Zwei der größten deutschen Familienunternehmen legen ihre Akkuwelt zusammen. Stihl und Kärcher machen aus einem Herstellersystem einen offenen Standard für über 120 Profigeräte. Für Betriebe geht es dabei weniger um Watt und mehr um Investitionsschutz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin Akku, der in der Heckenschere genauso steckt wie im Hochdruckreiniger: Mit ihrer neuen Akku-Allianz ALLPRO wollen Stihl und Kärcher genau das zum Alltag machen. Am 2. Juli 2026 haben beide Konzerne den gemeinsamen Standard vorgestellt, der ab dem 1. August in den Handel kommt. Hinter der technischen Ankündigung steckt ein strategischer Angriff auf ein bislang von Bosch und Metabo dominiertes Feld.
Das Wichtigste in Kürze
- Offener Standard: ALLPRO ist ein von Stihl entwickelter 36-Volt-Akku, den beide Marken gemeinsam nutzen.
- 120 Geräte: Zum Start umfasst das herstellerübergreifende Ökosystem über 120 kompatible Geräte und Maschinen.
- Schnellladen: Neue Tabless-Zellen laden in rund neun Minuten auf 80 Prozent und halten bis zu 3.000 Ladezyklen.
- Zeitplan: Stihl startet am 1. August 2026, Kärcher zieht am 1. Januar 2027 nach; bestehende AP-Akkus bleiben kompatibel.
Was genau steckt hinter ALLPRO?

ALLPRO ist ein offener 36-Volt-Akkustandard: Ein Akku und ein Ladegerät versorgen Stihl-Werkzeuge, Kärcher-Reinigungsmaschinen und Geräte weiterer Spezialhersteller, vom Forstseilzug bis zum mobilen Tanksystem.
Technisch setzt der Standard auf sogenannte Tabless-Zellen. Diese Bauform senkt den Innenwiderstand, wodurch weniger Abwärme entsteht, die Ladezeit sinkt und die Lebensdauer auf bis zu 3.000 Zyklen ohne Leistungsverlust steigt.[1]
Die Leistung bleibt dabei über den gesamten Ladestand konstant, ein Akku lädt in etwa neun Minuten auf 80 Prozent. Für den Dauereinsatz in Bau, Garten- und Landschaftsbau sowie in Kommunen ist das der eigentliche Verkaufsgrund.
„Professionelle Anwender brauchen nicht nur leistungsfähige Geräte. Sie benötigen Systeme, die viele Aufgaben abdecken, Komplexität reduzieren und Investitionen langfristig nutzbar machen“, sagt Michael Traub, Vorsitzender des Vorstands der Stihl AG.
Warum jetzt eine dritte Akku-Allianz?
Der Profi-Werkzeugmarkt konsolidiert sich seit Jahren um wenige Akkuplattformen. Mit ALLPRO stellen Stihl und Kärcher neben Metabos CAS und Boschs AMPShare einen dritten Pol auf und binden Kunden über den Akku statt über das einzelne Gerät.
Das Muster ist nicht neu. Bereits 2018 hat Metabo mit dem Cordless Alliance System (CAS) einen herstellerübergreifenden Verbund gestartet, dem heute mehr als 35 Marken und über 300 Maschinen angehören. Bosch hat 2022 mit AMPShare nachgezogen, das inzwischen mehr als 25 Marken und über 200 Werkzeuge umfasst.
Der Akku wird so zur eigentlichen Kundenbindung. Hat ein Betrieb einmal in eine Plattform investiert, bleibt er ihr über Jahre treu, weil jedes neue Gerät im selben System weiterläuft. Genau diesen Lock-in-Effekt sichern sich Stihl und Kärcher jetzt im 36-Volt-Segment für Profis.
Drei Akku-Allianzen im Profisegment
Der eigentliche Coup ist nicht der Akku, sondern das offene Format. Stihl und Kärcher verkaufen dem Handwerk Investitionsschutz und greifen Bosch und Metabo dort an, wo es weh tut.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Betriebe im DACH-Raum?
Ein gemeinsamer Akku senkt Anschaffungs- und Entsorgungskosten und passt zur EU-Batterieverordnung, die ab 2027 austauschbare Akkus und einen digitalen Batteriepass vorschreibt. Betriebe sollten vor Neukäufen prüfen, an welche Plattform sie sich binden.
Rückenwind bekommt der Vorstoß aus Brüssel. Die EU-Batterieverordnung (2023/1542) verlangt schrittweise leichter austauschbare Akkus, einen digitalen Batteriepass ab 2027 und höhere Recyclingquoten. Ein Akku für 120 Geräte statt ein Netzteil pro Marke zahlt genau darauf ein und reduziert den Elektroschrott.
Die Elektrifizierung erfasst dabei nicht nur die Straße, wo Betreiber wie EnBW ihre Ladeparks hochziehen und E.ON ein Megawatt-Ladenetz baut, sondern ebenso Werkstatt, Bauhof und Grünfläche.
Für Entscheider im Handwerk verschiebt sich damit die Kauffrage: Nicht mehr das einzelne Gerät zählt, sondern die Plattform dahinter. Vor der nächsten Investition lohnt der Blick, welches Akkusystem die eigene Geräteflotte über Jahre trägt.
Quelle
[1] Stihl und Kärcher: „Kärcher und STIHL starten wegweisende Akku-Allianz“ (Pressemitteilung, 2. Juli 2026) ↩
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