Siemens Healthineers und Vanderbilt Health haben eine mehrjährige Partnerschaft über rund 76 Millionen Euro geschlossen. Der Vertrag deckt den kompletten Bildgebungs- und Strahlentherapiepark zweier Kliniken in Nashville ab, samt Wartung und Schulung des Personals. Für deutsche Häuser bleibt dieses Beschaffungsmodell schwer erreichbar.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Die Value Partnership von Siemens Healthineers mit Vanderbilt Health ersetzt die einzelne Geräteausschreibung durch ein Rahmenwerk. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung am 27. Juli 2026.[1] Gekauft hat die Klinik damit vor allem Planbarkeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 76 Millionen Euro umfasst die mehrjährige Vereinbarung zwischen Siemens Healthineers und Vanderbilt Health.
  • Abgedeckt sind Computertomografie, Magnetresonanz, molekulare Bildgebung, interventionelle Radiologie und Strahlentherapie an zwei Häusern im Raum Nashville.
  • Tower Health hat 2025 eine solche Partnerschaft über zehn Jahre geschlossen, Prisma Health arbeitet seit 2021 nach demselben Muster.
  • Den deutschen Kliniken fehlen nach InEK-Berechnungen jährlich rund vier Milliarden Euro an Investitionsmitteln.

Was steckt in dem Vertrag über 76 Millionen Euro?

Mini-Astronaut steht vor langer Papierrolle mit einem teuren Schraubenposten
Siemens-Vertrag mit University Hospital: CT, MRT, molekulare Bildgebung, interventionelle Radiologie und Strahlentherapie samt Personalentwicklung

Der Vertrag umfasst fünf Modalitäten am University Hospital sowie am Monroe Carell Jr. Children’s Hospital: Computertomografie, Magnetresonanz, molekulare Bildgebung, interventionelle Radiologie und Strahlentherapie. Dazu kommen Technologieplanung, Installationsbegleitung und Programme zur Personalentwicklung.[1] Eine Laufzeit nennen beide Seiten nicht.

„Unsere Aufgabe ist, Patienten fortlaufend als Erste Zugang zu den neuesten Fortschritten zu geben“, sagt Jane Freedman, Deputy Chief Executive Officer und Chief Health System Officer von Vanderbilt Health. Dieser Anspruch kollidiert mit der klassischen Beschaffung, bei der jedes Gerät ein eigenes Vergabeverfahren durchläuft. Das Rahmenwerk zieht diese Verfahren zusammen.

Warum verkauft Siemens Healthineers lieber Rahmenverträge?

Ein Einzelverkauf bringt einmal Umsatz. Über den Rahmenvertrag hängt die installierte Basis dagegen jahrelang an Service und der nächsten Ersatzbeschaffung. Diese wiederkehrenden Erlöse stabilisieren die Marge: Im Geschäftsjahr 2025 kam der Konzern auf rund 23,4 Milliarden Euro Umsatz bei einer bereinigten EBIT-Marge von 16,5 Prozent.[2]

Neu ist das Konstrukt nicht. Tower Health unterschrieb im März 2025 eine Value Partnership über zehn Jahre, Prisma Health arbeitet seit 2021 nach demselben Muster und erweiterte den Vertrag im Juli 2025 um rund 44 Millionen Euro für adaptive Strahlentherapie.[3] Den Weg vom Gerätehersteller zum Versorger geht auch Ottobock, das dafür in Norwegen zugekauft hat.

Siemens Healthineers verkauft in Nashville keine Tomografen, sondern jahrelange Planungssicherheit. Genau die kann ein deutsches Krankenhaus nicht bestellen, weil über die Investition das Land entscheidet und nicht die Klinik.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ein Vertrag statt vieler Ausschreibungen
Wie Siemens Healthineers seinen Gerätepark in US-Kliniken verkauft, und was deutschen Häusern dafür fehlt. Stand: 28. Juli 2026.
76 Mio. €
Volumen der Vereinbarung mit Vanderbilt Health
5
abgedeckte Modalitäten, von der Magnetresonanz bis zur Strahlentherapie
10 Jahre
Laufzeit der Value Partnership bei Tower Health, geschlossen im März 2025
16,5 %
bereinigte EBIT-Marge im Geschäftsjahr 2025 bei 23,4 Mrd. € Umsatz

Drei Rahmenverträge, ein Muster

2021
Prisma Health
Erste Value Partnership über zehn Jahre. Im Juli 2025 um rund 44 Mio. € für adaptive Strahlentherapie erweitert.
2025
Tower Health
Zehnjahresvertrag über Computertomografie, Magnetresonanz, interventionelle Radiologie und Strahlentherapie.
2026
Vanderbilt Health
Rund 76 Mio. € für zwei Häuser in Nashville, inklusive Wartung, Standardisierung und Schulung.
In Deutschland zahlen die Länder die Investitionen, die Krankenkassen den Betrieb. Nötig sind nach InEK-Berechnungen mindestens 8 Mrd. € pro Jahr für Bestandsinvestitionen, bereitgestellt wird etwa die Hälfte. Rund 4 Mrd. € fehlen jedes Jahr, und damit die Grundlage für Zehnjahrespläne.

Was heißt das für deutsche Kliniken?

Die duale Krankenhausfinanzierung trennt in Deutschland zwei Töpfe: Die Länder zahlen die Investitionen, die Krankenkassen den laufenden Betrieb. Nach Berechnungen des InEK brauchen die Kliniken jährlich mindestens acht Milliarden Euro allein für Bestandsinvestitionen, bereitgestellt wird etwa die Hälfte.[4] Rund vier Milliarden Euro fehlen Jahr für Jahr.

Ein Haus, dessen Fördermittel das Land jährlich neu bewilligt, kann keinen Zehnjahresplan über seinen Gerätepark unterschreiben. Diesen Investitionsstau spüren die Hersteller zuerst im Bestelleingang. Bei Dräger sagte der Auftragseingang zuletzt mehr über die Lage aus als der ausgewiesene Gewinn.

Prüfen Sie deshalb, welche Leistungen sich vom Investitions- in den Betriebshaushalt verschieben lassen. Wartungsverträge und Software-Abonnements laufen über Betriebsmittel und brauchen keine Landesförderung. Genau dort setzen die Hersteller an, sobald die klassische Anschaffung stockt.

Quellen

[1] Siemens Healthineers: „Vanderbilt Health and Siemens Healthineers Launch $87M Value Partnership to Deliver Advanced Technology, Elevate Patient Care“, Pressemitteilung vom 27. Juli 2026

[2] Siemens Healthineers: „Siemens Healthineers schließt Geschäftsjahr 2025 in einem herausfordernden Umfeld erfolgreich ab“, veröffentlicht am 5. November 2025

[3] Siemens Healthineers: „Siemens Healthineers, Prisma Health Expand Value Partnership with $50 Million Investment in Radiation Therapy“, Pressemitteilung vom 29. Juli 2025

[4] Deutsches Ärzteblatt: „Investitionsbedarf der Krankenhäuser: Bundesländer stellen zu wenig Mittel zur Verfügung“, 16. Juli 2026, mit Berechnungen des InEK

Mehr Newshunger?

4,1 17 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?