Festo lässt fremde Software auf die eigene Fabriksteuerung. Auf der offenen Plattform Festo AX Controls läuft die herstellerunabhängige Robotersteuerung von Voraus Robotik als Container direkt neben der Echtzeitsteuerung. Für den Maschinenbau verschiebt sich die Wertschöpfung von der Hardware zur nachrüstbaren App.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie offene Automatisierung erreicht die Werkshalle. Mit Festo AX Controls stellt der Automatisierungsspezialist seine Steuerung auf ein Betriebssystem, das fremde Programme zulässt. Statt geschlossener Firmware liefert eine containerisierte Laufzeitumgebung den Platz für KI- und Roboter-Anwendungen verschiedener Anbieter.
Das Wichtigste in Kürze
- Festo AX Controls basiert auf der offenen PLCnext-Technologie von Phoenix Contact statt auf proprietärer Firmware.
- Eine containerisierte Laufzeitumgebung führt Echtzeitsteuerung und KI-Anwendungen parallel aus.
- Voraus Robotik steuert Roboter herstellerunabhängig als Container-App auf derselben Steuerung.
- Die Öffnung bricht den Anbieter-Lock-in, weitet aber die Angriffsfläche der vernetzten Fabrik.
Was steckt hinter Festo AX Controls?

Offene Architektur ist der Kern der Plattform. Das Betriebssystem von Festo AX Controls setzt auf der PLCnext-Technologie von Phoenix Contact auf, nicht auf einer geschlossenen Festo-Firmware.[1] Den Anfang macht der Edge-Controller CEPE, Festos erstes Gerät mit integriertem Betriebssystem. Über eine containerisierte Laufzeitumgebung laufen zyklische Echtzeit-Programme und Nicht-Echtzeit-Anwendungen nebeneinander.
Predictive-Funktionen sitzen als KI-Schicht Festo AX darüber. Die Software wertet Anlagendaten in Echtzeit aus und meldet Abweichungen sofort, von der vorausschauenden Wartung der Fördertechnik bis zur Energie- und Qualitätsüberwachung. Die herstellerunabhängige Robotersteuerung voraus.core von Voraus Robotik ergänzt die Plattform um Programmierung und Betrieb mehrerer Roboter, ebenfalls als Container.[2]
Warum bricht die offene Steuerung den Hersteller-Lock-in?
Proprietäre Firmware bindet den Betreiber bislang an einen Anbieter. Auf einer klassischen speicherprogrammierbaren Steuerung laufen nur die Engineering-Software und die Funktionsbausteine des Herstellers. Jede Erweiterung stammt vom selben Anbieter, ein Wechsel bedeutet neue Hardware.
Container drehen dieses Verhältnis um. Fremde Programme laufen gekapselt neben der Echtzeitsteuerung, ohne dass der Betreiber die Steuerung tauscht. Damit verschiebt sich die Wertschöpfung von der Hardware zur Software, ähnlich wie bei BMW nicht der Roboter, sondern die Software den Ausschlag gibt. Festo reiht sich in eine Branchenbewegung ein, die von der agentischen Engineering-KI bei Siemens bis zu geteilten Laufzeit-Standards reicht.
Festo verkauft künftig weniger die Steuerung als den offenen Steckplatz darüber. Für den Maschinenbauer zählt ab jetzt, welche KI- und Roboter-App er nachrüsten kann, ohne die Hardware zu tauschen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
- Proprietäre Firmware des Herstellers
- Nur dessen Engineering-Software läuft
- Erweiterung nur vom selben Anbieter
- Neue Funktion braucht neue Hardware
- Offene PLCnext-Basis von Phoenix Contact
- Containerisierte Laufzeitumgebung
- Fremde KI- und Roboter-Apps laufen parallel
- Nachrüsten ohne Steuerungstausch
Drei Schichten der offenen Plattform
Was die KI-Schicht Festo AX leistet
Was heißt das für den deutschen Mittelstand?
Interoperabilität ist für den deutschen Maschinenbau ein Kostenfaktor. Offene Laufzeitumgebungen senken die Wechselkosten und passen zur Richtung des EU Data Act, der Zugang und Portabilität von Maschinendaten vorschreibt. Weil Fachkräfte fehlen, zählt zudem die schnelle Inbetriebnahme ebenso wie die Frage, welche Roboter sich im Betrieb wirklich rechnen.
Angriffsfläche ist die Kehrseite der Offenheit. Jeder fremde Container auf der Steuerung erweitert die Zahl der Einfallstore. Unter NIS2 wie unter der Norm IEC 62443 gehört die Absicherung der vernetzten Fabrik von Anfang an in die Planung. Maschinenbauer sollten bei der nächsten Steuerungsgeneration deshalb auf Container-Support achten und früh klären, welche KI- und Roboter-Apps sich ohne Steuerungstausch nachrüsten lassen.
Quellen
[1] Festo Presse: „Festo AX Controls brings fresh impetus to automation“
[2] Voraus Robotik: herstellerunabhängige Robotersteuerung voraus.core
Mehr Newshunger?
- Siemens automatisiert die Automatisierung: Eigen erledigt Ingenieurarbeit 50 Prozent schneller
- Predictive Maintenance bei Haribo: KI überwacht die Fördertechnik im Lager
- Nicht der Roboter, die Software: BMW baut in Landshut die Intelligenz humanoider Robotik
- Die Hand entscheidet: Warum Bosch und Schunk gemeinsam die Roboterhand bauen
- Robotik 2026: Wer braucht wirklich einen Roboter?