Ein Bremspedal ohne feste Verbindung zur Hydraulik und zwei Aktuatoren, die dauerhaft gemeinsam bremsen: Aumovio hat sein Distributed Brake System vorgestellt und den ersten Serienauftrag dafür erhalten. Der Kunde ist ein großer chinesischer Autobauer, die Produktion startet Ende 2027. Für die junge Continental-Abspaltung belegt der Auftrag, dass sich die Wette auf softwaredefinierte Fahrwerke auszahlt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAumovio ersetzt beim Bremsen die feste mechanische Verbindung durch Elektronik. Das Distributed Brake System arbeitet vom Pedal bis zur Rückfallebene rein elektronisch und meldet zum Marktstart bereits einen Serienkunden, einen großen Autobauer in China.
Das Wichtigste in Kürze
- Aumovio hat das Distributed Brake System vorgestellt, eine vollständig elektronische Bremse nach dem Brake-by-Wire-Prinzip.
- Zwei Bremsaktuatoren arbeiten dauerhaft parallel; nach einem Fehler bremst das System weiter auf allen vier Rädern.
- Erster Serienkunde ist ein großer chinesischer Autobauer, der Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant.
- Ausgelegt ist die Bremse für hochautomatisiertes Fahren bis zur höchsten Stufe SAE-Level 5.
Was steckt im Distributed Brake System?

Aumovio hat das neue Bremssystem am 10. September 2026 vorgestellt und zugleich den ersten Serienauftrag gemeldet.[1] Anders als ein klassisches One-Box-System koppelt das Distributed Brake System das Pedal elektronisch an die Radbremsen, ohne durchgehenden mechanisch-hydraulischen Strang. Gebaut wird die Bremse zuerst für einen großen chinesischen Autobauer, die Produktion beginnt Ende 2027.
Als Grund nennt der Zulieferer die passende Architektur. „Das Distributed Brake System erweitert unsere Palette an Lösungen“, sagt Boris Mergell, Leiter des Geschäftsbereichs Safety and Motion. Die Bremse fügt sich in moderne E/E-Architekturen mit mehreren Stromnetzen und redundanten Versorgungspunkten ein.
Warum zwei Aktuatoren dauerhaft mitbremsen
Den eigentlichen Unterschied macht die Rückfallebene. Ein herkömmliches One-Box-System hält nach einem Defekt nur noch zwei oder drei Räder, weil ein zweiter Aktuator erst einspringt. Beim Distributed Brake System bremsen zwei Aktuatoren dauerhaft gemeinsam. Jeder arbeitet im Notfall autark weiter, auf allen vier Rädern.
Diese Auslegung zielt auf das automatisierte Fahren. Sobald der Mensch nicht mehr die letzte Sicherung ist, muss die Bremse nach einem einzelnen Fehler nicht bloß sicher stehen, sondern weiter funktionieren. Genau dafür ist das System bis zur Stufe SAE-Level 5 ausgelegt. Im Elektroauto blendet die elektronische Ansteuerung zudem die Rekuperation sauberer mit der Reibbremse zusammen.
Eine Bremse, die nach dem ersten Fehler einfach weiterbremst, ist die eigentliche Eintrittskarte fürs autonome Fahren. Dass Aumovio diese Karte zuerst nach China verkauft, sagt mehr über den deutschen Absatzmarkt als über die Technik.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was der Auftrag für die deutsche Zulieferindustrie bedeutet
Aumovio steht in einem Wettlauf um die elektronische Bremse. ZF treibt eine trockene Variante ohne Bremsflüssigkeit voran, bei der Elektromotoren direkt am Rad die Kraft aufbauen, auch Bosch arbeitet an solchen Systemen. Das Distributed Brake System geht den elektrohydraulischen Weg und bleibt damit näher an heutiger Fertigung.
Der Zulieferer ist ein junger Konzern. Continental hat die Automotive-Sparte 2025 abgespalten, seit dem 18. September 2025 notiert Aumovio eigenständig in Frankfurt.[2] Das Unternehmen hat das Bremsenwerk im belgischen Mechelen abgegeben und setzt auf Software, wie schon der Verkauf des Standorts und die Serienhardware für den Robo-Truck von Aurora zeigen. Dass der erste Bremsauftrag nach China geht, passt zum Muster: Softwaredefinierte Fahrzeuge gehen dort schneller in Serie, ähnlich wie beim offenen Fahrzeug-Betriebssystem, das Traton mit Red Hat öffnet.
Für deutsche Entscheider zählt die Lehre hinter dem Auftrag. Der Wert wandert vom mechanischen Bauteil zur fehlertoleranten Elektronik und zur Software darüber. Ein Zulieferer, der die Plattform-Aufträge für softwaredefinierte Fahrwerke verliert, verliert auch die Marge von morgen. Zulieferer prüfen deshalb besser früh, welche ihrer Baugruppen sich rein elektronisch und redundant auslegen lassen.
Quellen
[1] Aumovio: „Kleinere Bremse, mehr Leistung: AUMOVIO stellt sein neues Bremssystem vor und erhält ersten Serienauftrag“
[2] Continental: „Group Sector Automotive introduces itself as AUMOVIO with Technologies for Future Mobility“
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