Der Lidar-Hersteller RoboSense hat sein Robotik-Geschäft im ersten Halbjahr 2026 um 510 Prozent gesteigert und verkauft dort inzwischen mehr Sensoren als an die Autoindustrie. Mit dem selbst entwickelten Peacock-Chip geht dieses Roboter-Lidar jetzt in Serie, zuerst im Mähroboter Navimow von Segway. Für Europas Robotik verschiebt sich damit eine Abhängigkeit, die bisher kaum jemand auf dem Schirm hatte.

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Roboter-Lidar galt lange als teures Extra für Oberklasse-Autos. Der chinesische Hersteller RoboSense verkauft davon inzwischen mehr an Roboterbauer als an die Autoindustrie und schickt mit dem Peacock-Chip die nächste Generation in die Serienfertigung. Die eigentliche Nachricht steckt nicht im Chip, sondern in der Verschiebung dahinter.

Das Wichtigste in Kürze

  • RoboSense lieferte im ersten Halbjahr 2026 rund 719.000 Lidar-Sensoren aus, das Robotik-Segment wuchs um 510,4 Prozent auf 282.600 Stück.
  • Erstmals übertraf das Roboter-Geschäft im ersten Quartal das Autogeschäft, die Stückzahlen dort stiegen um 1.458,8 Prozent.
  • Der selbst entwickelte SPAD-SoC-Chip Peacock kommt zuerst im Festkörper-Lidar E2 zum Einsatz, das im Mähroboter Navimow H5 Pro auf der IFA 2026 debütierte.
  • Europas Roboterbauer geraten in dieselbe Sensor-Abhängigkeit von China, die Elektroautos bei den Batterien längst kennen.

Was macht den Peacock-Chip besonders?

Pfauenfeder mit Kameraauge und Etikett „Roboterauge“
RoboSense integriert Lidar-Technik auf einem SPAD-Chip mit 640 × 480 Bildpunkten, 180 × 135 Grad Sichtfeld und 10 bis 30 Bildern pro Sekunde. Debüt im Mähroboter Navimow H5 Pro auf der IFA 2026

RoboSense presst die Lidar-Technik auf einen einzigen Chip. SPAD-SoC statt Bauteilgrab heißt: Der Peacock verbindet Fotodetektor und Rechenlogik und arbeitet mit 640 × 480 Bildpunkten, 180 × 135 Grad Sichtfeld und kameragleichen 10 bis 30 Bildern je Sekunde.[2] Zuerst steckt er im Festkörper-Lidar E2, das auf der IFA 2026 im Mähroboter Navimow H5 Pro debütierte.[1]

Damit schrumpft der Sensor vom Modulblock zum kompakten Roboterauge. Standardmodul statt Sonderausstattung: Ein günstiges, serienreifes Auge wird zur Grundausstattung für verkörperte Intelligenz, wie sie chinesische Zulieferer auf ihren Roboterplattformen vorantreiben. RoboSense nennt es den Dateneingang der physischen KI.

Warum wandert das Lidar vom Auto zum Roboter?

Die Zahlen zeigen einen Kipppunkt. Robotik überholt Auto: Im ersten Halbjahr 2026 lieferte RoboSense rund 719.000 Sensoren aus, das Robotik-Segment wuchs um 510,4 Prozent auf 282.600 Stück.[3] Schon im ersten Quartal übertrafen die Roboter-Stückzahlen mit einem Plus von 1.458,8 Prozent erstmals das Autogeschäft. Selbst die Bruttomarge der Auto-Sparte drehte im Halbjahr ins Plus.

Dahinter steht ein nüchternes Kalkül. Preiskrieg im Auto drückt die Margen der Fahrassistenz, während Mähroboter, Lieferwagen und Humanoide billige 3D-Wahrnehmung in Masse brauchen. Chinas Sensorbranche dreht deshalb geschlossen Richtung Roboter, von RoboSense bis zu den frisch notierten Roboteraugen von Mech-Mind.

Der Peacock-Chip ist keine Auto-Geschichte mehr. RoboSense verkauft das Auge, das Chinas Roboter sehen lässt, und Europa baut seine Maschinen zunehmend darum herum.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was bedeutet das für Europas Robotik?

In Europa sitzt die Technik längst im Garten. Lidar im Vorgarten: Der Mähroboter Navimow von Segway fährt mit RoboSense-Sensorik durch deutsche Vorgärten. Viele Service-Roboter des Kontinents sehen ohnehin mit chinesischen Bauteilen. So entsteht dieselbe Abhängigkeit, die Elektroautos bei den Batterien längst kennen.

Offen bleibt die Datenfrage. Kamerascharfe Vermessung: Ein Sensor in dieser Auflösung erfasst Gärten und Gehwege dreidimensional, und solche Aufnahmen fallen in Europa unter die DSGVO. Wie heikel die Sensorqualität wird, zeigte zuletzt ein Rückruf von 93.000 Geely-Autos wegen eines RoboSense-Lidars.

RoboSense: das Roboter-Lidar in Zahlen
Kennzahlen zu RoboSense im ersten Halbjahr 2026. Stückzahlen und Chip-Daten sind Angaben des Unternehmens.
719.200
ausgelieferte Lidar-Sensoren im ersten Halbjahr 2026 (plus 169,6 Prozent zum Vorjahr)
plus 510,4 %
Wachstum des Robotik-Segments, 282.600 Sensoren im ersten Halbjahr 2026
plus 1.458,8 %
Robotik-Stückzahlen im ersten Quartal 2026, erstmals über dem Autogeschäft
640 × 480
Auflösung des Peacock-SPAD-SoC-Chips, Sichtfeld 180 × 135 Grad
Q3 2026
Start der Großserien-Auslieferung des Peacock-Chips

Noch dominiert RoboSense vor allem den Heimatmarkt. Der Vorsprung liegt aber im Chip und in den Stückzahlen, und beide wachsen. Europas Roboterbauer entscheiden jetzt, ob sie eigene Sensorkompetenz aufbauen oder das Auge später einkaufen.

Quellen

[1] 界面新闻 (Jiemian): „速腾聚创『孔雀』芯片实现量产落地“

[2] RoboSense (PR Newswire): „RoboSense Unveiled EOCENE SPAD-SoC Architecture and Chipsets Phoenix and Peacock“

[3] 新浪科技 (Sina Tech): „速腾聚创 2026 上半年激光雷达销量 71.92 万台,机器人业务同比大增 510%“

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