Geely vollzieht den größten Führungswechsel seiner Geschichte: Gründer Li Shufu übergibt den Vorsitz der börsennotierten Autosparte an An Conghui und wird Ehrenvorsitzender auf Lebenszeit. Hinter dem Wechsel steht die Konsolidierung unter dem Leitbild „One Geely“, die Marken wie Zeekr, Volvo und Polestar enger zusammenführt. Für deutsche Autofahrer zählt der Name Geely längst mit, denn ihm gehören Volvo, Polestar und Anteile an smart.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Wechsel: Li Shufu gibt zum 18. August 2026 Vorsitz und Board-Mandat der Hongkong-notierten Geely Automobile Holdings ab, An Conghui folgt nach.
- Kontrolle bleibt: Als Chef der Muttergesellschaft Zhejiang Geely Holding und Ehrenvorsitzender behält der Gründer das letzte Wort bei Strategie und Kapital.
- Zweite Ebene: Gan Jiayue übernimmt den CEO-Posten, der bisherige Chef Gui Shengyue rückt zum stellvertretenden Vorsitzenden auf.
- Antrieb: Der Umbau treibt die „One Geely“-Strategie voran, unter der der Konzern seine Marken bündelt und die Exporte um 158 Prozent steigerte.
Warum zieht sich der Gründer nur halb zurück?

Kein echter Abschied. Li Shufu räumt zwar den Chefsessel der börsennotierten Autosparte, bleibt aber Vorsitzender der Muttergesellschaft Zhejiang Geely Holding und damit kontrollierender Aktionär.[1] Über den neuen Titel des Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit behält der Gründer das letzte Wort bei großen Strategieentscheidungen, Kapitalmaßnahmen und der Besetzung der Spitzenposten.
Ein Eigengewächs rückt nach. An Conghui führte zuletzt die Muttergesellschaft und die Elektromarke Zeekr, bevor er die rechtliche Vertretung von Zeekr im Juni 2026 an Gan Jiayue abgab. Li nennt ihn einen im eigenen System herangewachsenen Fachmann. Der Schritt markiert den Übergang von der Gründerfamilie zum Berufsmanagement, ohne die Kontrolle wirklich aus der Hand zu geben.
Steckt dahinter ein Muster in Chinas Autoindustrie?
Ein doppeltes Muster. Zum einen kehrt der Konzern seine jahrelange Markenvielfalt um und führt Töchter wie Zeekr wieder enger an die Kernmarke heran, ein Kurs, der schon mit der Bündelung mehrerer Marken in einer Verkaufsgesellschaft begann. Zum anderen reiht sich der Wechsel in den Trend chinesischer Gründer ein, die operative Macht an Berufsmanager abgeben und sich auf die Eigentümerrolle zurückziehen.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Chinas Pkw-Absatz schrumpfte im ersten Halbjahr 2026 laut Caixin um 20,2 Prozent auf 8,7 Millionen Fahrzeuge, während der Elektroanteil weiter stieg. Geely steigerte den heimischen Absatz mit 1,4 Millionen Einheiten leicht und zog die Exporte um 158 Prozent auf über 474.000 Wagen hoch.[1] Im heimischen Preiskrieg kaum noch gewachsen, sucht der Konzern das Wachstum im Ausland, so wie es auch der Rivale XPeng in Europa versucht.
Li Shufu gibt bei Geely den Titel ab, nicht die Kontrolle. Der neue Vorstand darf die Marken zusammenführen, die grundlegenden Weichen stellt weiterhin der Gründer aus dem Hintergrund.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
In Europa ist Geely längst mehr als ein Investor. Das gemeinsame Werk mit Ford im spanischen Valencia und die Ladeallianz mit EnBW zum deutschen Marktstart zeigen, wie tief der Konzern hier bereits sitzt. Die laufenden Ladekosten solcher Modelle lassen sich vorab im Überblick zu den Ladetarifen abschätzen.
Was heißt der Geely-Umbau für den DACH-Raum?
Mehr als eine Personalie. Zum Geely-Reich gehören Volvo, Polestar, Lotus, die smart-Kooperation mit Mercedes-Benz und die Elektromarke Zeekr, die künftig stärker aus einer zentralisierten Führung heraus gesteuert werden. Enger abgestimmte Marken bringen Händlern und Flottenkunden klarere Modellpläne, kosten die einzelnen Töchter aber Eigenständigkeit.
Zölle im Nacken. Der Umbau trifft auf die EU-Ausgleichszölle gegen chinesische Elektroautos, denen Geely mit lokaler Produktion und Umwegen wie den Zeekr-Robotaxis für Waymo begegnet. Für Entscheider heißt das konkret: Leasingnehmer von Volvo oder Polestar verhandeln künftig mit einem straffer geführten Konzern. Auch Zulieferer treffen auf zentralere Einkaufsentscheidungen, während Flottenmanager Restwert und Ladekosten der Geely-Modelle früh kalkulieren sollten.
Quelle
[1] Caixin Global: „Geely Founder Steps Down as Auto Unit Chairman“
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