Der Autokonzern GAC schrieb im ersten Halbjahr 2026 über eine halbe Milliarde Euro Verlust und holt sich das smarte Auto jetzt bei Huawei. Die neue Marke Qijing zeigte auf der Chengdu Auto Show ihr zweites Modell, den SUV GX7 mit Huaweis Fahrassistenz und HarmonyOS-Cockpit. Dahinter steckt ein drittes Kooperationsmodell, das die Rollen zwischen Autobauer und Zulieferer neu ordnet.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHuawei baut selbst keine Autos, verkauft der Branche aber fast alles, was ein Auto klug macht. Am 24. August 2026 feierte auf der Chengdu Auto Show die Marke Qijing ihre Weltpremiere, ein gemeinsames Projekt des Staatskonzerns GAC und der Autosparte von Huawei. Der Vorgang zeigt, wie ein Zulieferer zur Machtzentrale der Industrie aufsteigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Huawei steuert mit der Qiankun-Fahrassistenz und dem HarmonyOS-Cockpit den kompletten digitalen Kern bei, GAC verantwortet Fahrzeug und Fertigung.
- Qijing läuft über ein neues Modell namens HI Plus: vom Autobauer geführt, von Huawei tief eingebunden, mit einem Team von über 800 Leuten.
- Erstes Serienauto ist der große SUV GX7 mit Reichweitenverlängerer, Marktstart September 2026, nach der Schräghecklimousine GT7.
- Für VW, BMW und Mercedes ist Huaweis Plattformmodell die eigentliche Kampfansage, nicht der einzelne Kampfpreis aus China.
Was liefert Huawei zum Auto?

Huawei liefert den kompletten digitalen Kern des Fahrzeugs: Fahrassistenz, Betriebssystem und Rechenplattform, nur eben keine Karosserie. Im GX7 arbeitet die fünfte Generation der Qiankun-Fahrassistenz, dazu vier Laser-Sensoren und das HarmonyOS-Cockpit in Version 6. Dasselbe Fahrassistenzsystem sitzt bereits in einem Dongfeng für rund 13.400 Euro.
Der große SUV fährt als Range Extender mit drei E-Motoren und rund 550 Kilowatt Systemleistung, die Gesamtreichweite gibt Qijing mit über 1.500 Kilometern an.[1] Preislich zielt die Marke auf 200.000 bis 350.000 Yuan, also rund 25.600 bis 44.800 Euro; im selben Feld drängt auch der neue BYD Da Han.
Warum ein drittes Kooperationsmodell?
Qijing folgt keinem der bekannten Huawei-Wege, sondern einem neuen Zwischenmodell namens HI Plus: GAC behält die Führung, Huawei rüstet den Wagen dafür bis in den Maschinenraum aus. Bisher standen zwei Wege offen, der reine Bauteilverkauf und die Smart-Selection-Allianz Hongmeng Zhixing mit fünf Marken von AITO bis Maextro.[2]
Für Qijing sitzt ein gemeinsames Team von über 800 Leuten zusammen, die Entscheidungen fallen paritätisch. GAC steckte dafür seit Anfang 2025 rund 190 Millionen Euro in das Projekt und stemmt sich zugleich gegen den alten Vorwurf, ein Hersteller verkaufe mit der Software seine Seele. Nötig ist der Kraftakt, weil der Konzern im ersten Halbjahr 2026 trotz Absatzplus rund 520 bis 585 Millionen Euro Verlust schrieb (Kurs 0,128, Stand 25. August 2026).[3]
Huawei verkauft den Autobauern nicht ein Steuergerät, sondern die Hoheit über das ganze Fahrerlebnis. GAC gewinnt damit Tempo, bezahlt aber mit der Abhängigkeit von einem einzigen Konzern aus Shenzhen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Drei Wege ins Auto, Huaweis Einfluss steigt
Was heißt das für europäische Hersteller?
Huaweis Aufstieg zum Plattformlieferanten trifft VW, BMW und Mercedes härter als jeder einzelne Kampfpreis, weil er die Wertschöpfung von der Hardware zur Software verschiebt. Die deutschen Hersteller ringen mit eigenen Softwareplattformen, während chinesische Marken den fertigen Stack einkaufen. Auch Zulieferer wie Bosch und Continental geraten unter Druck, denn chinesische Fahrchips drängen bereits über Bosch nach Europa.
In Europa kommen zwei Hürden hinzu: die EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos, bei denen auch VW auf schnelle Zölle dringt, und die Sicherheitsdebatte um Huawei-Technik samt der DSGVO-Frage, wer die Fahrzeugdaten kontrolliert. Entscheider prüfen deshalb besser früh die Softwarearchitektur ihrer Flotte und klären die Datenhoheit vertraglich.
Qijing ist damit weniger eine neue Automarke als ein Testfall: Kann ein etablierter Hersteller Huaweis Können nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren? Beschaffer und Softwarehäuser in Europa verfolgen den GX7-Start im September genau.
FAQ: GAC startet mit Huawei die Automarke Qijing
Baut Huawei eigene Autos?
Nein, Huawei baut keine eigenen Autos. Der Konzern liefert Fahrassistenz, das HarmonyOS-Cockpit und die Rechenplattform und lässt Partner wie GAC das Fahrzeug entwickeln und bauen.
Was ist die Marke Qijing?
Qijing ist eine neue chinesische Elektroauto-Marke, die der Staatskonzern GAC gemeinsam mit Huawei aufgebaut hat. Zum Start gehören die Limousine GT7 und der große SUV GX7 mit Marktstart im September 2026.
Was bedeutet HI Plus bei Huawei?
HI Plus ist ein Kooperationsmodell, bei dem der Autohersteller die Führung behält und Huawei den kompletten digitalen Kern beisteuert. Das Modell liegt zwischen dem reinen Bauteilverkauf und der Smart-Selection-Allianz Hongmeng Zhixing, bei der Huawei bis zum Vertrieb mitbestimmt.
Ist Qijing in Deutschland erhältlich?
Nein, Qijing verkauft den GX7 vorerst nur in China. Für europäische Käufer ist die Marke höchstens mittelfristig relevant, zumal EU-Ausgleichszölle und Sicherheitsfragen zu Huawei-Technik einen Marktstart erschweren.
Quellen
[1] Autohome: „Qijing GX7 auf der Chengdu Auto Show 2026″
[2] Yicai (第一财经): „Huaweis Landkarte im Autogeschäft“
[3] Yicai (第一财经): „GAC erwartet für das erste Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 4,06 bis 4,57 Mrd. Yuan“
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