Kneipp eröffnete in Ochsenfurt-Hohestadt bei Würzburg sein neues Werk und verdoppelte damit die Produktionsfläche von rund 5.000 auf 10.000 Quadratmeter. Rund 65 Millionen Euro flossen nach Angaben des Herstellers in das Gebäude, neue Anlagen, Automatisierung und digitale Prozesse.[1] Beim Spatenstich 2022 hatte Kneipp noch mit 45 Millionen Euro gerechnet.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Werk im Landkreis Würzburg ist Kneipps einziger Produktionsstandort. Rund 430 Menschen arbeiten dort in Fertigung, Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung. Von den etwa 480 Produkten der Hartmann-Tochter, vom Badezusatz bis zum pflanzlichen Arzneimittel, stammen mehr als 94 Prozent aus Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- Kneipp investierte rund 65 Millionen Euro und verdoppelte die Produktionsfläche in Ochsenfurt-Hohestadt auf 10.000 Quadratmeter.
- Geplant waren 2022 noch 45 Millionen Euro und die Fertigstellung bis 2024.
- Die Belegschaft am Standort wuchs seit dem Spatenstich von rund 400 auf etwa 430 Menschen.
- Laut Hartmann drückte vor allem Kneipp im ersten Halbjahr 2026 den Umsatz des zugehörigen Konzernsegments leicht unter Vorjahr.
Warum baut Kneipp in Deutschland aus?

Gebundene Erlaubnis. Zum Sortiment gehören pflanzliche Arzneimittel. Die behördliche Herstellungserlaubnis gilt nach dem Arzneimittelgesetz für eine bestimmte Betriebsstätte und bestimmte Arzneimittel.[4] Ein Umzug der Fertigung würde also neue Genehmigungen verlangen. Kneipp selbst begründet den Ausbau mit Qualität und kontrollierten Prozessen. „Mit dem neuen Werk stärken wir ‚Made in Germany‘“, sagte CEO Katharina Höhne.
Mehr Automatisierung. Höhne nannte als Ziel „mehr Kapazität, effizientere Abläufe und mehr Automatisierung“. Die Fläche verdoppelte sich, die Belegschaft am Standort stieg seit 2022 dagegen nur um rund 30 Köpfe.[2] Konzernweit beschäftigt Kneipp heute rund 650 Menschen statt mehr als 700 im Jahr 2022, der Deutschland-Anteil wuchs dabei von rund 500 auf etwa 550.
Warum wurde das Werk teurer und später fertig?
Wachsende Summe. Beim Spatenstich im Oktober 2022 nannte der damalige Geschäftsführer Alexander C. Schmidt 45 Millionen Euro, davon 25 Millionen für das Gebäude und 20 Millionen für Maschinen. Zum Richtfest im November 2024 sprach Kneipp von rund 50 Millionen Euro und verschob die Inbetriebnahme auf 2026.[3] Eine Begründung für die jetzt genannten 65 Millionen Euro, ein Plus von 44 Prozent gegenüber 2022, lieferte der Hersteller nicht. Die aktuelle Summe schließt ausdrücklich Automatisierung und digitale Prozesse ein. Fördergeld erwähnte Kneipp nicht.
Kneipp verdoppelt die Fläche, beschäftigt am Standort aber nur rund 30 Menschen mehr als 2022. Deutsche Werke halten sich dort, wo Maschinen die Lohnkosten auffangen und Zulassungen einen Umzug teuer machen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das Werk für Mainfranken?
Schwacher Absatz. Kneipps Umsatz schwächelte zuletzt. Hartmann meldete für das Segment der Komplementären Divisionen im ersten Halbjahr 2026 leicht sinkende Umsätze und nannte vor allem die Entwicklung bei Kneipp als Grund. Zudem erwartet der Heidenheimer Konzern im zweiten Halbjahr höhere Kosten für Material, Energie und Fracht als Folge des Iran-Kriegs.[5] Kneipp muss die doppelte Fläche erst mit Aufträgen auslasten.
Gesicherte Stellen. Mit der Eröffnung erreichte das Projekt die letzte Stufe, den laufenden Betrieb. Für die Region sichert das Werk vor allem die rund 430 bestehenden Arbeitsplätze, neue Stellen in größerer Zahl kündigte Kneipp nicht an. Auch Viessmann holte zuletzt die Gasthermen-Fertigung aus der Türkei nach Nordhessen zurück, Schaeffler schleift Keramikkugeln für Windradlager wieder in Schweinfurt. Miele-Gesellschafter Reinhard Zinkann warnt dagegen, dass Kunden für „Made in Germany“ kaum noch Aufpreis zahlen.
Quellen
[1] Kneipp (APA-OTS): „Made in Germany“: Kneipp eröffnet neues Werk am Hauptsitz in Ochsenfurt-Hohestadt (18.09.2026)
[2] Kneipp: Spatenstich: Kneipp investiert in mainfränkischen Hauptsitz (20.10.2022)
[3] Kneipp: Richtfest bei Kneipp (08.11.2024)
[4] Bundesministerium der Justiz: § 16 Arzneimittelgesetz, Begrenzung der Herstellungserlaubnis
[5] Paul Hartmann AG: Januar bis Juni 2026: HARTMANN steigert erneut Umsatz und Ergebnis (18.08.2026)
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