Der Absatz von Gasheizungen in Deutschland ist 2025 um rund ein Drittel eingebrochen. Viessmann Climate Solutions zieht daraus die Konsequenz und schließt sein Werk für Gasthermen im türkischen Manisa. Die Produktion wandert nach Nordhessen zurück, ausgerechnet gegen den Trend zur Verlagerung ins Ausland.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEnde Juni 2026 sind im türkischen Manisa die letzten Gasthermen vom Band gelaufen, gut zwölf Jahre nach der Werkseröffnung. Viessmann Climate Solutions bündelt die Fertigung wandhängender Gasheizgeräte jetzt am Stammsitz Allendorf an der Eder. Hinter der regionalen Jobmeldung steckt ein tiefer Umbau des europäischen Heizungsmarktes.
Das Wichtigste in Kürze
- Manisa dicht: Das 2013 für 13 Millionen Euro eröffnete Gasthermen-Werk schließt, rund 150 Stellen fallen weg.
- Hessen gewinnt: In Allendorf entstehen 105 neue Produktionsarbeitsplätze, die Teilverlagerung ist abgeschlossen.
- Markt im Sinkflug: Der Heizungsabsatz ist 2025 auf 627.000 Geräte gefallen, den tiefsten Stand seit 15 Jahren.
- Carrier entscheidet: Viessmann Climate Solutions gehört seit Anfang 2024 zum US-Konzern Carrier.
Was treibt die Werksschließung wirklich an?

Der Grund ist kein teurer Standort, sondern ein wegbrechender Markt. Der Absatz von Gasthermen für Wohngebäude in Europa ist laut Viessmann Climate Solutions binnen 24 Monaten beispiellos gesunken, und das Werk in Manisa hatte schlicht zu wenig Auslastung.
Vanessa Ante, Sprecherin von Viessmann Climate Solutions, begründet den Schritt mit einem „starken und beispiellosen Nachfragerückgang bei wandhängenden Gasheizgeräten für Wohngebäude in Europa“ über die vergangenen zwei Jahre. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, bündele das Unternehmen die Fertigung in einem einzigen großen Zentrum, Konsolidierung statt paralleler Standorte.
Die Zahlen des Branchenverbands BDH stützen diese Lesart. Der Heizungsabsatz in Deutschland ist 2025 um zwölf Prozent auf 627.000 Geräte gefallen, den niedrigsten Wert seit 15 Jahren[1]. Gasheizungen haben rund ein Drittel verloren und sind nur noch auf etwa 229.000 Stück gekommen, nach über 800.000 im Boomjahr 2023. Ein Drittel weniger in einem einzigen Jahr.
Welche Rolle spielt die Wärmepumpe?
Die Wärmepumpe hat die Gasheizung 2025 erstmals als meistverkauften Wärmeerzeuger abgelöst. Mit 299.000 Geräten und einem Plus von 55 Prozent verschiebt sie den Markt dauerhaft. Wandhängende Gasthermen bleiben damit ein Geschäft für einen schrumpfenden Rest des Marktes.
Für die Hersteller bedeutet dieser Wechsel einen Strukturbruch. Ein Gerätetyp, der jahrzehntelang das Volumen getragen hat, verliert seine Basis, während die Wärmepumpe eigene Fertigungslinien und Lieferketten verlangt. Wie tief der Umbau reicht, zeigt der Schritt, die Wärmepumpe selbst zum vernetzten Kraftwerk zu machen.
Geräteabsatz in Deutschland 2025 und der Standort-Umbau bei Viessmann Climate Solutions
Nicht ein teurer Standort kippt hier ein Werk, sondern eine Nachfrage, die es so nicht mehr gibt. Die Wärmewende zeichnet gerade die Landkarte der Heizungsfertigung neu.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für den Standort Deutschland?
Die Verlagerung nach Hessen klingt nach Trendwende, ist aber vor allem Konsolidierung in einem kleiner werdenden Markt. Für Entscheider zählt weniger die Standortfrage als die Planbarkeit der Förder- und Gesetzeslage.
Den Einbruch führt der BDH weniger auf hohe Zinsen zurück als auf die anhaltende Verunsicherung durch die Debatte um das Heizungsgesetz. „Solange die politischen Rahmenbedingungen unklar sind“, handelten Verbraucher rational und warteten ab, sagt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt. Verunsicherung kostet die Branche den Absatz.
Für 2026 steht eine Reform des Gebäudeenergiegesetzes an, die den umstrittenen Paragrafen 71 praxisnäher fassen soll. Zugleich bleibt die Förderung im Fluss, und auch der Streit ums deutsche Klimaziel sowie die stockende Smart-Meter-Einführung wirken als Bremse. Planungsunsicherheit trifft Hersteller und Handwerk gleichermaßen.
Handwerksbetriebe und Bauherren sollten die Reform abwarten, bevor sie sich langfristig auf einen Heiztyp festlegen. Bei einer Planung heute zählen die neue Förderhöhe und die Anschlussfristen für die Wärmepumpe mehr als der Reflex zur zuletzt noch gefragten Gastherme.
Quelle
[1] BDH (Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie): „Jahresbilanz: Heizungsabsatz fällt auf niedrigsten Stand seit 15 Jahren“ ↩
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