SMA Solar fertigt in Niestetal bei Kassel jetzt Wechselrichter mit einer Jahreskapazität von mehr als 60 Gigawatt. Rund 80 Millionen Euro steckt der Konzern in das Werk, während etwa 80 Prozent der weltweit verbauten Wechselrichter aus China kommen. Das BSI warnt seit Monaten, dass sich Tausende dieser Geräte aus der Ferne gleichzeitig abschalten ließen. Die neue Fabrik ist damit mehr Energiepolitik als Standortmeldung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAm 17. September hat SMA Solar in Niestetal bei Kassel eine Fabrik in Betrieb genommen, die bei Vollauslastung Wechselrichter mit einer Jahreskapazität von mehr als 60 Gigawatt fertigt. Die Menge entspricht in etwa sechzig großen Kraftwerksblöcken. Hinter der Zahl steckt eine strategische Frage, die weit über Kassel hinausreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Standort und Kapazität: Niestetal bei Kassel, über 60 Gigawatt Jahreskapazität, rund 80 Millionen Euro Investition.
- Was gefertigt wird: Zentral-Wechselrichter, Batteriespeicher und Energiemanagement für Solarparks, Speicher und Rechenzentren.
- Der eigentliche Hebel: Rund 80 Prozent der Wechselrichter stammen aus China, das BSI sieht darin ein Risiko für die Netzstabilität.
- Für Betreiber: EU-Förderregeln und Zertifizierungspflichten verschieben sich zugunsten europäischer und lokal steuerbarer Technik.
Was SMA in Niestetal baut

Die neue Gigawatt Factory steht am SMA-Stammsitz in Niestetal, verteilt auf 46.000 Quadratmeter Grundstück mit einer gut 20.000 Quadratmeter großen Produktionshalle. Bei voller Auslastung verlassen Wechselrichter, Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme für mehr als 60 Gigawatt pro Jahr die Fertigung, gedacht für Solarparks, Speicherprojekte, Wasserstoffanlagen und die Stromversorgung von Rechenzentren.[1]
Rund 80 Millionen Euro fließen in das Werk, einer der größten Produktionsposten der Firmengeschichte. Finanzchef Kaveh Rouhi ordnet den Schritt so ein: „Mit der Gigawatt Factory investieren wir in die industriellen Fähigkeiten, die für die Energiesysteme der Zukunft erforderlich sind.“ Seit 2006 hat SMA Wechselrichter für 156 Gigawatt ausgeliefert, das neue Werk stärkt vor allem das Segment der großen Zentralgeräte.
Warum wird der Wechselrichter zum Sicherheitsrisiko?
Ein Wechselrichter wandelt nicht nur Gleich- in Wechselstrom, sondern bildet den digitalen Schaltpunkt zwischen Anlage und Stromnetz. Über die Cloud-Anbindung spielt der Hersteller Updates ein und regelt die Einspeisung. Genau diese Verbindung ist die Angriffsfläche: Über diesen Zugang lässt sich die Einspeisung drosseln oder ein Gerät ganz abschalten.
Der Markt ist hoch konzentriert: Etwa 80 Prozent der verbauten Wechselrichter kommen aus China, Marktführer ist Huawei, dahinter folgen Sungrow und Ginlong Solis. Das BSI warnt, dass sich über eine solche Fernsteuerung Tausende Geräte europaweit zeitgleich abschalten ließen. Betreibern rät die Behörde, die Cloud-Anbindung ihrer Solaranlagen zu prüfen und wo möglich auf lokalen Betrieb umzustellen.[2] Anfang Juni 2026 warnten BSI und Verfassungsschutz gemeinsam vor staatlichen Angreifern, die gezielt schlecht geschützte Photovoltaikanlagen im Netz suchen.
Angriffe auf die Stromversorgung bleiben keine Theorie. Erst kürzlich verlor RWE nach Sabotage an einem Umspannwerk Kraftwerksleistung. Das aktuelle BKA-Lagebild zählt 165 Sabotagefälle an der kritischen Infrastruktur.
