Fielmann verdreifacht das Expansionstempo und eröffnet 2026 rund 70 neue Läden. Möglich macht diesen Sprung eine KI-Refraktion, die bis Jahresende in 300 europäischen Filialen die Sehstärke misst. Damit steht der eigentliche Engpass der Branche zur Debatte: der Mangel an geprüften Augenoptikern.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen37 neue Standorte in sechs Monaten, 1.299 Filialen insgesamt: Fielmann wächst gerade dort am schnellsten, wo Fachkräfte am knappsten sind. Den Hebel dafür liefert die KI-Refraktion, also eine KI-gestützte Sehstärkenbestimmung, die den Augenoptiker unterstützt statt ersetzt. Aus den vorläufigen Halbjahreszahlen vom 9. Juli 2026 wird so eine Wette auf Skalierung durch Technik.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- 1,25 Milliarden Euro Umsatz im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 2 Prozent zum Vorjahr.
- 70 neue Filialen für 2026 geplant, mehr als dreimal so viele wie die 22 des Vorjahres.
- KI-Refraktion heute in 166 deutschen Filialen, bis Jahresende in 300 europäischen Standorten.
- Marc Fielmann sieht Potenzial für bis zu 100 weitere Läden in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Warum wächst Fielmann trotz Optikermangel?

Fielmann öffnet neue Läden schneller, weil die KI-Refraktion die knappste Ressource der Branche entlastet: geprüfte Augenoptiker. Jede Filiale braucht Personal, das die Sehstärke bestimmt. Genau diese Qualifikation ist im deutschsprachigen Raum rar und begrenzt sonst, wie viele Standorte ein Filialist gleichzeitig hochziehen kann.
Im ersten Halbjahr 2026 kamen 37 Filialen dazu, macht 1.299 weltweit; 33 weitere folgen bis Jahresende. Damit verdreifacht Fielmann das Tempo gegenüber den 22 Eröffnungen des Vorjahres. Das Auslandsgeschäft zog von einem Prozent Wachstum im ersten auf sechs Prozent im zweiten Quartal an, Spanien und Polen vorneweg. Dasselbe Muster kennt der Nahverkehr, wo bei Personalnot zuerst die Leitstelle automatisiert wird, nicht das Lenkrad.
Was macht die KI bei der Sehstärkenbestimmung?
Die KI-Refraktion führt die Messung der Sehwerte, während der Augenoptiker prüft und verantwortet. Die Software ermittelt Korrekturwerte und verkürzt den Ablauf, ohne dass die Qualität der Brillenglasbestimmung leidet.
Heute läuft die Technik in 166 deutschen Filialen und soll bis Jahresende 300 europäische Standorte erreichen. Parallel hat Fielmann die Zahl neu eingestellter Augenoptiker und Hörakustiker verdoppelt und die Bewerberzahl vervierfacht. Der Konzern baut also Technik und Personal gleichzeitig aus.
In der Medizin ist dieses Prinzip vertraut. Ein Algorithmus, der die Brechkraft des Auges fein abstuft, arbeitet ähnlich wie Systeme, die in der Bildgebung Auffälligkeiten markieren. Wie treffsicher solche Verfahren sein können, zeigt der Fall, in dem eine KI Brustkrebs zuverlässiger erkannte als zwei Radiologen.
Fielmann automatisiert nicht den Optiker weg, sondern den Flaschenhals vor ihm. Genau diese Trennung entscheidet, ob KI im Einzelhandel skaliert oder teure Spielerei bleibt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Halbjahr 2026 in Zahlen
Wohin Fielmann wächst
KI-Refraktion: Die KI-gestützte Sehstärkenbestimmung misst die Brillenwerte und entlastet damit den knappsten Faktor der Branche. Der geprüfte Augenoptiker kontrolliert und verantwortet das Ergebnis.
Was heißt das für Händler und Praxen?
Für Betriebe mit Fachkräftemangel liefert Fielmann eine Blaupause: Die KI übernimmt den standardisierten, zertifizierbaren Teil einer Fachleistung, der Mensch die Verantwortung. Der Ansatz taugt überall dort, wo eine knappe Qualifikation die Skalierung bremst.
Sobald eine Software Sehwerte bestimmt, rückt sie in die Nähe eines Medizinprodukts. Für die KI-Funktion greifen dann die EU-Medizinprodukteverordnung und der AI Act zusammen; seit Juni 2025 liegt dazu ein gemeinsamer Leitfaden auf EU-Ebene vor. Betriebe, die solche Systeme einführen, klären Haftung, Dokumentation und die menschliche Aufsicht vorab.
Im Einzelhandel läuft der Umbau längst, von KI-Kameras am Rewe- und Penny-Checkout bis zur Frage, welche Berufe die KI kaum ersetzen kann. Wo KI den Handgriff standardisiert, verschiebt sich die Fachkraft auf Beratung und Kontrolle, eine Linie, die auch die Debatte um KI im Betrieb prägt.
Fielmanns Rechnung geht auf, solange die KI-Refraktion die Prüfung beschleunigt und nicht die Beratung ersetzt. Für die endgültigen Zahlen am 27. August 2026 lohnt der Blick auf eine Kennziffer: den Umsatz pro Filiale. Steigt er trotz Eröffnungswelle, funktioniert das Modell.
FAQ: KI-Refraktion bei Fielmann
Was ist KI-Refraktion bei Fielmann?
KI-Refraktion ist eine KI-gestützte Sehstärkenbestimmung, die den Augenoptiker bei der Messung der Brillenwerte unterstützt. Die Software ermittelt Korrekturwerte und verkürzt den Ablauf. Die fachliche Prüfung und die Verantwortung für das Ergebnis bleiben beim geprüften Optiker.
In wie vielen Filialen setzt Fielmann KI-Refraktion ein?
Die KI-gestützte Refraktion läuft derzeit in 166 deutschen Fielmann-Filialen. Bis Ende 2026 soll die Technik in rund 300 europäischen Standorten verfügbar sein.
Wie viele neue Filialen eröffnet Fielmann 2026?
Fielmann plant für 2026 rund 70 neue Filialen, nach 37 im ersten Halbjahr und 33 geplanten im zweiten. Damit eröffnet der Konzern mehr als dreimal so viele Läden wie 2025. Schwerpunkte sind Spanien, Polen, Luxemburg und die USA.
Wie viel Umsatz hat Fielmann im ersten Halbjahr 2026 gemacht?
Fielmann meldete für das erste Halbjahr 2026 vorläufig 1,25 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte EBITDA lag bei rund 296 Millionen Euro, die Marge bei 24 Prozent.
Ersetzt die KI den Augenoptiker?
Nein. Die KI-Refraktion übernimmt den standardisierten Teil der Sehstärkenmessung, entscheidet aber nicht allein. Der geprüfte Augenoptiker kontrolliert die Werte und verantwortet die Brillenglasbestimmung. Fielmann stellt parallel mehr Optiker ein.
Quelle
[1] Fielmann Group: „Fielmann-Gruppe beschleunigt internationales Umsatzwachstum in Q2/2026 und erhöht globales Expansionstempo“ (9. Juli 2026)
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