RoboSense baut die Lidar-Sensoren für Chinas Humanoide, gibt den Bau der Roboter selbst aber wieder ab. Für 7,7 Millionen Euro wandert die Roboter-Sparte an eine Firma des eigenen Konzernchefs. RoboSense wird künftig ihr Zulieferer und zeigt damit, wo im Roboter-Boom das eigentliche Geschäft steckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRoboSense zählt zu den größten Lidar-Herstellern für Roboter und Autos. Ausgerechnet der eigene Roboterbau muss jetzt weichen. Am 10. September meldete das in Hongkong notierte Unternehmen den Verkauf seiner Sparte für komplette Roboter. Der Käufer gehört dem Firmenchef selbst.
Das Wichtigste in Kürze
- Verkauf: RoboSense trennt sich für 59,88 Millionen Yuan (rund 7,7 Millionen Euro) vom Bau kompletter Roboter und behält das Komponentengeschäft.
- Naher Käufer: Die Sparte geht an Shenzhen Xiyuan Robot, die Konzernchef Qiu Chunxin zu 35 Prozent kontrolliert. Die Börse Hongkong wertet den Deal als Geschäft mit nahestehenden Personen.
- Zulieferer statt Hersteller: RoboSense liefert dem Käufer weiter Lidar und Kernbauteile und bleibt so im Boom, ohne die teure Endmontage.
- Muster: Nach NIO und im Kontrast zu XPeng ordnet der dritte China-Konzern binnen einer Woche seine Roboter-Ambitionen neu.
Was gibt RoboSense ab?

Roboter-Sparte verkauft. RoboSense überträgt das Geschäft mit kompletten Robotern samt zugehöriger Vermögenswerte für 59,88 Millionen Yuan, rund 7,7 Millionen Euro zum Kurs vom 12. September 2026.[1] Nach Abzug der Kosten erwartet der Konzern einen Nettoerlös von etwa 4,9 Millionen Euro. Das Kerngeschäft, die Lidar-Sensorik und weitere Bauteile, bleibt vollständig im Haus.
Käufer im Haus. Die Sparte geht an Shenzhen Xiyuan Robot, ein Unternehmen, das Firmenchef und Chefwissenschaftler Qiu Chunxin zu 35 Prozent hält. Damit fällt der Verkauf unter die Regeln der Börse Hongkong für Geschäfte mit nahestehenden Personen, die eine gesonderte Offenlegung verlangen. RoboSense wird zugleich einer der Zulieferer des Käufers und versorgt die abgestoßenen Roboter weiter mit Sensorik.
Warum trennt sich der Sensor-Riese vom Roboterbau?
Schaufeln statt Gold. Der Bau kompletter Roboter bindet Kapital, drückt die Marge und zwingt zum Wettbewerb mit den eigenen Kunden. Das Bauteilgeschäft dagegen wächst rasant: Allein im ersten Quartal 2026 legten die Roboter-Lidar-Verkäufe um fast 1.500 Prozent auf über 185.000 Einheiten zu.[2] RoboSense lenkt sein Kapital dorthin, wo der Ertrag sitzt. Die margenschwache Endmontage überlässt der Konzern einer separaten Firma.
Zwei Wetten, ein Boom. Die Muskeln der Roboter, also Aktoren und greiffähige Hände, will RoboSense ab dem vierten Quartal 2026 in Serie liefern. Ein Lieferant von Sensoren und Aktoren verdient an jedem Robotermodell mit, statt auf einen einzelnen Verkaufsschlager zu setzen.
Im Humanoiden-Boom verkauft RoboSense lieber die Spitzhacken, statt selbst nach Gold zu graben. Die Rolle als Zulieferer ist die stabilere Wette.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Europas Zulieferer?
Kette sortiert sich. Binnen einer Woche haben drei chinesische Konzerne ihre Roboter-Pläne neu geordnet. NIO strich die humanoiden Roboter im September ganz, während XPeng die Fertigung eigener Maschinen hochzog. RoboSense entscheidet sich für den dritten Weg und liefert nur noch die Teile.
Deutsche Parallele. Genau diese Zulieferer-Wette kennen deutsche Konzerne bereits. Schaeffler formt Wellgetriebe und Aktoren für Humanoide, Bosch und Schunk bauen die Roboterhand. Für Entscheider im Maschinenbau zählt daraus eine klare Lehre: Das Geld der Roboter-Welle liegt womöglich bei den Sensoren, Aktoren und Getrieben, nicht bei den vorgeführten Maschinen.
Der Lidar-Hersteller verkauft die Endmontage und setzt ganz auf Bauteile.
Blick auf die Teile. RoboSense zeigt, dass im Roboter-Boom die Zulieferer die ruhigere Position halten. Für die eigene Robotik-Strategie lohnt der Blick auf die Lieferkette der Komponenten mehr als die Zahl der vorgeführten Prototypen.
Quellen
[1] National Business Daily (每日经济新闻): „RoboSense: geplanter Verkauf des Geschäfts mit kompletten Robotern für 59,878 Millionen Yuan, Fokus auf Kernkomponenten“
[2] RoboSense: „RoboSense Announced Q1 2026 LiDAR Sales, Robotics Segment Grows 1,458.8% YoY to Over 185,500 Units“
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