Das BSI warnt: Über die gemeinsame Cloud-Anbindung ließen sich Tausende Wechselrichter europaweit zeitgleich abschalten.
Was das für deutsche Betreiber bedeutet
Die Politik zieht nach. Die EU-Kommission stuft die Abhängigkeit von wenigen Wechselrichter-Herstellern als erhebliches Sicherheitsrisiko ein und erwägt eine Hochrisiko-Herstellerliste, ähnlich der Debatte um Huawei im 5G-Netz. Öffentlich geförderte Solarprojekte sollen künftig strenger an vertrauenswürdige Technik gebunden werden.
Ein Wechselrichter ist längst kein stummes Bauteil mehr, sondern der Fernschalter am Netz. Über den Hersteller entscheidet deshalb mit, wer eine Anlage im Ernstfall abschalten kann.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für Unternehmen mit eigener Solar- oder Speicheranlage lohnt der Blick auf die Cloud-Abhängigkeit der Wechselrichter. Bei Ausschreibungen zählt zertifizierte Steuerungstechnik. Soweit der Betrieb das erlaubt, bleibt die Anlage besser lokal steuerbar. Zugleich wächst der Bedarf an Netztechnik rasant, von neuen Offshore-Windparks bis zu Rechenzentren mit eigenem Notstrom. Eine europäische Fertigung wie in Niestetal ist die Grundlage, um bei kritischer Netztechnik nicht allein von Zulieferern aus einem Land abzuhängen.
FAQ: SMAs neue Wechselrichter-Fabrik in Niestetal
Was ist ein Wechselrichter und wofür wird er gebraucht?
Ein Wechselrichter wandelt den Gleichstrom aus Solarmodulen oder Batteriespeichern in netzfähigen Wechselstrom um. Zugleich regelt er die Einspeisung ins Stromnetz und ist über eine Cloud-Anbindung meist fernsteuerbar. Damit ist er der digitale Schaltpunkt zwischen Anlage und Netz.
Wie viele Wechselrichter kommen aus China?
Rund 80 Prozent der weltweit verbauten Wechselrichter stammen aus China. Marktführer ist Huawei, dahinter folgen Hersteller wie Sungrow und Ginlong Solis. Diese Konzentration ist der Grund, warum Behörden die Lieferkette für Netztechnik als Sicherheitsrisiko einstufen.
Kann man einen Wechselrichter aus der Ferne abschalten?
Ja. Cloud-angebundene Wechselrichter lassen sich über die Schnittstelle des Herstellers aus der Ferne steuern, drosseln oder abschalten. Das BSI warnt, dass sich auf diesem Weg theoretisch Tausende Geräte europaweit zeitgleich abschalten ließen, und rät zu lokalem Betrieb, wo möglich.
Plant die EU ein Verbot chinesischer Wechselrichter?
Ein pauschales Verbot gibt es nicht. Die EU-Kommission erwägt aber eine Hochrisiko-Herstellerliste und bindet öffentlich geförderte Solarprojekte strenger an vertrauenswürdige Technik. Die Debatte ähnelt dem früheren Streit um Huawei-Technik im 5G-Netz.
Wo steht die neue SMA Gigawatt Factory?
Die Gigawatt Factory steht am SMA-Stammsitz in Niestetal bei Kassel. Auf 46.000 Quadratmetern Fläche fertigt SMA dort Zentral-Wechselrichter, Batteriespeicher und Energiemanagementsysteme mit einer Jahreskapazität von mehr als 60 Gigawatt bei voller Auslastung.
Quellen
[1] SMA Solar Technology: „SMA eröffnet Gigawatt Factory und stärkt die industrielle Basis für die Energieinfrastruktur der Zukunft“
[2] Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Digitale Energiewende: Neue zertifizierte Steuerboxen stärken das Energienetz der Zukunft“
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