Im Lichtgeschäft von Forvia Hella blieben von 100 Euro Umsatz zuletzt nur 40 Cent als operativer Gewinn übrig. Der Scheinwerferbauer aus Lippstadt, über Jahrzehnte das Aushängeschild der deutschen Lichttechnik, verdiente im ersten Halbjahr 2026 fast nur noch mit Elektronik.

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Der Konzern hielt den Umsatz mit 3,97 Milliarden Euro nahezu stabil, das operative Ergebnis sank aber auf 214 Millionen Euro.[1] Hinter dieser Zahl steckt eine Verschiebung, die den ganzen Zulieferer neu ordnet: Das Licht bringt kaum noch Marge, die Elektronik wächst dagegen profitabel.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Umsatz lag bei 3,97 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 1,6 Prozent auf 4,04 Milliarden Euro.
  • Das operative Ergebnis sank auf 214 Millionen Euro, die Marge fiel von 6,0 auf 5,4 Prozent.
  • Die Lichtsparte kam nur noch auf 0,4 Prozent operative Marge, die Elektronik auf 8,0 Prozent und das Ersatzteilgeschäft auf 12,4 Prozent.
  • Die Jahresprognose bleibt bestätigt: 7,4 bis 7,9 Milliarden Euro Umsatz und 5,4 bis 6,0 Prozent operative Marge.

Warum verdient Forvia Hella mit Scheinwerfern kaum noch Geld?

Autoscheinwerfer auf Sockel mit Anhängeschild „0,4 % Marge“ vor weißem Hintergrund
Lichtsparte mit Umsatzrückgang: 1,77 Milliarden Euro im ersten Halbjahr, 5,3 Prozent weniger als Vorjahr. Nur 7 Millionen Euro operativer Gewinn durch hohe Fertigungskosten und Preisdruck

Licht ist zur Massenware geworden. Die Lichtsparte setzte im ersten Halbjahr 1,77 Milliarden Euro um, 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr, und erwirtschaftete daraus nur 7 Millionen Euro operativen Gewinn. Scheinwerfer und Rückleuchten sind teuer in der Fertigung, unterliegen dem harten Preisdruck der Autohersteller und lassen sich technisch kaum noch von der Konkurrenz abheben.

Die Elektronik lief in die andere Richtung. Mit 1,80 Milliarden Euro Umsatz überholte die Sparte das Licht erstmals bei der Größe und erreichte 8,0 Prozent Marge, das Ersatzteilgeschäft Lifecycle Solutions sogar 12,4 Prozent. Damit stammte der Gewinn ausgerechnet aus Feldern, die viele bis heute nicht mit dem Namen Hella verbinden.

Der Name Hella steht für Scheinwerfer, doch das Geld verdient der Konzern inzwischen mit Elektronik und Ersatzteilen. Die Lichttransformation entscheidet darüber, ob der Traditionsname noch für ein profitables Geschäft steht oder nur noch für ein Logo auf der Rückleuchte.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was steckt hinter der beschleunigten Lichttransformation?

Vom Bauteil zum Digitalprodukt. Statt Licht als austauschbares Bauteil zu fertigen, verschiebt Forvia Hella die Wertschöpfung ins digitale, softwaredefinierte Licht. Wie das aussieht, zeigt der Scheinwerfer, den der Konzern für den Audi Q6 e-tron entwickelte: 14 einzeln geschaltete LEDs sorgen für blendfreies Fernlicht, eine digitale Tagfahrlicht-Matrix aus 61 Segmenten erlaubt bis zu acht wählbare Lichtsignaturen, die der Fahrer per App oder Bordmenü umstellt.

Genau diese hochwertigen Funktionen sollen die Marge zurückbringen. „Die Lichttransformation beschleunigen wir weiter und schärfen sie mit höherem Fokus auf die unmittelbare, nachhaltige Verbesserung der Profitabilität nach“, erklärte Peter Laier, seit Februar 2026 Vorstandsvorsitzender von Forvia Hella und zuvor im Vorstand von ZF. Erste Wirkung sieht der Konzern schon im Auftragseingang, spürbar werden soll sie in der zweiten Jahreshälfte.

Forvia Hella im ersten Halbjahr 2026

Wo der Zulieferer verdient und wo nicht

0,4 %Operative Marge LichtUmsatz 1,77 Mrd €, minus 5,3 %
8,0 %Operative Marge ElektronikUmsatz 1,80 Mrd €, plus 4,0 %
12,4 %Operative Marge ErsatzteileUmsatz 0,52 Mrd €, plus 4,0 %
3,97 Mrd €Konzernumsatz, währungsbereinigt plus 1,6 %
214 Mio €operatives Ergebnis (Vorjahr: 237 Mio €), Marge 5,4 %
7,4 bis 7,9 Mrd €bestätigte Umsatzprognose 2026

Was bedeutet der Umbau für die Zulieferindustrie?

Der Druck trifft die ganze Branche. Die deutschen Autozulieferer stecken in einer harten Umbauphase. Klassische Mechanik verliert an Wert, die Wertschöpfung wandert in Elektronik und Software, wie sich daran zeigt, dass Schaeffler künstliche Intelligenz direkt auf das Steuergerät bringt. Wie schwer das reine Lichtgeschäft geworden ist, zeigte zuletzt der Verkauf des Autolicht-Bereichs von Magna an den Sanierungsspezialisten Mutares.

Für Entscheider in der Zulieferbranche liegt die Lehre in der Reihenfolge des Umbaus. Ein Massengeschäft mit dünner Marge lässt sich nicht durch Sparen retten, sondern nur durch den Sprung in höherwertige, softwarebasierte Produkte. Forvia Hella wagt diesen Sprung gerade beim Licht, während die Elektronik den profitableren Weg schon eingeschlagen hat.

Quelle

[1] Forvia Hella: „Halbjahresergebnisse 2026: Geschäftsentwicklung im Rahmen der Erwartungen, Prognose bestätigt; Lichttransformation wird beschleunigt“ (EQS-News, 30. Juli 2026)

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