Ein defekter Leistungschip im Lidar kann dazu führen, dass ein Assistenzsystem Hindernisse nicht sicher erkennt. Genau deshalb ruft Geely knapp 93.000 Autos von Lynk & Co und der Marke Galaxy zurück und tauscht die Sensoren des Marktführers RoboSense kostenlos. Der Fall zeigt, wie stark moderne Fahrassistenz von einem einzelnen Bauteil abhängt.

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Seit Juni häuften sich in Foren die immer gleichen Meldungen: „Lidar-Funktion vorne gestört“, danach schaltete sich die Fahrassistenz ab. Am 21. August zog Geely die Konsequenz und meldete der chinesischen Marktaufsicht SAMR einen Rückruf von 74.037 Modellen von Lynk & Co sowie 18.878 Fahrzeugen der Marke Galaxy. Auslöser ist ein Fehler im Lidar des Zulieferers RoboSense, dem weltgrößten Anbieter dieser Sensoren.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geely ruft knapp 93.000 Autos zurück: 74.037 von Lynk & Co und 18.878 der Marke Galaxy, der Tausch läuft ab dem 24. August 2026.
  • Ursache ist ein im Fertigungsprozess beschädigter Leistungschip (Power-IC) im Lidar von RoboSense, der die kombinierte Fahrassistenz stören kann.
  • RoboSense beliefert Zeekr, Lynk & Co und Galaxy, alle drei gehören zu Geely, und führt den Weltmarkt für Fahrzeug-Lidar an.
  • Der Tausch ist für Halter kostenlos, betroffene Wagen werden über eine Cloud-Frühdiagnose und die Service-Hotline aktiv kontaktiert.

Was macht den Lidar-Defekt so gefährlich?

Schwarzes Kugelgerät mit orangefarbener Linse, Rückrufzettel, unbekannter Garantie und Chip
Lidar-Sensor mit fehlerhaftem Leistungschip kann Objekte nicht zuverlässig erkennen und gefährdet die Fahrassistenz

Blinder Fleck. Ein Lidar tastet die Umgebung mit Laserpulsen ab und liefert der Fahrassistenz ein dreidimensionales Abbild, unabhängig von Kamera und Radar. Bei den betroffenen Sensoren nahm der Leistungschip, der die Laserdioden ansteuert, während der Fertigung Schaden. Fällt dieser Baustein aus, erkennt, warnt oder reagiert das System bei bestimmten Objekten nicht mehr zuverlässig, so die Rückrufbegründung der Marktaufsicht.[1]

Fail-safe statt Crash. Statt im Zweifel weiterzufahren, sperrt die Software die höherwertige Assistenz und zeigt die Warnung „Lidar-Funktion gestört“. Die Sperre ist die sichere Wahl, kostet aber genau die Funktion, für die Kunden zahlen. So wird ein Produktionsfehler an einem winzigen Halbleiter zum Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr, lange bevor ein Fahrer den Ausfall bemerkt.

Wie riskant ist Chinas Lidar-Wettlauf?

Sensor als Verkaufsargument. In China gehört der Lidar auf dem Dach längst zur Ausstattungsliste, mit der Marken ihre Assistenzsysteme bewerben. RoboSense und der Rivale Hesai liefern sich einen Mengenwettlauf, RoboSense allein vervielfachte zuletzt seine Stückzahlen im Robotik-Segment. Rasant hochgefahrene Fertigung und harter Preisdruck erhöhen aber das Risiko, dass Serienfehler erst beim Kunden auffallen.

Vertrauen als Kapital. Der Rückruf reiht sich in eine Serie chinesischer Aktionen ein, von Teslas Notentriegelung bis zu wiederholten Software-Nachbesserungen. Für den Marktführer RoboSense steht mehr auf dem Spiel als die Tauschkosten, denn ein Sicherheitszulieferer lebt von der Zuverlässigkeit seiner Bauteile.

