Airbus rechnet bis 2045 mit einer fast verdoppelten Weltflotte und rund 42.000 neuen Flugzeugen. Die Zahlen zeigen aber auch, worauf die Branche ihr Klimaziel wirklich stützt: auf teuren Sprit statt auf Wasserstoff. Für Unternehmen mit Reisebudget hat das konkrete Folgen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie neue Airbus-Prognose beziffert den Flugzeugbedarf bis 2045 auf 42.060 Maschinen, kaum weniger als ein Jahr zuvor. Hinter der nüchternen Marktzahl steckt eine unbequeme Botschaft für alle, die grünes Fliegen schon bald erwarten.
Das Wichtigste in Kürze
- 42.060 neue Flugzeuge bis 2045, die Weltflotte wächst von 23.210 auf 45.550 Maschinen.
- Der Luftverkehr legt laut Airbus jährlich um 3,9 % zu, auf rund zehn Milliarden Passagiere pro Jahr.
- Bis 2045 soll fast die gesamte Flotte aus der „neuesten Generation“ bestehen, die weiter Kerosin verbrennt.
- Die EU-Quote für nachhaltigen Flugkraftstoff steigt von 2 % (2025) auf 70 % (2050) und verteuert Tickets.
Was sagt die Airbus-Prognose für 2045?

Airbus erwartet bis 2045 einen Bedarf von 42.060 neuen Flugzeugen und eine fast verdoppelte Weltflotte, getragen von 3,9 % jährlichem Verkehrswachstum und rund zehn Milliarden Passagieren pro Jahr.
Getragen wird die Nachfrage vom Wachstum in Asien, das Airbus vor allem China und Indien zuschreibt. Auffällig ist die leichte Korrektur nach unten: Vor einem Jahr hat der Hersteller noch 42.450 Maschinen genannt, jetzt sind es 42.060.[1]
Rund 47 % der Lieferungen ersetzen alte Jets, 81 % entfallen auf Schmalrumpfflugzeuge. Den Ausschlag gibt der Flottenumbau: Der Anteil der jüngsten Generation soll von 39 % im Jahr 2026 auf fast 100 % im Jahr 2045 klettern.
Warum verrät die Prognose ein Klimaproblem?
Fast 100 % neueste Generation klingt grün, doch diese Jets verbrennen weiter Kerosin. Wasserstoff spielt in Airbus‘ eigener 20-Jahres-Rechnung praktisch keine Rolle, das Klimaziel hängt damit an nachhaltigem Flugkraftstoff und Effizienz.
Neueste Generation heißt sparsamer, nicht emissionsfrei: Moderne Jets verbrauchen rund ein Fünftel weniger, laufen aber mit fossilem Kerosin. Der Wasserstoff-Jet bleibt fern. Airbus hat sein ZEROe-Wasserstoffprogramm 2025 verschoben, das neue Wasserstoff-Joint-Venture mit MTU nimmt erst 2027 die Arbeit auf.
So ruht das Netto-Null-Ziel der Branche für 2050 fast vollständig auf zwei Säulen: effizientere Flugzeuge und nachhaltiger Flugkraftstoff, kurz SAF. Beide skalieren langsam, denn SAF kostet heute ein Vielfaches von Kerosin.
Die Luftfahrt verkauft Flottenerneuerung als Klimaschutz, tankt aber weiter Kerosin. Bis der Wasserstoff kommt, entscheidet der Preis für nachhaltigen Sprit über jedes Reisebudget.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?
Aus EU-Flughäfen steigt die verpflichtende SAF-Quote von 2 % (2025) über 6 % (2030) auf 70 % (2050) und verteuert Geschäftsreisen spürbar. Reisebudgets und CO2-Bilanzen nach CSRD sind direkt betroffen, ebenso die DACH-Luftfahrtzulieferer.
Die EU-Verordnung ReFuelEU Aviation schreibt diese Beimischung vor, ein eigenes Unterziel für strombasierte E-Fuels greift ab 2030.[2] Für die Reisekosten heißt das: SAF-Aufschläge auf Flugtickets werden zur Dauergröße, parallel läuft die kostenlose Zuteilung im EU-Emissionshandel aus.
Zwei Schritte sind sofort umsetzbar. Reisebudgets sollten die SAF-Aufschläge fest einplanen, und Flugemissionen gehören sauber in die CSRD-Berichterstattung. Pauschale „klimaneutral“-Versprechen werden derweil riskant, wie das Urteil gegen Lufthansas CO2-Werbung zeigt.
Für die DACH-Industrie steckt darin auch eine Chance. Zulieferer und Triebwerksbauer, die früh auf SAF-Verträglichkeit und Wasserstoff setzen, sichern sich Anteile am Markt für 42.000 neue Maschinen. Abwarten zahlt sich hier nicht aus.
Quellen
[1] Airbus: „Global Market Forecast 2026-2045″ ↩
[2] Europäische Kommission: „ReFuelEU Aviation“ ↩
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