Grüner Stahl aus Salzgitter braucht enorme Mengen Ökostrom, genau dann, wenn die Anlagen laufen. Mit dem spanischen Entwickler Zelestra schließt der Konzern jetzt Deutschlands größten Vertrag über Solarstrom samt Batteriespeicher: 147 Megawatt Photovoltaik und 79 Megawatt Speicher. Erstmals steuert ein deutscher Stahlhersteller die Batterien selbst.

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Der grüne Stahl aus Salzgitter bekommt eine neue Stromquelle: Zwei Solarparks in Brandenburg und Thüringen liefern ab 2027 einen großen Teil der Energie. Salzgitter Flachstahl und der Projektentwickler Zelestra unterzeichneten dafür einen Liefervertrag über 158 Gigawattstunden Solarstrom im Jahr. Neu daran sind die direkt angeschlossenen Batteriespeicher.

Das Wichtigste in Kürze

  • 147 Megawatt Solar und 79 Megawatt Batteriespeicher: Zelestra baut zwei Hybrid-Parks in Brandenburg und Thüringen.
  • 158 Gigawattstunden Ökostrom pro Jahr fließen ab 2027 in die grüne Stahlproduktion von Salzgitter.
  • Der Deal ist Deutschlands größter Solar-Speicher-Vertrag; erstmals betreibt ein Stahlhersteller einen eigenen Speicher.
  • Der Strom speist SALCOS, den mit 1,322 Milliarden Euro geförderten Umbau von Salzgitter auf Wasserstoff und Elektrostahl.

Warum braucht grüner Stahl so viel Solarstrom?

Stahlblock mit Solarpanel, Batterie und Etikett „Mit Sonnenschein hergestellt“
Salzgitter produziert grünen Stahl: Wasserstoff reduziert Eisenerz, Elektrolichtbogenofen schmilzt es ein, beide Prozesse nutzen Strom statt Koks

Der grüne Stahl aus Salzgitter entsteht künftig ohne Kohle: Grüner Wasserstoff reduziert das Eisenerz, ein Elektrolichtbogenofen schmilzt es ein. Beide Schritte laufen mit Strom statt mit Koks und brauchen ihn nahezu rund um die Uhr.

Das Umbauprogramm SALCOS ersetzt die alte Hochofenroute Schritt für Schritt durch eine Direktreduktion und einen 100-Megawatt-Elektrolyseur. Damit verschiebt sich der Energiebedarf von der Kohle zum Strom, im industriellen Maßstab. Für Europas Stahlbranche entscheidet inzwischen der Strompreis über die Wettbewerbsfähigkeit, und ein Elektrolichtbogenofen rechnet sich nur mit einer gesicherten Grünstrommenge.

Was steckt im Vertrag mit Zelestra?

Zelestra baut zwei Hybrid-Parks mit zusammen 147 Megawatt Photovoltaik und 79 Megawatt Batteriespeicher (237 Megawattstunden), aus denen Salzgitter Flachstahl ab 2027 rund 158 Gigawattstunden Ökostrom im Jahr bezieht.[1]

Zelestra baut und betreibt die beiden Anlagen in Brandenburg und Thüringen als Eigentümer. Neu ist die Rolle der Batterie: Salzgitter steuert den Speicher selbst, geladen wird ausschließlich aus überschüssigem Solarstrom. So gleicht der Speicher die schwankende Sonneneinspeisung aus und macht aus wetterabhängigem Strom eine bedarfsgerechte Lieferung.

„Die Kombination aus Solarenergie und Batteriespeicher eröffnet uns die Möglichkeit, erneuerbare Energie bedarfsgerecht für unsere industriellen Prozesse zu beschaffen“, sagt Marco Hauer, Leiter des Energieeinkaufs bei Salzgitter Flachstahl.

Salzgitter kauft nicht nur Solarstrom, sondern übernimmt mit dem eigenen Speicher die Rolle des Lastmanagers. Die Dekarbonisierung des Stahls entscheidet sich künftig auch an der Batterie, nicht allein am Ofen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Deal für die deutsche Stahlwende?

Der Vertrag ist der bislang größte hybride Solar-Speicher-Deal Deutschlands und zeigt, wie Stahlkonzerne ihre Grünstromversorgung Vertrag um Vertrag absichern, statt auf einen einzelnen Großlieferanten zu setzen.

Salzgitter reiht damit den nächsten Ökostromvertrag aneinander und treibt den grünen Umbau voran, während ArcelorMittal die Stahlerzeugung in Duisburg gerade aufgegeben hat. Große Batteriespeicher werden dabei zum Wettbewerbsfaktor, den auch Energiekonzerne für sich entdecken.

Hinter SALCOS stehen 1,322 Milliarden Euro Förderung von Bund und Land, im Februar 2026 von der EU-Kommission beihilferechtlich genehmigt.[2] Direktreduktion, Elektrolyseur und Elektrolichtbogenofen sollen 2027 anlaufen. Der CO2-Ausstoß sinkt dann um bis zu 95 Prozent.

Salzgitters Solar-Batterie-Vertrag im Überblick
Deutschlands größter hybrider Grünstrom-Deal für die Stahlwende (Stand 15.09.2026)
147 MW
Solarleistung aus zwei Hybrid-Parks in Brandenburg und Thüringen
79 MW
Batteriespeicher (237 MWh), erstmals von Salzgitter selbst gesteuert
158 GWh
Ökostrom pro Jahr, geliefert ab 2027
1,322 Mrd. €
Förderung von Bund und Land für die SALCOS-Ausbaustufe 1

Wozu der Strom fließt

SALCOS ersetzt den Hochofen durch Direktreduktion mit grünem Wasserstoff und einen Elektrolichtbogenofen. Ab 2027 soll der Umbau den CO2-Ausstoß um bis zu 95 Prozent senken.

Für energieintensive Betriebe zeigt der Fall, wie sich planbare Strompreise langfristig sichern lassen. Hybrid-Verträge aus Solar und Speicher samt eigener Laststeuerung gehören früh auf die Agenda, bevor Netzanschlüsse und Speicherkapazitäten knapp werden.

Quellen

[1] Salzgitter AG: „Salzgitter Flachstahl und Zelestra vereinbaren Lieferung von Grünstrom für CO2-arme Stahlproduktion“

[2] Niedersächsisches Umweltministerium: „Bund und Land erhöhen Förderung für SALCOS-Ausbaustufe 1 auf 1,322 Milliarden Euro“

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