Palantir zahlte 2025 weltweit 1,4 Prozent Steuern auf 1,44 Milliarden Euro Vorsteuergewinn. Die deutsche Tochter meldete 49,5 Millionen Euro Umsatz und führte davon 641.000 Euro an den Fiskus ab. Die OECD-Mindeststeuer sollte solche Strukturen erfassen, nimmt US-Konzerne seit Januar 2026 aber aus.

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Die Palantir-Steuerquote von 1,4 Prozent stammt aus einer Untersuchung des Gewerkschaftsdachverbands EPSU und der Rechercheorganisation CICTAR, die dafür den Konzernabschluss 2025 und neun europäische Tochterbilanzen ausgewertet haben.[1] In den USA zahlte der Konzern das dritte Jahr in Folge keine Bundeskörperschaftsteuer. Palantir antwortete auf die Fragen der Rechercheure nicht; illegales Verhalten wirft der Bericht dem Konzern ausdrücklich nicht vor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf 1,44 Mrd. Euro Vorsteuergewinn zahlte Palantir 2025 weltweit 19,7 Mio. Euro Ertragsteuern.
  • Außerhalb der USA entstanden 26 % des Umsatzes, aber nur 4 % des Vorsteuergewinns.
  • Die deutsche Tochter kam 2024 auf 4,2 % Marge und 641.000 Euro Steueraufwand.
  • Seit dem 5. Januar 2026 nimmt die OECD US-Konzerne von der globalen Mindeststeuer aus.

Wie entsteht eine Steuerquote von 1,4 Prozent?

Trichter, fallende Euro-Münze, Glas mit „641.000 Euro“-Etikett, weißer Grund
Palantir nutzt Aktienvergütung als Steuersparmodell: Beim Einlösen zieht der Konzern den höheren aktuellen Börsenwert ab, während in der Bilanz nur der niedrigere Zusagewert erscheint

Aktienvergütung ist der größte Hebel. Palantir bezahlt seine Belegschaft stark in Aktien. Beim Einlösen dieser Zusagen zieht der Konzern den dann gültigen Börsenwert als Personalaufwand von der Steuer ab, während in der Gewinn- und Verlustrechnung nur der niedrigere Wert vom Tag der Zusage steht. Je stärker der Kurs steigt, desto größer fällt ein Abzug aus, der den ausgewiesenen Gewinn nie belastet. Der Kurs folgt dem Geschäft, das zuletzt um 93 % im Quartal zulegte. Dazu kommen Verlustvorträge und Forschungsgutschriften.

Kostenaufschlag erledigt den Rest in Europa. Die Landesgesellschaften rechnen ihre Kosten plus einen kleinen Aufschlag mit der Konzernmutter ab, der eigentliche Vertragsumsatz wird in Denver verbucht. Die spanische Tochter überwies 2024 allein 13,8 Millionen Euro Lizenzgebühren an die Mutter, 71,5 % ihres Umsatzes. Madrid setzte den Anbieter im Juli auf eine schwarze Liste für staatliche Stellen.

Was bleibt von 49,5 Millionen Euro in Deutschland?

4,2 Prozent Vorsteuermarge weist der deutsche Jahresabschluss für 2024 aus. Von 49,5 Millionen Euro Umsatz blieben 2,1 Millionen Euro Gewinn vor Steuern, der Steueraufwand betrug 641.000 Euro. Bei 15 % Marge wären nach der CICTAR-Rechnung 2,2 Millionen Euro Steuern fällig gewesen.

Rahmenvertrag heißt der Grund für das Wachstum. Über eine bundesweite Vereinbarung rufen Polizeibehörden aller Bundesländer die Plattformen ohne eigene Ausschreibung ab. Fünf Bundesländer haben bereits gekauft, während SAP eine Milliarde in eigene Software steckt. Von den deutschen Erlösen kamen 2024 allerdings 65 % als Dienstleistungsentgelt der US-Mutter herein, nicht von deutschen Kunden.

Palantir 2025: 1,4 Prozent Steuern weltweit

Der Umsatz entsteht zu einem Viertel außerhalb der USA, der Gewinn fast vollständig darin.

1,44 Mrd. €
Vorsteuergewinn weltweit im Jahr 2025
19,7 Mio. €
gezahlte Ertragsteuern weltweit, also 1,4 Prozent
0 €
US-Bundeskörperschaftsteuer, drittes Jahr in Folge

Die deutsche Tochter im Geschäftsjahr 2024

Ausgewiesen
Umsatz49,5 Mio. €
Vorsteuergewinn2,1 Mio. €
Marge4,2 %
Steueraufwand641.000 €
Beschäftigte60
Rechnerisch bei 15 % Marge
Umsatz49,5 Mio. €
Vorsteuergewinn7,4 Mio. €
Marge15 %
Steuer bei 30,1 %2,2 Mio. €
Differenz zum Ausgewiesenen1,6 Mio. €
Außerhalb der USA entstanden 26 Prozent des Konzernumsatzes, aber nur 4 Prozent des Vorsteuergewinns. 65 Prozent des deutschen Umsatzes flossen 2024 als Dienstleistungsentgelt von der US-Mutter zur Tochter.

Palantir liefert deutschen Behörden Software für zweistellige Millionenbeträge und lässt 641.000 Euro Steuern im Land. Über den Preis verhandeln Vergabestellen hart, über die Steuerbasis des Anbieters verhandelt niemand.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum greift die globale Mindeststeuer nicht mehr?

Side-by-Side heißt das Paket, das die Lücke aufreißt. Einmal hat die Mindeststeuer gewirkt: Für 2024 verbuchte die britische Tochter eine Ergänzungssteuer von umgerechnet rund 27.000 Euro. Am 5. Januar 2026 einigte sich das OECD-Rahmenwerk darauf, Konzerne mit US-Muttergesellschaft von Primär- und Sekundärergänzungssteuer auszunehmen.[2] London rechnet mit jährlichen Mindereinnahmen von 817 Millionen Euro, Den Haag mit 120 Millionen. Palantir führt das Paket im eigenen Geschäftsbericht als Entlastung auf.

Jurisdiktionsprinzip ist der blinde Fleck. Das deutsche Mindeststeuergesetz misst den effektiven Steuersatz je Land. Palantirs deutscher Wert liegt bei 31 % und wirkt damit unauffällig, gerade weil kaum Gewinn im Land verbleibt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz entschied sich im Mai für einen französischen Anbieter. Londons Polizei stoppte einen Palantir-Vertrag, weil nur ein einziger Anbieter geprüft worden war.

CICTAR empfiehlt Betriebsprüfungen und schärfere Bedingungen bei der öffentlichen Auftragsvergabe. Prüfen Sie bei größeren Softwareverträgen, welche Konzerngesellschaft überhaupt Vertragspartner wird; Umsatz, Gewinn und Beschäftigtenzahl der deutschen Tochter liefert das Unternehmensregister.

Quellen

[1] CICTAR und EPSU: „Who Pays for the Surveillance State? How Palantir’s global tax structure drains funding for public services and infrastructure“ (Juli 2026)

[2] OECD/G20 Inclusive Framework on BEPS: „Global Anti-Base Erosion Model Rules (Pillar Two), Side-by-Side Package“ (5. Januar 2026)

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