3
1,27Book-to-Bill, hoher Auftragseingang

Was bedeutet der Diagnostik-Umbau für Entscheider?

Der Konzern zerlegt sich neu. Siemens Healthineers bereitet die Abspaltung der Diagnostik vor, die Aktionäre sollen voraussichtlich im Februar 2027 darüber abstimmen. Damit rückt das Unternehmen weg vom breiten Gemischtwarenladen und hin zu zwei margenstarken Feldern: der KI-gestützten Bildgebung und der Krebstherapie mit Varian.

Für Entscheider im Gesundheitswesen zählt vor allem, wohin die Mittel fließen. Künstliche Intelligenz in der Bildgebung wird zum eigentlichen Wachstumstreiber, ähnlich wie die KI-gestützte Refraktion, mit der die Optikerkette Fielmann ihren Fachkräftemangel überbrückt. Beim Beschaffen von Diagnostikgeräten lohnt der Blick auf die geplante Abspaltung, weil Produktpflege und Vertragsbindungen künftig bei einer eigenständigen Gesellschaft liegen.

Quelle

[1] Siemens Healthineers: „Third quarter of fiscal year 2026“ (Ergebnisbericht, 31. Juli 2026)

Mehr Newshunger?

4,4 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?