Ein Lidar auf dem Dach verkauft sich als Sicherheitsversprechen. Genau deshalb wiegt ein Produktionsfehler an diesem Sensor schwerer als jede geschönte Reichweitenangabe.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Der RoboSense-Rückruf in Zahlen
Ein defekter Leistungschip im Lidar, knapp 93.000 betroffene Autos
92.915
zurückgerufene Fahrzeuge insgesamt
74.037
Modelle von Lynk & Co (900, 10 EM-P, 07, 08)
18.878
Fahrzeuge der Marke Galaxy (M9)

Vom Bauteil zum Sicherheitsrisiko

Schritt 1
Der Leistungschip (Power-IC) im Lidar nimmt während der Fertigung Schaden.
Schritt 2
Der Sensor erkennt, warnt oder reagiert bei bestimmten Objekten nicht mehr zuverlässig.
Schritt 3
Die Software sperrt die höherwertige Fahrassistenz und meldet eine Störung.

Was Halter wissen müssen

  • Kostenloser Tausch des Lidars ab dem 24. August 2026, betroffene Wagen werden aktiv kontaktiert.
  • Produktionszeiträume: Lynk & Co von Januar bis Dezember 2025, Galaxy M9 von Juli bis Oktober 2025.
  • RoboSense führt den Weltmarkt für Fahrzeug-Lidar an und beliefert auch Zeekr.

Was bedeutet der Rückruf für Europas Autobauer?

Chinesischer Lidar im Westen. RoboSense und Hesai drängen auf den Weltmarkt und beliefern zunehmend europäische Programme, was auch bei der Fahrassistenz in Europa spürbar wird. Ein sicherheitskritisches Bauteil aus China wirft damit Haftungsfragen auf, die bis nach Brüssel reichen: Die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie 2024/2853 und die Typgenehmigung nach UN-Regelung R157 verlangen belastbare Nachweise über die gesamte Lieferkette.

Prüfpflicht beim Einkauf. Für deutsche Hersteller und Flottenbetreiber heißt das: Zulieferer nach ISO 26262 qualifizieren, Redundanz zwischen Kamera, Radar und Lidar einplanen und die Frühdiagnose vertraglich festschreiben. Beim Verbau chinesischer Sensoren gehört die Rückrufklausel geklärt, bevor der erste Power-IC im Feld ausfällt. Der Vorfall bei Geely ist die günstige Gelegenheit, diese Fragen jetzt zu stellen statt nach dem eigenen Rückruf.

FAQ: Geely ruft 93.000 Autos wegen RoboSense-Lidar zurück

Welche Modelle sind vom Geely-Rückruf betroffen?

Betroffen sind 74.037 Modelle von Lynk & Co (900, 10 EM-P, 07 und 08) sowie 18.878 Fahrzeuge der Marke Galaxy M9, zusammen knapp 93.000 Autos. Der Tausch der Sensoren läuft ab dem 24. August 2026.

Was ist am RoboSense-Lidar kaputt?

Ein Leistungschip (Power-IC) im Lidar wurde während der Fertigung beschädigt. Dadurch kann der Sensor bestimmte Objekte nicht mehr sicher erkennen, warnen oder darauf reagieren, was die kombinierte Fahrassistenz stört oder blockiert.

Was kostet der Lidar-Tausch für Halter?

Der Tausch ist für alle betroffenen Halter kostenlos. Geely identifiziert gefährdete Fahrzeuge über eine Cloud-Frühdiagnose und kontaktiert die Kunden aktiv über die Service-Hotline, um Termine in den Werkstätten zu vereinbaren.

Wozu dient ein Lidar im Auto?

Ein Lidar tastet die Umgebung mit Laserpulsen ab und erstellt ein dreidimensionales Abbild, unabhängig von Kamera und Radar. Fahrassistenzsysteme nutzen diese Daten, um Hindernisse zu erkennen und Abstände zu messen. Fällt der Sensor aus, sinkt die Verlässlichkeit der Assistenz.

Betrifft der Rückruf auch Autos in Europa?

Der aktuelle Rückruf gilt Fahrzeugen in China. RoboSense beliefert allerdings zunehmend internationale Programme, weshalb die Qualität chinesischer Lidar-Sensoren auch für europäische Hersteller und Flottenbetreiber relevant wird, samt Haftungs- und Typgenehmigungsfragen.

Quelle

[1] Nationale Marktaufsicht der Volksrepublik China (SAMR): Datenbank für Fahrzeugrückrufe (Rückrufbekanntmachung Geely, August 2026)

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