Der Modulbauer Kleusberg investiert rund 50 Millionen Euro in sein Stammwerk in Wissen im Kreis Altenkirchen. Am 18. September hat das Familienunternehmen Richtfest für eine neue Produktionshalle gefeiert, bis 2028 soll der Umbau abgeschlossen sein. Kleusberg setzt damit auf Städte und Gemeinden, die ihre Schulen schneller erneuern müssen, als eine klassische Baustelle erlaubt.

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Kleusberg fertigt in Wissen Raummodule aus Stahl, aus denen Schulen, Kitas, Labore und Büros entstehen. Das Investitionsprogramm am Standort Wisserhof läuft laut Unternehmen seit 2023, einige Abschnitte sind fertig, andere im Bau.[1] Am Standort arbeiten laut Rhein-Zeitung knapp 600 Menschen, 346 in der Verwaltung und 252 in der Produktion.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Kleusberg investiert von 2023 bis 2028 rund 50 Millionen Euro in das Stammwerk Wissen-Wisserhof.
  • Laut dem Fachmagazin bau.bi soll die Leistung von 65 bis 80 auf bis zu 150 Module pro Woche steigen.
  • Neue Stellenzahlen und Fördermittel nennt das Unternehmen nicht.
  • Im selben Landkreis streicht der Autozulieferer Mubea bis Ende 2028 rund 200 von 600 Stellen.

Was baut Kleusberg in Wissen um?

A white construction container on a white background, equipped with a dark grey door and two windows
Kleusberg saniert 6.000 Quadratmeter Bestandsfläche und ergänzt 3.000 Quadratmeter neue Hallen-, Verwaltungs- und Sozialflächen bei laufender Produktion

Mehr Fläche im Bestand. Kleusberg saniert nach eigenen Angaben rund 6.000 Quadratmeter bestehender Gebäude und ergänzt etwa 3.000 Quadratmeter neue Hallen-, Verwaltungs- und Sozialflächen, jeweils bei laufender Produktion. Um Platz zu schaffen, hat das Unternehmen schon im Sommer 2023 die Fertigung von Halleneinbauten ins nordrhein-westfälische Morsbach verlagert.[1]

Roboter statt Handarbeit. Laut bau.bi hat Kleusberg zudem die benachbarten Hallen der Dalex Automation & Welding GmbH übernommen. Auf den 8.800 Quadratmetern soll als „Werk 8“ die komplette Blechbearbeitung unterkommen. Roboterschweißanlagen und teilautomatisierte Fertigungsstraßen ergänzen die Linien, eine Pulverbeschichtung löst die Nasslackierung ab.[3] Die Produktion soll so von 65 bis 80 auf bis zu 150 Module pro Woche wachsen.

Warum lohnt sich Modulbau gerade jetzt?

Rückstand bei Schulen. Die Nachfrage kommt vor allem von der öffentlichen Hand. Im KfW-Kommunalpanel 2026 beziffern die Kommunen ihren Investitionsrückstand auf 231,2 Milliarden Euro. Der größte Posten sind Schulen mit 68,9 Milliarden Euro.[4] Seit August 2026 haben zudem alle Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung, bis 2029 kommt jedes Jahr ein Jahrgang hinzu. Viele Schulen brauchen dafür zusätzliche Räume.

Bauzeit als Argument. Die Module entstehen in der Halle, während auf dem Grundstück noch das Fundament gegossen wird. Für die Stadt Frechen errichtet Kleusberg aus 319 Stahlmodulen eine Rotationsschule, in der mehrere Schulen nacheinander unterkommen, solange ihre eigenen Gebäude saniert werden. Fertig sein soll sie Mitte 2028.[5]

Kleusbergs Umbau in Wissen
Mehr Module aus dem Stammwerk für den Schulbau der Kommunen
50 Mio. €
Investition am Standort Wissen-Wisserhof von 2023 bis 2028
bis 150
Module pro Woche als Ziel, bisher 65 bis 80
knapp 600
Beschäftigte in Wissen: 346 in der Verwaltung, 252 in der Produktion
68,9 Mrd. €
Investitionsrückstand der Kommunen bei Schulen (KfW-Kommunalpanel 2026)
2023
Start des Werkskonzepts, Halleneinbauten ziehen nach Morsbach
18.09.2026
Richtfest für die neue Produktionshalle
2028
geplanter Abschluss aller Bauarbeiten

Den Kommunen fehlt für neue Schulräume Geld, vor allem aber Zeit. Kleusberg rechnet damit, dass sie lieber fertige Module aus der Halle kaufen, als jahrelang auf eine klassische Baustelle zu warten.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet die Investition für den Kreis Altenkirchen?

Gegenläufige Signale. Im selben Landkreis baut der Autozulieferer Mubea in Daaden und Weitefeld Stellen ab, bis Ende 2028 fallen dort rund 200 von 600 Arbeitsplätzen weg. Ministerpräsident Gordon Schnieder sagte beim Richtfest in Wissen: „Was hier erwirtschaftet und aufgebaut wird, stärkt die ganze Region und gibt den Menschen eine Zukunft.“[1] Zusätzliche Stellen hat Kleusberg allerdings nicht beziffert. Ein neues Bürogebäude auf dem Gelände bietet laut bau.bi für 6,5 Millionen Euro Platz für 61 Arbeitsplätze.[3]

Früh anfragen. Kommunen, die Ganztagsräume oder Ausweichschulen planen, sollten die Lieferzeiten der Modulbauer schon vor der Ausschreibung abfragen, denn auch die Hersteller bauen ihre Kapazität erst aus, wie das Beispiel Wissen zeigt. Für Metallfachkräfte aus der Zulieferindustrie kann das Werk eine Alternative werden: Die neue Blechbearbeitung und die Schweißroboter brauchen genau diese Berufe, und Kleusberg sucht für Wissen derzeit unter anderem eine Produktionsleitung.

Quellen

[1] Kleusberg: Ministerpräsident würdigt neues Werkskonzept (22.09.2026)

[2] Rhein-Zeitung: Umfangreiche Investitionen: Wie Wissener Unternehmen Kleusberg an der Zukunft baut (20.09.2026)

[3] bau.bi: 50 Millionen für das Stammwerk: Kleusberg verdoppelt Modul-Produktion in Wissen (23.09.2026)

[4] KfW: KfW-Kommunalpanel: Kommunen wollen in diesem Jahr deutlich mehr investieren (17.06.2026)

[5] Kleusberg: Großauftrag fürs Modulare Bauen (2026)

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