Palo Alto Networks steht seit dem 6. August 2026 unter der Cybersicherheitsprüfung der chinesischen Internetaufsicht. Dasselbe Verfahren traf 2023 den Speicherhersteller Micron und endete mit einem Beschaffungsverbot für kritische Infrastruktur. Für deutsche Konzerne mit Töchtern in China entscheidet der Ausgang über die Sicherheitstechnik vor Ort.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Palo Alto Networks verkauft Firewalls an Banken, Energieversorger und Technologiekonzerne in China. Seit dem 6. August 2026 prüft das Büro für Cybersicherheitsprüfung beim chinesischen Internetamt, ob diese Produkte dort bleiben dürfen.[1] Peking hat dieses Verfahren 2023 schon einmal durchgespielt, damals gegen Micron.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rechtsgrundlage sind das Sicherheitsgesetz, das Cybersicherheitsgesetz und die Maßnahmen zur Cybersicherheitsprüfung von 2022.
  • Die Vorprüfung dauert 30 Arbeitstage, ein Sonderverfahren bis zu 90 Arbeitstage.
  • Micron verlor nach demselben Verfahren im Mai 2023 den Zugang zu Chinas kritischer Infrastruktur.
  • Chinas Anteil am Umsatz liegt nach Analystenschätzungen bei 1 bis 2 Prozent, also rund 100 bis 200 Millionen Euro.

Warum wiegt die Prüfung schwerer als die Anweisung vom Januar?

Mauerwerkmodell mit gelbem Schild „PRÜFUNG LÄUFT“ und davorliegendem Stempel
China weist Unternehmen an, Sicherheitssoftware von US- und israelischen Anbietern wie Palo Alto Networks bis Mitte 2026 durch heimische Lösungen zu ersetzen

Aus einem Rat wird ein Bescheid. Bloomberg berichtete im Januar 2026 von einer Anweisung an Unternehmen in China, Sicherheitssoftware von mehr als einem Dutzend amerikanischer und israelischer Anbieter bis zur Jahresmitte durch heimische Technik zu ersetzen. Palo Alto Networks, Fortinet und Check Point standen auf dieser Liste. Eine solche Anweisung ist allerdings kein förmlicher Rechtsakt.

Die Maßnahmen zur Cybersicherheitsprüfung gelten dagegen seit dem 15. Februar 2022 als geltendes Recht.[2] Das Prüfungsbüro schließt die Vorprüfung binnen 30 Arbeitstagen ab und verlängert bei komplizierter Lage um 15 weitere. Bleibt ein Konsens der beteiligten Ressorts aus, folgt ein Sonderverfahren von 90 Arbeitstagen. Das Ergebnis bindet dann die Betreiber kritischer Informationsinfrastruktur.

Wie endete der Fall Micron?

Sieben Wochen bis zum Bescheid. Ende März 2023 eröffnete dieselbe Behörde eine Prüfung der in China verkauften Micron-Produkte. Am 21. Mai 2023 erklärte das Amt die Produkte für durchgefallen und untersagte Betreibern kritischer Informationsinfrastruktur den weiteren Einkauf.

Finanziell blieb der Schaden bei Micron überschaubar und dürfte bei Palo Alto Networks noch kleiner ausfallen. Analysten veranschlagen Chinas Anteil am Konzernumsatz auf 1 bis 2 Prozent. Für das Geschäftsjahr 2026 stellt der Anbieter 11,42 Milliarden US-Dollar in Aussicht, umgerechnet 9,93 Milliarden Euro zum Kurs von 0,87 am 6. August 2026.[3] Schwerer wiegt die Signalwirkung. Beide Seiten sperren inzwischen spiegelbildlich aus. Der chinesische Kamerahersteller Hikvision steigerte seinen Gewinn trotz der europäischen Verbote um 40 Prozent.

Peking hat in China verkaufte Sicherheitstechnik zur Verhandlungsmasse gemacht. Europäische Konzerne mit Werken in beiden Blöcken zahlen jetzt zweimal, einmal für den westlichen Schutzwall und einmal für den chinesischen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Chinas Prüfung gegen Palo Alto Networks in Zahlen
Wie lange das Verfahren dauert und wie viel Umsatz in China auf dem Spiel steht.
30 Arbeitstage
dauert die Vorprüfung, bei komplizierter Lage kommen 15 weitere hinzu.
90 Arbeitstage
stehen dem Sonderverfahren zu, falls die beteiligten Ressorts uneins bleiben.
9,93 Mrd. €
Umsatz stellt Palo Alto Networks für das Geschäftsjahr 2026 in Aussicht (11,42 Milliarden US-Dollar, Kurs 0,87 am 6. August 2026).
100 bis 200 Mio. €
davon entfallen nach Analystenschätzungen auf China, also 1 bis 2 Prozent.

Der Präzedenzfall und das Spiegelbild

Micron durchlief dasselbe Verfahren ab Ende März 2023 und verlor am 21. Mai 2023 den Zugang zu Chinas kritischer Infrastruktur. In die Gegenrichtung läuft die deutsche Frist für 5G: Komponenten von Huawei und ZTE müssen bis Ende 2026 aus den Kernnetzen verschwinden, bis Ende 2029 auch aus den Zugangs- und Transportnetzen.

Was heißt das für Unternehmen im DACH-Raum?

Zwei Stacks statt einem. Ein deutscher Konzern mit Werken in China schützt seine Netze dort künftig mit heimischer chinesischer Technik, während die Zentrale weiter auf westliche Anbieter setzt. Getrennte Regelwerke und getrennte Zuständigkeiten kosten Geld und öffnen blinde Flecken. Wie sich westliche Technik unter nationale Kontrolle bringen lässt, zeigen secunet und Cloudflare ebenso wie Zscaler auf der Plattform STACKIT.

Die Bundesregierung führt spiegelverkehrt dieselbe Debatte. Aus den 5G-Kernnetzen müssen Komponenten von Huawei und ZTE bis Ende 2026 verschwinden, aus den Zugangs- und Transportnetzen bis Ende 2029.[4] ZTE tauscht deshalb 5G gegen KI-Rechenzentren. Gegen eine EU-weit verbindliche Pflicht sperren sich Berlin und Madrid bislang.

Für die Praxis heißt das: den Bestand an Firewalls und Endpunktschutz in chinesischen Töchtern jetzt inventarisieren. Danach folgen die Ersatzbeschaffung bei lokalen Anbietern und die Prüfung der Verträge auf Supportende und Datenabfluss. Die eigene Sicherheitsarchitektur gehört ohnehin auf den Tisch der Geschäftsführung, spätestens seit die Qilin-Ransomware eine Lücke in Palo-Alto-VPNs ausnutzte.

Quellen

[1] Büro für Cybersicherheitsprüfung beim chinesischen Internetamt: Bekanntmachung über die Einleitung einer Cybersicherheitsprüfung der in China verkauften Produkte von Palo Alto Networks, 6. August 2026

[2] Chinesisches Internetamt: Maßnahmen zur Cybersicherheitsprüfung, in Kraft seit dem 15. Februar 2022

[3] Palo Alto Networks: Ergebnisse des dritten Quartals des Geschäftsjahres 2026

[4] Bundesministerium des Innern und für Heimat: Stärkung der Sicherheit und technologischen Souveränität der deutschen 5G-Mobilfunknetze

Mehr Newshunger?

4,2 21 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?