Die IIoT-Sicherheit einer Getränkeanlage entscheidet heute mit darüber, ob eine ganze Abfülllinie stillsteht. Der Neutraublinger Maschinenbauer Krones geht das Problem jetzt mit der Universität Regensburg an: Das Forschungsprojekt REINSIST bekommt 622.000 Euro vom Freistaat Bayern. Ziel ist ein Frühwarnsystem, das Schwachstellen in vernetzten Fabriken automatisch findet, bevor Angreifer sie nutzen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVernetzte Abfüllanlagen zählen längst zu den Zielen von Erpressern, und die OT-Sicherheit solcher Linien gilt als Achillesferse der vernetzten Industrie. Staatssekretär Tobias Gotthardt überreichte den Förderbescheid Anfang August 2026, doch für den Mittelstand steckt darin mehr als eine Regionalförderung.
Das Wichtigste in Kürze
- 622.000 Euro vom bayerischen Wirtschaftsministerium fließen über drei Jahre in das Projekt REINSIST.
- Krones, Scherdel INNOTEC und Integral-Scherdel entwickeln mit zwei Lehrstühlen der Universität Regensburg ein Risikomanagement für das Industrial IoT.
- Automatisierte Schwachstellen-Scans und geschulte Fachleute sollen zusammenarbeiten, gerade gegen KI-gestützte Angriffe.
- Cyber Resilience Act und NIS2 zwingen Maschinenbauer ohnehin zu mehr IIoT-Sicherheit, mit Fristen ab September 2026.
Was erforscht Krones mit der Universität Regensburg?

REINSIST baut ein Sicherheits-Risikomanagement für vernetzte Industrieanlagen, das Schwachstellen automatisch aufspürt und bewertet. Die Universität Regensburg führt das Vorhaben, Krones steuert die Praxis aus dem Anlagenbau bei.
Zwei Lehrstühle tragen die Forschung: die Wirtschaftsinformatik von Prof. Günther Pernul und die prozessbasierten Informationssysteme von Prof. Stefan Schönig, koordiniert von Dr. Magdalena Glas. Mit im Konsortium sitzen die Zulieferer Scherdel INNOTEC und Integral-Scherdel. Die 622.000 Euro stammen aus dem bayerischen Programm für Informations- und Kommunikationstechnik.[1]
Warum braucht die Fabrik Mensch und Maschine zugleich?
Automatische Scanner finden Schwachstellen in Sekunden, doch erst geschulte Fachleute entscheiden, welche davon in einer laufenden Produktion wirklich gefährlich sind. Genau diese Arbeitsteilung bildet den Kern von REINSIST.
Klassische IT-Sicherheit lässt sich im Rechenzentrum zentral steuern. Eine Abfülllinie dagegen läuft rund um die Uhr, mischt alte Steuerungen mit neuer Sensorik und verträgt keinen Neustart mitten in der Charge. Ein Patch, der einen Server absichert, kann eine Maschine lahmlegen.
Angreifer automatisieren ihre Attacken längst mit KI und erzeugen mehr Warnungen, als ein Team abarbeiten kann. Wie schnell dabei echte Bedrohungen durchrutschen, zeigte ein Test, bei dem Prüfer jede dritte Gefahr bei der Freigabe von KI-Agenten übersahen. REINSIST setzt deshalb auf Cyber-Range-Übungen, in denen die Belegschaft den Ernstfall probt.
Die Angriffsfläche wächst branchenweit. Zuletzt übernahmen Angreifer einen Build-Server ganz ohne Zugangsdaten, ein gekapertes Microsoft-365-Postfach bei einem Rüstungszulieferer hinterließ kaum Spuren, und ein KI-Modell erreichte in einem Sicherheitstest von Meta ein fremdes Unternehmen.
So arbeitet REINSIST
Automatisch scannen
Software sucht laufend nach Schwachstellen im Industrial IoT und bewertet ihr Risiko.
Menschlich prüfen
Fachleute entscheiden, welche Fundstücke in der laufenden Produktion wirklich gefährlich sind.
Im Ernstfall üben
Cyber-Range-Übungen trainieren die Belegschaft gegen KI-gestützte Angriffe.
Ein Maschinenbauer wie Krones sichert mit REINSIST nicht nur die eigene Fabrik, sondern jede Brauerei, die seine Linien betreibt. Sicherheit wandert damit von der IT-Abteilung in die Produktverantwortung, und genau dorthin gehört diese Aufgabe.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Betriebe im DACH-Raum?
Der EU Cyber Resilience Act verpflichtet Maschinen- und Anlagenbauer zu Sicherheit ab Werk, die Meldepflicht für ausgenutzte Schwachstellen greift ab dem 11. September 2026.
Die Hauptpflichten des CRA folgen zum 11. Dezember 2027, parallel weitet die NIS2-Richtlinie die Sorgfaltspflichten auf Hersteller und ihre Lieferketten aus. Ein Förderprojekt wie REINSIST liefert dazu die Methodik, die vielen Betrieben noch fehlt.
Vor der Frist lohnt sich eine Bestandsaufnahme aller vernetzten Anlagen, dazu ein fester Melde- und Reaktionsweg für neue Schwachstellen. Regelmäßige Übungen für die Belegschaft machen daraus mehr als eine Pflichtaufgabe der IT und rücken die Cybersicherheit zur Chefsache.
FAQ: IIoT-Sicherheit bei Krones und der Uni Regensburg
Was bedeutet IIoT-Sicherheit?
IIoT-Sicherheit schützt das industrielle Internet der Dinge, also vernetzte Maschinen, Sensoren und Steuerungen in der Produktion. Anders als klassische IT-Sicherheit muss sie den laufenden Betrieb absichern, ohne die Anlage zu stoppen.
Was schreibt der Cyber Resilience Act Maschinenbauern vor?
Der Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller vernetzter Produkte zu Sicherheit ab Werk, regelmäßigen Updates und einer Meldung ausgenutzter Schwachstellen. Die Meldepflicht greift ab dem 11. September 2026, die Hauptpflichten ab dem 11. Dezember 2027.
Ab wann gilt die NIS2-Richtlinie?
Die NIS2-Richtlinie gilt EU-weit seit Oktober 2024, die deutsche Umsetzung verzögert sich jedoch und wird 2026 erwartet. Betroffen sind mehr Branchen als zuvor, darunter Teile der Industrie und ihrer Zulieferer.
Wie unterscheidet sich OT-Sicherheit von IT-Sicherheit?
OT-Sicherheit schützt Produktionsanlagen, die rund um die Uhr laufen und alte Steuerungen mit neuer Sensorik mischen. Ein Patch zur falschen Zeit kann die Fertigung stoppen, weshalb Updates dort anders geplant werden als in der Büro-IT.
Quelle
[1] Universität Regensburg, Fakultät für Informatik und Data Science: „REINSIST: Sicherheits-Risikomanagement für das Industrial IoT“
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