ZTE steht in Deutschland ab Ende 2026 auf der Streichliste fürs 5G-Kernnetz und baut sich parallel ein neues Standbein: KI-Rechenzentren und sogenannte Superknoten, die viele heimische Grafikchips zu Nvidia-Alternativen bündeln. Das erste dieser Rechenzentren läuft seit dem 24. Juli in Islamabad, 8,5 Megawatt stark. Der Schwenk verrät, wohin ein aus dem Westen gedrängter Netzausrüster als Nächstes zielt.

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ZTE liefert die Technik für das erste KI-taugliche Rechenzentrum Pakistans, das Premier Shehbaz Sharif am 24. Juli in Islamabad eröffnet hat.[2] Wenige Tage zuvor stellte der Konzern in China seinen Superknoten OEX vor, ein Gestell, das hunderte heimische KI-Chips zu einer einzigen Recheneinheit verschnürt. Beide Auftritte gehören zusammen, denn beide sind die Antwort auf denselben Druck: Im Westen bricht ZTE das angestammte Netzgeschäft weg.

Das Wichtigste in Kürze

  • ZTE muss laut Vertrag der Bundesregierung bis Ende 2026 aus den 5G-Kernnetzen von Telekom, Vodafone und Telefónica verschwinden, bis Ende 2029 auch aus deren Netzmanagement.
  • Als Ausweichgeschäft baut ZTE KI-Rechenzentren und Superknoten, die viele schwächere China-Chips zu einer Alternative für Nvidia-Systeme zusammenschalten.
  • Das Rechenzentrum Sky47 Karakoram-01 in Islamabad liefert 8,5 Megawatt; Standorte in Karachi (5 Megawatt) und Lahore folgen.
  • Für europäische Entscheider verschiebt sich die China-Abhängigkeit vom Mobilfunk zur KI-Infrastruktur.

Warum verliert ZTE das 5G-Geschäft im Westen?

Ein Rack-Gehäuse mit Anhänger neben einem Gittermast mit Kabel, auf weißem Grund
Bundesregierung verpflichtet Telekom, Vodafone und Telefónica, Huawei- und ZTE-Komponenten aus 5G-Kernnetzen bis 2026 zu entfernen

Die Bundesregierung hat 2024 öffentlich-rechtliche Verträge mit Telekom, Vodafone und Telefónica geschlossen, die kritische Komponenten von Huawei und ZTE aus den 5G-Kernnetzen verbannen. Bis Ende 2026 müssen die Betreiber diese Bauteile im Kern entfernen, bis Ende 2029 auch die Verwaltungssysteme in Zugangs- und Transportnetzen austauschen.[3]

Deutschland steht damit nicht allein. Der 5G-Werkzeugkasten der EU stuft beide Konzerne als Hochrisiko-Lieferanten ein, und von Schweden bis Großbritannien läuft der Rückbau. Für ZTE fällt so über Jahre ein wichtiger Absatzmarkt weg.

Was ist ein Superknoten, und warum baut ZTE ihn?

Die US-Exportkontrollen schneiden China von Nvidias schnellsten KI-Chips ab. Heimische Alternativen von Biren, Cambricon oder Huawei rechnen pro Baustein langsamer, also schalten Chinas Anbieter möglichst viele davon zusammen. Genau das leistet ein Superknoten: ein Gestell, das hunderte bis tausende Grafikchips über ein Hochgeschwindigkeitsnetz zu einer Recheneinheit koppelt.

ZTE stellte diesen OEX-Superknoten am 18. Juli vor, offen und ohne festen Chip-Anbieter, kompatibel mit mehreren heimischen Grafikchips.[1] Das Verkabeln riesiger Chip-Verbünde ist für einen Netzausrüster ein Heimspiel, denn die schnelle Kopplung ist dieselbe Disziplin wie im Mobilfunk. Huawei zeigt mit seinem Verbund CloudMatrix, dass diese Bündelung heimischer Chips als Nvidia-Ersatz taugt.

ZTE verliert im Westen das Netzgeschäft und baut im globalen Süden ein neues auf, als KI-Rechenzentrum, das Europas China-Abhängigkeit nur verschiebt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
ZTE: vom 5G-Ausrüster zum KI-Rechenzentrum
Wie ein aus westlichen Netzen verbannter Konzern nach Asien ausweicht
Leistung
8,5 MW
Leistung des ersten KI-Rechenzentrums Sky47 Karakoram-01 in Islamabad
Chips
Hunderte
bis Tausende Grafikchips koppelt ein OEX-Superknoten zu einer Recheneinheit
Frist
Ende 2026
Frist, bis zu der ZTE-Technik aus deutschen 5G-Kernnetzen verschwinden muss
Frist
Ende 2029
Frist für den Austausch im 5G-Netzmanagement der Zugangs- und Transportnetze
Standorte

Nächste Standorte entlang der neuen Seidenstraße: Karachi mit 5 MW (ab September 2026) und Lahore.

Was bedeutet ZTEs KI-Schwenk für Europa?

Wo europäische Netze chinesische Technik zurückbauen, verkauft ZTE dieselbe Technik als schlüsselfertige KI-Rechenzentren entlang der neuen Seidenstraße, zuerst nach Pakistan, als Nächstes nach Karachi und Lahore.[2] Für Firmen, die ihre Modelle künftig in solchen Anlagen rechnen lassen, verschiebt sich die Frage der Technologiesouveränität vom Funkmast in die Rechenhalle.

Europäische Entscheider sollten die Lieferkette für KI-Rechenleistung genauso prüfen wie einst die 5G-Hardware. Entscheidend sind die Herkunft der Chips und die Frage, in welchem Land die Server am Ende stehen. Die Debatte um digitale Souveränität, die Konzerne wie SAP gerade führen, erreicht mit ZTEs Schwenk die KI-Infrastruktur.

Quellen

[1] ZTE: „ZTE OEX-Superknoten vorgestellt“

[2] ZTE: „ZTE and SKY47 Unveil Pakistan’s Largest Purpose-Built Data Center“

[3] Deutscher Bundestag: „Ausschluss kritischer Komponenten von Huawei und ZTE“

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