Der Elektrolichtbogenofen für die Duisburger Hüttenwerke Krupp-Mannesmann bringt es auf 285 Tonnen je Abstich und wird der größte in Deutschland. Salzgitter hat den Auftrag am 28. Juli 2026 an den Anlagenbauer Tenova vergeben und beginnt damit den Umbau der HKM, die der Konzern seit Kurzem vollständig kontrolliert. Der Schritt kostet dreistellige Millionen und zeigt, wovon klimaneutraler Stahl künftig wirklich abhängt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Tenova liefert den Ofen mit bis zu 2,5 Millionen Tonnen Jahreskapazität, die Inbetriebnahme ist für 2029 geplant.
  • Bund und Land Nordrhein-Westfalen fördern den Umbau mit 200 Millionen Euro.
  • Der Ofen schmilzt Schrott per Strom und macht den Hochofen samt Koks überflüssig.
  • Damit rückt der Strompreis an die Stelle, die früher der Kokspreis besetzte.

Warum ersetzt ein Ofen den Hochofen?

Metallelement mit grünem Blitz und Etikett „grüner Stahl 2029“ auf weißem Sockel
Salzgitter ersetzt Hochöfen durch Elektrolichtbogenöfen: Statt Koksverhüttung künftig Stahlschrott-Einschmelzung mit Strom und direkt reduziertem Eisen

Ein Hochofen verbrennt Koks, um Eisenerz zu reduzieren, und stößt dabei je Tonne Rohstahl rund zwei Tonnen Kohlendioxid aus. Der Elektrolichtbogenofen arbeitet umgekehrt und schmilzt Stahlschrott mit einem elektrischen Lichtbogen ein, später ergänzt um direkt reduziertes Eisen aus einer geplanten Anlage. Salzgitter fährt die Duisburger Hochöfen dafür schrittweise herunter, die Rohstahlmenge sinkt auf rund zwei Millionen Tonnen im Jahr.

Tenova setzt auf die Consteel-Technik, die den Schrott kontinuierlich zuführt und die Abwärme zurückgewinnt. Tenova-Projektleiter Markus Dorndorf nennt den Ofen den leistungsstärksten und energieeffizientesten in Deutschland.[1] Der Vorteil steht und fällt trotzdem mit einer einzigen Größe.

Was entscheidet über den grünen Stahl?

Strom ersetzt den Koks als Energiequelle, und damit wandert das Kostenrisiko vom Rohstoffmarkt an die Strombörse. Ein Lichtbogenofen dieser Größe zieht enorme Mengen Elektrizität, weshalb die Rechnung nur mit einem planbaren Strompreis aufgeht. Genau daran scheiterte 2025 ArcelorMittal, das seine deutschen Direktreduktions-Pläne wegen der Energiekosten stoppte.

Der Bund stützt die Branche mit einem Industriestrompreis von rund fünf Cent, allerdings befristet bis 2028. Die 200 Millionen Euro aus dem Programm „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“ decken die Anlage, nicht den laufenden Strom. Wie stark der Strompreis über die europäische Stahlbranche entscheidet, zeigt schon die Analyse zum Rohstoff Eisen.

Salzgitters Elektrolichtbogenofen in Zahlen
Der Umbau der HKM in Duisburg auf einen Blick
2,5 Mio. t
Jahreskapazität des größten Ofens in Deutschland
200 Mio. €
Förderung von Bund und Nordrhein-Westfalen
2029
geplante Inbetriebnahme in Duisburg
rund 2 t
CO2 je Tonne Hochofenstahl, die der Umbau einspart

Der Lichtbogenofen macht Duisburg nicht automatisch grün, er macht den Standort abhängig vom Strompreis. Läuft die Fünf-Cent-Grenze 2028 aus, steht die ganze Rechnung neu zur Debatte.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der Umbau für die Industrie?

Salzgitter geht den Weg nicht allein. Am Stammsitz entsteht die eigene SALCOS-Anlage, während thyssenkrupp Steel eine Restrukturierung mit 11.000 gestrichenen Stellen sortiert und seine HKM-Beteiligung abgegeben hat. Der Umbau der Schwerindustrie läuft überall nach demselben Muster.

Für industrielle Abnehmer verschieben sich zwei Rechengrößen. Der CO2-Grenzausgleich CBAM verteuert ab 2026 importierten Stahl und macht heimischen Grünstahl konkurrenzfähiger. Zugleich sollte jeder langfristige Stahlvertrag die Strompreis-Klausel über das Jahr 2028 hinausdenken, weil die staatliche Fünf-Cent-Stütze dann ausläuft. Die HKM-Belegschaft schrumpft bis Ende 2028 von rund 3.000 auf etwa 1.000 Stellen, ein sozialer Preis, den die Region mitträgt.

Bis der Ofen 2029 anläuft, bleibt der Umbau ein Wettlauf gegen die Energiekosten. Entscheider in der Metallverarbeitung prüfen jetzt, welcher Anteil ihres Einkaufs künftig aus strombasierter Produktion kommt und wie stabil dessen Preisbasis ausfällt.

Was ist ein Elektrolichtbogenofen?

Ein Elektrolichtbogenofen schmilzt Stahlschrott und Eisen mit einem elektrischen Lichtbogen ein, statt Eisenerz mit Koks im Hochofen zu reduzieren. Weil Strom die Kohle ersetzt, fällt der Kohlendioxid-Ausstoß deutlich, sofern der Strom aus emissionsarmen Quellen stammt.

Warum baut Salzgitter die HKM in Duisburg um?

Salzgitter kontrolliert die Hüttenwerke Krupp-Mannesmann seit Kurzem vollständig und ersetzt die alten Hochöfen schrittweise durch einen Elektrolichtbogenofen. Der Umbau ist Teil des Dekarbonisierungsprogramms SALCOS und senkt die Emissionen der Stahlerzeugung.

Wann geht der neue Ofen in Betrieb?

Der Anlagenbauer Tenova hat den Auftrag am 28. Juli 2026 erhalten. Die Umsetzung startet im August 2026, die Inbetriebnahme in Duisburg ist für 2029 geplant. Der Ofen erreicht bis zu 2,5 Millionen Tonnen Jahreskapazität.

Warum entscheidet der Strompreis über den grünen Stahl?

Der Lichtbogenofen bezieht seine Energie aus Strom statt aus Koks, deshalb hängt die Wirtschaftlichkeit am Strompreis. Der Bund stützt energieintensive Betriebe mit rund fünf Cent je Kilowattstunde, allerdings nur befristet bis 2028.

Quelle

[1] Salzgitter AG: „Salzgitter AG startet Transformation der HKM mit Deutschlands größtem Elektrolichtbogenofen“

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