Die Continental Neuaufstellung steht kurz vor dem Abschluss: Nach dem Verkauf von ContiTech für vier Milliarden Euro bleibt vom 1871 gegründeten Konzern im Kern nur noch das Reifengeschäft. Das zweite Quartal 2026 liefert genau die Marge, für die sich der Umbau lohnen soll. Zulieferer, Anleger und Einkäufer sollten die Zahlen hinter der Aufspaltung kennen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit einer bereinigten EBIT-Marge von 15,3 Prozent im Reifengeschäft untermauert die Continental Neuaufstellung ihren eigentlichen Zweck. Der Konzern hat sein Automobilgeschäft als Aumovio abgespalten und die Industriesparte ContiTech verkauft. Übrig bleibt der profitabelste Teil, das margenstarke Reifengeschäft.
Das Wichtigste in Kürze
- Continental verkauft ContiTech für 4,0 Milliarden Euro an Lone Star Funds und wird erstmals zum reinen Reifenhersteller.
- Im zweiten Quartal 2026 steigt das bereinigte EBIT um 35,1 Prozent auf 570 Millionen Euro, die Reifenmarge erreicht 15,3 Prozent.
- Der ausgewiesene Nettogewinn fällt auf 274 Millionen Euro, weil die abgespaltene Autosparte nicht mehr mitzählt.
- Für 2026 peilt Continental eine Reifenmarge von 13,0 bis 14,5 Prozent an.
Warum bleibt von Continental nur das Reifengeschäft?

Fokussierung treibt den Umbau. Ein Mischkonzern aus Reifen, Autoelektronik und Industriegummi wird an der Börse meist unter der Summe seiner Teile gehandelt, weil Anleger die margenstarke Sparte mit den schwachen verrechnen. Continental löst diesen Konglomeratsabschlag auf, indem jede Sparte einen eigenen Kapitalmarkt bekommt. Das Automobilgeschäft firmiert seit September 2025 als eigenständige Aumovio an der Frankfurter Börse. Die Industriesparte ContiTech verkauft Continental für 4,0 Milliarden Euro an Lone Star Funds. Der Deal ist der letzte große Schritt der Neuaufstellung.[1]
Was trägt Continental durch das zweite Quartal?
Reifenmarge macht den Unterschied. Im zweiten Quartal 2026 kletterte das bereinigte EBIT um 35,1 Prozent auf 570 Millionen Euro, die bereinigte Marge stieg von 9,6 auf 12,9 Prozent.[1] Getragen hat den Sprung die Reifensparte mit einer Marge von 15,3 Prozent, angeschoben von Premiumreifen ab 18 Zoll und gesunkenen Rohstoffpreisen. Der Umsatz sank zwar um 9,1 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro, doch dieser Rückgang stammt aus der Entkonsolidierung, nicht aus schwachem Geschäft.
Buchhalterischer Effekt statt Krise: Der ausgewiesene Nettogewinn fiel auf 274 Millionen Euro, weil das Vorjahresquartal die heute eigenständige Autosparte noch enthielt. Operativ zeigt der freie Mittelzufluss mit 216 Millionen Euro nach minus 46 Millionen im Vorjahr die Gegenrichtung.
Die Aufspaltung ist keine Notoperation, sondern eine Wette auf Klarheit. Ein fokussierter Reifenkonzern mit 15 Prozent Marge lässt sich leichter bewerten als ein Gemischtwarenladen mit drei Konjunkturen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet die Neuaufstellung für die Zulieferer?
Muster Fokussierung zieht sich durch die DAX-Riege. Siemens hat Energy und Healthineers verselbstständigt, Daimler sich in Truck und Mercedes-Benz geteilt, thyssenkrupp bringt seine Materialsparte als tk accelis an die Börse und Salzgitter trennt sich von Randgeschäften. Für Zulieferer verschiebt sich die Verhandlungsmacht, sobald ein Partner wie Continental nur noch ein Geschäft verteidigen muss. Aumovio kämpft als eigenständiger Autozulieferer schon mit Preisdruck und Sparprogrammen, während ZF nach hartem Sparkurs gerade erst in die Gewinnzone zurückkehrt. Im Einkauf und in der Lieferkette lohnt sich jetzt der Blick in die Rahmenverträge, weil fokussierte Partner härter um jeden Cent ihres einzigen Geschäfts ringen.
Zielgerade heißt nicht Ziel. Bis der ContiTech-Verkauf vollzogen ist, bleibt Continental ein Konzern im Übergang. Als Messlatte taugt die eigene Prognose von 13,0 bis 14,5 Prozent Reifenmarge: Verfehlt Continental sie, war die teure Aufspaltung nur ein Bilanztrick. Zulieferer und Einkäufer sollten die neue Machtbalance in ihre Rahmenverträge einpreisen, bevor der nächste Konjunkturzyklus sie überrascht.
FAQ: Continental vollendet die Neuaufstellung
Was macht Continental nach der Neuaufstellung noch?
Nach der Neuaufstellung ist Continental ein reiner Reifenhersteller. Das Automobilgeschäft wurde 2025 als Aumovio abgespalten und die Industriesparte ContiTech für 4,0 Milliarden Euro an Lone Star Funds verkauft. Übrig bleibt allein das margenstarke Reifengeschäft mit Pkw-, Lkw- und Spezialreifen.
Warum ist der Nettogewinn von Continental gesunken?
Der ausgewiesene Nettogewinn fiel im zweiten Quartal 2026 auf 274 Millionen Euro, weil das Vorjahresquartal die inzwischen abgespaltene Autosparte noch enthielt. Operativ stieg das bereinigte EBIT dagegen um 35,1 Prozent auf 570 Millionen Euro, der Rückgang ist also ein buchhalterischer Effekt der Aufspaltung.
Wie profitabel ist das Reifengeschäft von Continental?
Die Reifensparte erreichte im zweiten Quartal 2026 eine bereinigte EBIT-Marge von 15,3 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 peilt Continental eine Reifenmarge zwischen 13,0 und 14,5 Prozent an, getragen von Premiumreifen ab 18 Zoll und gesunkenen Rohstoffpreisen.
Wann ist die Aufspaltung von Continental abgeschlossen?
Der Verkauf von ContiTech an Lone Star Funds wurde Anfang Juli 2026 unterzeichnet. Mit dem Vollzug der Transaktion schließt Continental die Neuaufstellung ab und ist erstmals in seiner Geschichte ein reiner Reifenhersteller.
Quelle
[1] Continental AG: „Continental startet mit gutem zweiten Quartal in die finale Phase der Neuaufstellung“
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