Continental lässt für die digitale Reifenprüfung ein einziges vernetztes Handgerät bauen und rollt es über sein weltweites Servicenetz aus. Der Zulieferer Transense entwickelt dafür in sechs Monaten eine Sonderversion seines Prüfgeräts TLGX, die mehrere Einzelwerkzeuge in der Werkstatt ersetzt. Hinter dem kleinen Gerät steht ein größerer Plan: Der reine Reifenhersteller will an den Daten verdienen, die am Reifen entstehen.

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Am 15. September 2026 vergab Continental den Entwicklungsauftrag an Translogik, die Reifensparte von Transense.[1] Das neue Gerät bündelt Profilmessung, Reifendruckkontrolle und Lebenszyklusdaten in einem Werkzeug, das im gesamten Servicenetz denselben Datensatz erzeugt. Pascal Neumann, Produktmanager bei Continental, sagt: „Die Digitalisierung verändert die Reifenverwaltung und eröffnet Chancen für mehr Effizienz, bessere Datenqualität und besseren Service.“

Das Wichtigste in Kürze

  • Continental lässt bei Translogik, der Reifensparte von Transense, eine Sonderversion des Handgeräts TLGX bauen und setzt sie weltweit im Servicenetz ein
  • Ein Gerät ersetzt mehrere Einzelwerkzeuge und erfasst Profiltiefe, Reifendruck und Lebenszyklusdaten in einem digitalen Datensatz
  • Das Entwicklungsprogramm läuft sechs Monate und bringt Transense über 700.000 Pfund im Jahr, umgerechnet gut 800.000 Euro
  • Die erfassten Reifendaten erfüllen zugleich den kommenden EU-Produktpass für die Lieferkette

Warum ein Gerät statt vieler?

Senkrechter Reifen mit Label 'DATEN' vor weißem Hintergrund
TLGX-Sonderversion kombiniert Profiltiefe, Reifendruck und Dokumentation in einem Handgerät für effizientere Werkstattabläufe

Ein Werkzeug statt vieler: Bisher greifen die Werkstätten im Continental-Netz zu getrennten Geräten für Profiltiefe, Reifendruck und Dokumentation. Die TLGX-Sonderversion legt diese Schritte in ein Handgerät zusammen und schreibt jede Messung in denselben digitalen Datensatz. Für das Servicenetz sinkt der Aufwand, für die Auswertung steigt die Datenqualität.

Daten als Marge: Der eigentliche Gewinn liegt hinter der Messung. Seit Continental ContiTech für vier Milliarden Euro verkauft hat und als reiner Reifenhersteller mit 15 Prozent Zielmarge antritt, muss das Wachstum aus Service und Software kommen. Vernetzte Reifendaten sind dafür der Hebel.

Wie weit ist die vernetzte Werkstatt schon?

Kein Einzelfall: Continental folgt einem Muster, das die ganze Zulieferbranche erfasst. SAF-Holland bündelt Achse, Bremse und Telematik zum vernetzten Fahrwerk, und Knorr-Bremse vernetzt den Lkw-Aftermarket. Auch Bosch bindet kleine Fuhrparks digital an die Werkstatt. Jedes Mal wandert der Wert vom Bauteil zur Auswertung seiner Daten.

Alte Wurzeln: Neu ist die Richtung nicht. Translogik liefert Continental seit Jahren die Messsonden hinter dem Flottendienst Conti360°. Die Sonderversion des TLGX hebt diese Zusammenarbeit auf die nächste Stufe und macht aus dem Prüfgerät eine Datenquelle.

Der Reifen wird zum Datenträger. Continental verdient künftig nicht nur an Gummi, sondern an jeder Messung, die im Servicenetz anfällt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was verlangt der EU-Produktpass?

Digitaler Produktpass: Das neue Gerät erfasst die Lebenszyklusdaten so, dass sie den kommenden EU-Produktpass erfüllen. Die EU-Ökodesign-Verordnung schreibt für viele Produktgruppen einen digitalen Pass vor, der Herkunft, Zusammensetzung und Reparaturhistorie über die gesamte Lieferkette nachweist. Reifen gehören zu den Produktgruppen, für die Brüssel den Pass früh vorsieht.

Datenhoheit klären: Noch ist offen, wer die entstehenden Daten kontrolliert. Der EU Data Act verschiebt die Hoheit über Maschinendaten gerade neu, wie der Fall zeigt, in dem Liebherr seine Maschinendaten auf einer Plattform bündelt. Flottenbetreiber sollten früh festlegen, wer ihre Reifendaten auswerten darf.

Continental digitalisiert die Reifenprüfung
Ein vernetztes Handgerät für das weltweite Servicenetz
1 Gerät
ersetzt mehrere Einzelwerkzeuge im weltweiten Servicenetz
6 Monate
Entwicklungsprogramm für die TLGX-Sonderversion
3 in 1
Profiltiefe, Reifendruck und Lebenszyklusdaten in einem Werkzeug
15 %
Zielmarge, die Continental als reiner Reifenhersteller anstrebt

Der Kern

Die vernetzten Reifendaten erfüllen den kommenden EU-Produktpass und werden zugleich zur neuen Ertragsquelle für den reinen Reifenhersteller.

Handlungsempfehlung: Für Fuhrparkleiter lohnt der Blick auf den Datenvertrag hinter dem Service. Bei digital geprüften Reifen gehören Zugriff, Auswertung und Löschung der Lebenszyklusdaten in den Vertrag, bevor der EU-Produktpass die Dokumentation zur Pflicht macht.

FAQ: Continental digitalisiert die Reifenprüfung

Was baut Transense für Continental?

Translogik, die Reifensparte von Transense, entwickelt eine Sonderversion ihres Handgeräts TLGX für Continental. Es erfasst Profiltiefe, Reifendruck und Lebenszyklusdaten digital und läuft im weltweiten Servicenetz des Reifenherstellers.

Warum digitalisiert Continental die Reifenprüfung?

Continental will nach dem Verkauf von ContiTech als reiner Reifenhersteller sein Wachstum aus Service und Software holen. Ein vernetztes Prüfgerät bündelt bisher getrennte Messungen und macht aus jedem Werkstattbesuch verwertbare Daten.

Was hat der EU-Produktpass mit Reifen zu tun?

Die EU-Ökodesign-Verordnung führt einen digitalen Produktpass ein, der Herkunft, Zusammensetzung und Reparaturhistorie über die Lieferkette nachweist. Reifen zählen zu den früh vorgesehenen Produktgruppen, deshalb erfasst das neue Gerät die Lebenszyklusdaten passend dazu.

Was kann das neue Handgerät TLGX?

Das Gerät führt digitale Reifenprüfungen durch, liest den Reifendruck über TPMS aus und verwaltet Rückverfolgbarkeit und Lebenszyklusdaten. Es ersetzt mehrere Einzelwerkzeuge durch eine integrierte Lösung im Servicenetz.

Wie groß ist der Auftrag für Transense?

Das Entwicklungsprogramm dauert sechs Monate. Danach rechnet Transense mit einem jährlichen Auftragswert von über 700.000 Pfund, umgerechnet gut 800.000 Euro, aus dem Ausrollen der Geräte im Continental-Servicenetz.

Quelle

[1] Transense: „Transense secures Continental contract for next-generation smart tyre tool“

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