Aumovio hat den teuersten Streit seiner jungen Börsengeschichte beigelegt. Für 350 Millionen Euro einigt sich der Autozulieferer mit der BMW Group über ein integriertes Bremssystem, das nach Angaben des Handelsblatts 2024 einen Rückruf von rund 1,5 Millionen Fahrzeugen auslöste. Statt weiter vor Gericht zu streiten, kauft sich das Unternehmen zurück in die Rolle des bevorzugten Lieferanten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Aumovio zahlt der BMW Group eine einmalige Vergleichssumme von 350 Millionen Euro und beendet alle laufenden Verfahren um ein Bremssystem.
- Zugleich vereinbaren beide einen Liefer- und Entwicklungsvertrag über mehr als eine Milliarde Euro. Die Serienfertigung des Bremssystems MK C2 läuft bis Mitte der 2030er Jahre.
- Der Continental-Ableger steht erst seit September 2025 an der Börse. Der Vergleich belastet das Ergebnis 2026 als Sondereffekt.
- Die Aumovio-Aktie legte am 30. Juli 2026 rund 11 Prozent zu.
Warum zahlt Aumovio 350 Millionen an einen Kunden?

Ein Rückruf, zwei Schuldige. Auslöser war ein integriertes Bremssystem, das BMW in großer Stückzahl verbaut hatte und 2024 zurückrufen musste. Hersteller und Zulieferer schoben sich die Verantwortung gegenseitig zu und zogen im Sommer 2025 wechselseitig vor Gericht. Weil ein Bremssystem sicherheitskritisch ist, konnte keine Seite den Lieferanten einfach austauschen: BMW braucht die Serienteile weiter, Aumovio braucht das Volumen.
Für den frisch abgespaltenen Zulieferer wiegt der Rechtsstreit doppelt. Die 350 Millionen Euro treffen ein Unternehmen, das ohnehin unter Kostendruck steht und zuletzt sogar die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ins Spiel brachte. Ein offener Prozess mit ungewissem Ausgang hätte die junge Aktie zusätzlich belastet.
Was bekommt Aumovio für den teuren Frieden?
Einen Milliardenauftrag. Im Gegenzug für den Vergleich verlängert BMW die Zusammenarbeit deutlich. Aumovio liefert das integrierte Bremssystem MK C2, Bremssättel und elektronische Steuerungslösungen für künftige Fahrzeugplattformen, die Serienfertigung des MK C2 reicht bis in die Mitte der 2030er Jahre. Das Volumen der neuen Liefer- und Entwicklungsvereinbarung beziffert das Unternehmen auf mehr als eine Milliarde Euro.
„Die Vereinbarung mit der BMW Group ist für uns ein wichtiger Schritt zur Stärkung unserer Geschäftsbeziehungen“, sagt Aumovio-Chef Philipp von Hirschheydt.[1] Der teure Vergleich und der neue Großauftrag gehören für ihn zusammen: Erst der bezahlte Frieden macht den Weg für das nächste Jahrzehnt frei.
Was der Bremsen-Vergleich vom 30. Juli 2026 kostet und einbringt
Ein Bremssystem lässt sich nicht über Nacht ersetzen. Genau das verwandelt einen Produktfehler in einen Verhandlungshebel für beide Seiten.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Fall über die deutsche Zulieferindustrie verrät
Der Preis der Abspaltung. Aumovio ist der ausgegliederte Automotive-Teil von Continental und steht wie die gesamte Branche unter Druck. Kostet ein einzelner Rückruf einen dreistelligen Millionenbetrag, entscheidet die Haftungsfrage zwischen Hersteller und Zulieferer über ganze Jahresergebnisse. Forvia Hella, Schaeffler und ZF melden im selben Sommer sinkende Margen und Stellenabbau.
Für Zulieferer im Mittelstand liegt die Lehre in den Verträgen. Wer sicherheitskritische Komponenten liefert, regelt die Verteilung von Rückruf- und Gewährleistungskosten besser vorab, statt sie im Streitfall vor Gericht zu klären. Aumovio hat die Rechnung für eine unklare Zuordnung gerade bezahlt. Ob sich der Frieden auszahlt, hängt an der Auslastung: Der Milliardenauftrag trägt nur, wenn die neuen Plattformen von BMW in Serie gehen.
FAQ: Aumovio zahlt BMW 350 Millionen Euro
Was ist Aumovio?
Aumovio ist der Anfang 2025 von Continental abgespaltene Automobilzulieferer für Bremssysteme, Fahrzeugelektronik und Assistenzsysteme. Das Unternehmen ist seit September 2025 eigenständig an der Börse notiert und gehört zum MDax. Größter Kunde ist unter anderem die BMW Group.
Wie hoch ist die Vergleichszahlung von Aumovio an BMW?
Aumovio zahlt der BMW Group eine einmalige Vergleichssumme von 350 Millionen Euro. Damit enden alle laufenden Verfahren um ein zuvor geliefertes integriertes Bremssystem. Die Summe belastet das Ergebnis 2026 als einmaliger Sondereffekt.
Warum stritten Aumovio und BMW vor Gericht?
Auslöser war ein integriertes Bremssystem, das BMW nach Angaben des Handelsblatts 2024 in rund 1,5 Millionen Fahrzeugen zurückrufen musste. BMW und der damalige Lieferant Continental schoben sich die Verantwortung gegenseitig zu und verklagten sich im Sommer 2025 wechselseitig.
Was ist das Bremssystem MK C2?
MK C2 ist Aumovios integriertes Bremssystem, das mehrere Bremsfunktionen in einer kompakten elektronischen Einheit zusammenfasst. Es ist Teil des neuen Liefervertrags mit BMW und läuft bis in die Mitte der 2030er Jahre in Serie.
Was bringt der neue Vertrag mit BMW?
Im Gegenzug für den Vergleich weiten Aumovio und BMW ihre Zusammenarbeit aus. Der neue Liefer- und Entwicklungsvertrag über Bremssystem, Bremssättel und Steuerungselektronik hat ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro und sichert künftige Umsätze.
Quelle
[1] AUMOVIO: „AUMOVIO und BMW Group weiten Partnerschaft bei Elektronik und Bremstechnologien aus“ (30. Juli 2026)
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