Der Xiaomi SU7 hat die Marke von 500.000 Auslieferungen überschritten, keine 29 Monate nach dem Marktstart Ende März 2024. Nach Angaben von Firmenchef Lei Jun kam in China noch keine elektrische Sportlimousine so schnell auf diese Stückzahl. Hinter dem Rekord steckt eine Strategie, die deutschen Premiumherstellern ab 2027 direkt in Europa gefährlich wird.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- 500.000 ausgelieferte SU7 in 28,5 Monaten, nach Xiaomi der schnellste Hochlauf einer E-Limousine in China.
- Die neue SU7-Generation kostet umgerechnet rund 28.200 bis 38.970 Euro und zielt auf das Oberklasse-Segment jenseits von 200.000 Yuan, umgerechnet etwa 25.600 Euro.
- Zusammen mit dem SUV YU7 hat Xiaomi in gut zweieinhalb Jahren über 700.000 Autos verkauft.
- Der Europastart ist für das zweite Halbjahr 2027 geplant, zuerst mit rechtsgelenkten Modellen in Industrieländern.
Wie holt Xiaomi eine halbe Million Autos in 28 Monaten auf die Straße?

Xiaomi kommt aus dem Smartphone-Geschäft und verkauft das Auto als Teil eines geschlossenen Ökosystems. Das Betriebssystem HyperOS verbindet Telefon, Wohnung und Fahrzeug, sodass Millionen bestehender Handykunden ohne Umgewöhnung einsteigen. Der Konzern nutzt dafür sein eigenes Händlernetz und eine eigene Fabrik im Süden Pekings, deren zweite Ausbaustufe die Kapazität zuletzt kräftig erhöht hat.
Der zweite Hebel ist die Serienreife. Lei Jun steckte 2023 das Ziel eines Traumautos auf dem Niveau von Porsche und Tesla. Nachgelegt hat der Konzern mit dem SU7, dem Topmodell SU7 Ultra und einer 2026 überarbeiteten Generation. Zusammen mit dem SUV YU7 stehen so über 700.000 verkaufte Fahrzeuge in gut zweieinhalb Jahren, ein Tempo, für das etablierte Marken deutlich länger brauchten.[1]
Warum ist der Rekord kein Selbstläufer?
Die halbe Million fällt in Chinas Preiskrieg, der die gesamte Branche unter Druck setzt. Wettbewerber wie Nio, Xpeng und Li Auto brauchten für vergleichbare Stückzahlen mehr Zeit. Zugleich kippt der Markt rasant Richtung Elektro, denn Chinas E-Auto-Anteil hat erstmals die 60-Prozent-Marke überschritten. Auch BYD verteidigt seine Position vor allem über den Preis, etwa mit Assistenzsystemen in immer günstigeren Klassen.
Der Preisdruck hat einen Preis. Xiaomis Autosparte schrieb 2025 zwar erstmals im Gesamtjahr schwarze Zahlen, rutschte im ersten Quartal 2026 aber wieder in einen operativen Verlust von rund 400 Millionen Euro, bei einem Segmentumsatz von etwa 2,55 Milliarden Euro.[2] Grund waren geringere Stückzahlen des teuren SU7 Ultra und staatliche Kaufanreize.
Eine halbe Million Autos in gut zwei Jahren zeigt, wie schnell aus einem Software-Konzern ein Autobauer wird. Die deutsche Oberklasse verliert ihren zeitlichen Vorsprung genau in dem Segment, das ihre Margen trägt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Vom Reiz zum Risiko
Was bedeutet der SU7-Rekord für Europa?
Der Europastart ist für das zweite Halbjahr 2027 angekündigt, zuerst mit rechtsgelenkten Modellen in Industrieländern. Der SU7 zielt dabei auf ein Segment, das bislang Porsche Taycan, BMW i4 und Mercedes EQE gehört, also auf die Margenklasse der deutschen Hersteller. Lei Jun nannte den Taycan mehrfach als Messlatte.
Zwei Faktoren bremsen den Angriff. Auf chinesische Elektroautos erhebt die EU seit 2024 zusätzliche Ausgleichszölle, die den Preisvorteil schmälern. Zugleich wirft ein Auto aus dem Haus eines Smartphone-Konzerns in Europa Fragen zum Umgang mit Fahrzeug- und Standortdaten auf. Wie ernst deutsche Anbieter die Lage nehmen, zeigt der Deal, mit dem sich Porsche CO2-Hilfe beim Rivalen Xpeng holt.
Für Flottenverantwortliche und Entscheider lohnt der Blick auf dieses Segment schon vor 2027. Prüfen Sie bei anstehenden Dienstwagen-Entscheidungen den zu erwartenden Wertverlust neuer Anbieter und die real nutzbaren Ladekosten, bevor Sie sich langfristig binden.
Quellen
[1] Sina Tech: „Xiaomi SU7-Serie durchbricht 500.000 Auslieferungen in 28,5 Monaten“
[2] Xiaomi Corporation: Ergebnisbericht für das erste Quartal 2026
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