Der Membranfilter-Hersteller Membion aus Roetgen bei Aachen investiert rund 7 Millionen Euro in Produktion und Entwicklung im Aachener Ortsteil Schleckheim. Perspektivisch sollen dort rund 70 neue Arbeitsplätze entstehen, wie die Aachener Wirtschaftsförderung AGIT am 24. September meldete.[1] Mit heute 40 Beschäftigten würde Membion seine Belegschaft fast verdreifachen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Angefangen hat Membion 2012 in einer Garage in Roetgen, inzwischen sitzt die Firma dort in einer umgebauten Weberei. Gründer Klaus Vossenkaul erhält am 25. Oktober in Aachen den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Den mit 500.000 Euro dotierten Preis teilt Vossenkaul mit der Umweltjuristin Roda Verheyen.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 7 Millionen Euro fließen nach Aachen-Schleckheim, geplant sind rund 70 neue Stellen zu heute 40.
  • Förderkredit, GRW-Zuschuss und Landesbürgschaft finanzieren den Ausbau mit, die Förderhöhe bleibt offen.
  • Die Nachfrage steigt, weil Deutschland die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie bis Juli 2027 umsetzen muss.

Was baut Membion in Schleckheim auf?

Nudeln im Wasserglas mit orangem Anhänger „»70 neue Stellen«“ auf weißem Grund
Investitionen in Produktions- und Entwicklungskapazitäten am Standort Schleckheim sollen schnellere Markteinführung von Technologien ermöglichen

Mehr Kapazität. Laut AGIT fließt das Geld in größere Produktions- und Entwicklungskapazitäten in Schleckheim. Vossenkaul sagt dazu: „Mit dieser Investition schaffen wir die Voraussetzungen, unsere Technologien schneller in den Markt zu bringen und den steigenden internationalen Bedarf zu bedienen.“[1] Einen Termin für Baubeginn oder Produktionsstart nennt die Mitteilung nicht. Das Projekt steht auf der Stufe der gesicherten Finanzierung, die 70 Stellen sollen schrittweise entstehen.

Öffentliches Geld. NRW.BANK-Direktorin Claudia Brendt zählt drei Bausteine auf: den Förderkredit NRW.BANK.Gründung und Wachstum, einen Zuschuss aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) und eine Bürgschaft des Landes.[1] Wie hoch der Steueranteil ausfällt, nennt keiner der Beteiligten. Wagniskapital hatte Membion zuletzt im Januar 2024 eingesammelt: Rund 5 Millionen Euro kamen vom TechVision Fonds und vom DeepTech & Climate Fonds, damals für weitere Produktionslinien.[4]

Warum brauchen Kläranlagen jetzt mehr Membranfilter?

Neue Pflichten. Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie gilt seit Januar 2025, Deutschland muss sie bis zum 31. Juli 2027 in nationales Recht übertragen.[3] Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten brauchen bis 2045 schrittweise eine vierte Reinigungsstufe gegen Arzneimittelreste und andere Spurenstoffe. Mindestens 80 Prozent dieser Kosten tragen Pharma- und Kosmetikhersteller über die erweiterte Herstellerverantwortung.

Fläche gewinnen. Gelöste Spurenstoffe entfernen die Membranen selbst nicht, dafür setzen Betreiber Ozon oder Aktivkohle ein. Die Hohlfasern von Membion halten Schlammpartikel, Mikroplastik und Keime zurück und machen die runden Nachklärbecken überflüssig. Nach Angaben der DBU braucht die Technik 75 Prozent weniger Platz als herkömmliche Anlagen und über 90 Prozent weniger Energie für die Spülung der Membranen.[2] Auf engen Klärwerksgeländen gewinnen Betreiber so Fläche für die zusätzliche Stufe.

Referenz Wolfsburg. Im Klärwerk Wolfsburg-Stahlberg entsteht mit Membion-Technik die größte Membran-Kläranlage Deutschlands, verankert werden dort 3.000 Modulelemente mit rund 1,6 Millionen Einzelfasern. Zu den Industriekunden zählen der Galvanikbetrieb Collini und McCain Foods.[2]

Membion wächst in Aachen-Schleckheim
Was die Investition bringt und was die Membrantechnik im Klärwerk spart
7 Mio. €
Investition in Produktion und Entwicklung, mitfinanziert über Förderkredit, GRW-Zuschuss und Landesbürgschaft
40 + 70
Heute 40 Beschäftigte, perspektivisch rund 70 neue Stellen
75 %
weniger Platzbedarf als herkömmliche Anlagen laut DBU
über 90 %
weniger Energie für die Spülung der Membranen
2012
Gründung in einer Garage in Roetgen
Januar 2024
rund 5 Mio. € Wagniskapital für weitere Produktionslinien
24.09.2026
AGIT meldet 7 Mio. € für Schleckheim
25.10.2026
Deutscher Umweltpreis für Gründer Klaus Vossenkaul
31.07.2027
Frist für die Umsetzung der EU-Abwasserrichtlinie

Membion wächst in der Region, aus der seine Forschung stammt, und stützt den Schritt zu einem guten Teil auf öffentliche Förderinstrumente. Ob aus den 70 geplanten Stellen wirklich 70 werden, hängt am Tempo, mit dem die Kommunen ihre Klärwerke nachrüsten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Ausbau für die Region?

Starke Relation. Für die Städteregion Aachen zählt vor allem das Verhältnis von 70 neuen Stellen zu heute 40 Beschäftigten. Mit dem Batterierecycler Cylib wächst in Aachen ein zweites Unternehmen aus dem Umfeld der RWTH.

Wachstum im Inland. AGIT-Geschäftsführer Sven Pennings verknüpft den Fall mit der Start-up- und Scale-up-Strategie der Bundesregierung und der Frage, wie junge Technologiefirmen in Deutschland groß werden.[1] Wie groß die Lücke bei Wachstumskapital in Europa ausfällt, zeigt der mit fünf Milliarden Euro geplante Scaleup Europe Fund.

Früh planen. Kommunale Abwasserbetriebe mit Nachrüstpflicht sollten Flächenbedarf und Membranoptionen jetzt in ihre Ausbauplanung aufnehmen, denn Hersteller wie Membion bauen ihre Kapazitäten gerade erst aus.

Quellen

[1] AGIT: PM 05/26: Membion investiert rund sieben Millionen Euro in den Standort Schleckheim (24.09.2026)

[2] Deutsche Bundesstiftung Umwelt: Deutscher Umweltpreis der DBU an Dr.-Ing. Klaus Vossenkaul (03.09.2026)

[3] EUR-Lex: Richtlinie (EU) 2024/3019 über die Behandlung von kommunalem Abwasser (27.11.2024)

[4] DeepTech & Climate Fonds: Five million euros for wastewater recycling company Membion (16.01.2024)

Mehr Newshunger?

4,5 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?