Rund 110 Kilometer westlich von Helgoland drehen sich seit dem 17. September 2026 alle 64 Turbinen von He Dreiht. Mit 960 Megawatt löst der Offshore-Windpark bestehende Anlagen als leistungsstärkster Windpark Deutschlands ab, bestätigt vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. Bemerkenswert ist weniger die Größe als die Finanzierung: EnBW baute den Park ohne staatliche Einspeisevergütung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- 960 Megawatt aus 64 Vestas-Turbinen: He Dreiht ist seit dem 17. September 2026 Deutschlands größter Offshore-Windpark.
- EnBW investierte rund 2,4 Milliarden Euro und verzichtet komplett auf staatliche Förderung, abgesichert durch das Nullgebot von 2017.
- Den Großteil des Stroms nehmen Industriekunden über langfristige Lieferverträge ab, darunter Bosch, Evonik, Fraport und Salzgitter.
- Rechnerisch versorgt der Windpark rund 1,1 Millionen Haushalte.
Was macht He Dreiht zum größten Windpark Deutschlands?

Rekord in der Nordsee: He Dreiht besteht aus 64 Windturbinen des dänischen Herstellers Vestas, jede mit 15 Megawatt Leistung. Zusammen kommen die Anlagen auf 960 Megawatt, womit der Windpark rund 110 Kilometer westlich von Helgoland alle bestehenden deutschen Offshore-Projekte überflügelt. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie führt He Dreiht als leistungsstärksten Windpark des Landes.[1]
Milliardeninvestition: Rund 2,4 Milliarden Euro steckte EnBW in das Projekt. Rechnerisch deckt der Windpark den Jahresbedarf von etwa 1,1 Millionen Haushalten, ungefähr der Größenordnung Hamburgs. Parallel sichert der Konzern mit dem geplanten Gaskraftwerk RDK9 die steuerbare Reserve für windstille Tage.
Warum läuft der Windpark ohne staatliche Förderung?
Nullgebot von 2017: Den Zuschlag für He Dreiht holte sich EnBW in der ersten deutschen Offshore-Auktion 2017 mit einem Gebot von null Cent je Kilowattstunde. Der Konzern verzichtet damit auf die feste Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz und trägt das Preisrisiko selbst. Grundlage sind stark gesunkene Baukosten und die 15-Megawatt-Turbinen von Vestas, die pro Anlage mehr Strom liefern als jede frühere Generation.
Abnahme per Vertrag: Statt am Spotmarkt verkauft EnBW den Großteil des Stroms über langfristige Lieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements. Bosch sicherte sich 50 Megawatt über 15 Jahre, weitere Verträge laufen mit Evonik, Fraport und Salzgitter sowie der Telekom-Tochter PASM und der Deutschen Bahn. Diese Abnehmer zahlen einen festen Preis und geben EnBW die Kalkulationssicherheit, die früher der Staat lieferte.[2]
Ein Windpark ohne Förderung galt lange als Wagnis, He Dreiht macht daraus ein Geschäftsmodell mit Bosch und Fraport als Financiers. So verschiebt sich die Energiewende von der Subvention zum Liefervertrag.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Deutschlands Energiewende?
Vorbild ohne Subvention: He Dreiht ist einer der ersten großen Offshore-Parks, die sich ohne Fördergeld rechnen. Deutschlands Offshore-Flotte in Nord- und Ostsee kommt inzwischen auf rund 10,8 Gigawatt, bis 2030 soll der Ausbau auf 30 Gigawatt klettern. Für die deutsche Energiewende hängt dieses Tempo auch daran, ob Industriekunden weiter bereit sind, Windstrom über Jahre fest abzunehmen.
Grünstrom als Standortfrage: Für Unternehmen werden solche Abnahmeverträge zum strategischen Instrument. Ein fester Preis über 15 Jahre schützt vor schwankenden Börsenkursen und liefert zugleich einen belastbaren Nachweis für die eigene CO2-Bilanz. Denselben Weg gehen längst andere Konzerne, von Salzgitters grünem Stahl bis zu den Notstromverträgen für neue Rechenzentren.
Konkret prüfen: Entscheider mit hohem Stromverbrauch sollten Power Purchase Agreements als Ergänzung zum klassischen Liefervertrag prüfen, gerade vor dem Hintergrund steigender Netzentgelte durch den Netzausbau. Entscheidend sind die Laufzeit und die Frage, ob der bezogene Strom bilanziell wirklich als grün gilt.
FAQ: He Dreiht und der subventionsfreie Windpark
Wo steht der Offshore-Windpark He Dreiht?
He Dreiht liegt in der deutschen Nordsee, rund 85 Kilometer nordwestlich von Borkum und etwa 110 Kilometer westlich von Helgoland. Der Windpark besteht aus 64 Turbinen und gehört zur ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands.
Wie viele Haushalte versorgt He Dreiht?
Rechnerisch deckt He Dreiht mit 960 Megawatt Leistung den Jahresstrombedarf von rund 1,1 Millionen Haushalten. Das entspricht ungefähr der Größenordnung einer Großstadt wie Hamburg.
Was ist ein Power Purchase Agreement?
Ein Power Purchase Agreement, kurz PPA, ist ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer. Der Kunde zahlt über viele Jahre einen festen Preis und gibt dem Betreiber Planungssicherheit, unabhängig von den schwankenden Börsenpreisen.
Wem gehört der Windpark He Dreiht?
He Dreiht gehört dem Energiekonzern EnBW aus Karlsruhe, der das Projekt allein realisiert hat. EnBW investierte rund 2,4 Milliarden Euro und trägt das wirtschaftliche Risiko ohne staatliche Einspeisevergütung.
Warum kommt He Dreiht ohne Förderung aus?
EnBW gewann den Zuschlag 2017 in der ersten deutschen Offshore-Auktion mit einem Gebot von null Cent je Kilowattstunde. Gesunkene Baukosten, große 15-Megawatt-Turbinen und feste Abnahmeverträge mit Industriekunden machen den Betrieb ohne Fördergeld wirtschaftlich.
Quellen
[1] EnBW: „Offshore-Windpark He Dreiht“
[2] EnBW: „He Dreiht offshore wind farm: All wind turbines now installed“
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