Palantir meldet für das zweite Quartal 93 Prozent mehr Umsatz und einen Kurssprung von 29 Prozent am Tag danach. Den Schub liefert das Geschäft mit Privatkunden, dessen Umsatz um 149 Prozent auf 665 Millionen Euro klettert. Firmenchef Alex Karp verkauft den Boom als Nachfrage nach KI-Souveränität, die auch Europa betrifft.

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Palantir trägt seit Jahren das Etikett des überteuerten KI-Titels. Die Bilanz für das zweite Quartal 2026 sprengt dieses Bild: Der Gewinn übersprang in Dollar erstmals die Milliardenmarke, die Börse reagierte mit dem fast größten Tagesgewinn der Firmengeschichte. Dahinter steht ein Verkaufsmotor, den die meisten Softwarehäuser nicht haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Palantirs Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 93 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro, der Gewinn erreichte 924 Millionen Euro.
  • Treiber ist das US-Privatkundengeschäft rund um die KI-Plattform AIP: plus 149 Prozent auf 665 Millionen Euro, der offene Auftragsbestand dort wuchs auf 5,43 Milliarden Euro.
  • Der Konzern hob die Jahresprognose auf 7,09 Milliarden Euro an, die Aktie sprang am Folgetag um gut 29 Prozent.
  • Firmenchef Alex Karp spricht von entfesselter Nachfrage nach KI-Souveränität, während Analysten die extreme Bewertung als Risiko benennen.

Was steckt hinter Palantirs Rekordquartal?

Glaskugel mit goldenem Aufwärtspfeil und „+93%“-Tag auf Euro-Bündeln vor Weiß
Konzern steigert Q2-Umsatz um 93 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro, Gewinn auf 924 Millionen Euro. US-Geschäft wächst um 115 Prozent, operative Marge bei 62 Prozent

Der Konzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 93 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro und den Gewinn auf 924 Millionen Euro. Der Schub kommt vom US-Geschäft mit plus 115 Prozent und von einer Jahresprognose, die der Konzern kräftig anhob.

Die Kennzahlen fallen aus dem üblichen Software-Rahmen. Die bereinigte operative Marge lag bei 62 Prozent, der sogenannte Rule-of-40-Wert bei 155 Prozent, eine im Softwaresektor seltene Kombination aus Tempo und Profitabilität.[1] Alle Dollarwerte sind zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar umgerechnet (Stand 5. August 2026).

Beim Ausblick legte der Konzern nach und hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr von 6,66 auf 7,09 Milliarden Euro an. Der Auslöser ähnelt dem, was zuletzt andere Profiteure des KI-Aufbaus meldeten. Bei Infineon trieb der KI-Strombedarf das Rekordquartal. Auch SpaceX schrieb einen wachsenden Teil seiner Bilanz der KI-Cloud zu.

Warum wächst Palantirs Privatkundengeschäft so schnell?

Der US-Umsatz mit Privatunternehmen sprang um 149 Prozent auf 665 Millionen Euro, der offene Auftragsbestand dort auf 5,43 Milliarden Euro. Treiber ist die KI-Plattform AIP, die Firmen direkt auf ihren eigenen Betriebsdaten aufsetzen.

Palantir verkauft AIP nicht über klassische Vertriebszyklen, sondern über sogenannte Bootcamps. In wenigen Tagen bauen Kunden dort einen lauffähigen Anwendungsfall auf ihren realen Daten, der sich anschließend in einen Produktivvertrag umwandelt. So erklärt sich, warum die Zahl der großen Abschlüsse und der Auftragsbestand gleichzeitig in die Höhe schießen. Firmenchef Alex Karp fasste das Quartal in einen Satz: „Die Nachfrage nach KI-Souveränität ist jetzt entfesselt.“

Nach derselben Logik, laufende Plattformumsätze statt verkaufter Beratungstage, wächst auch ein kleinerer Anbieter wie GFT mit seiner KI-Plattform Wynxx. Der Kurssprung von gut 29 Prozent hat allerdings einen Preis: Die Aktie wird selbst nach dem Rücksetzer der Vormonate mit einem Vielfachen des Umsatzes bewertet, das kaum Raum für Enttäuschungen lässt. Mehrere Analysten nennen genau diese Bewertung das eigentliche Risiko der Aktie.

Palantirs Zahlen sind echt, die Kurserwartung ist es noch nicht. Bei 93 Prozent Wachstum kauft man eine Bewertung mit, die schon den nächsten Rekord voraussetzt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Das Rekordquartal in Zahlen
Wie die KI-Plattform AIP die Bilanz treibt, alle Beträge in Euro
1,68 Mrd. €
Quartalsumsatz, plus 93 Prozent zum Vorjahr
+149 %
US-Umsatz mit Privatkunden (665 Mio. €)
5,43 Mrd. €
offener Auftragsbestand im US-Privatkundengeschäft
7,09 Mrd. €
angehobene Jahresprognose (zuvor 6,66 Mrd. €)
+29 %
Aktienkurs am Tag nach der Bilanz

Was bedeutet Palantirs KI-Boom für Europa?

Für europäische Entscheider ist Palantir kein fernes US-Phänomen. Mehrere Bundesländer nutzen die Software längst bei der Polizei. Karps Ruf nach KI-Souveränität trifft ausgerechnet dort auf ein ungelöstes Rechtsproblem.

In Hessen läuft die Analyseplattform des Konzerns bei der Polizei seit 2017, Bayern und Nordrhein-Westfalen zogen nach. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die automatisierte Datenanalyse in ihrer damaligen Form am 16. Februar 2023 für verfassungswidrig und verlangte enge Grenzen für Datenarten, Methoden und Eingriffsschwellen.[2] Gegen mehrere Nachfolgegesetze laufen inzwischen erneut Verfassungsbeschwerden.

Die KI-Souveränität, die Karp als Verkaufsargument nutzt, bedeutet aus europäischer Sicht das Gegenteil. Sensible Behörden- oder Firmendaten auf einer US-Plattform zu betreiben verlagert genau die Kontrolle, die der Begriff verspricht. Die EU hält mit dem AI Act und der Debatte um digitale Souveränität dagegen. Selbst bei der KI-Sicherheitsprüfung geht Washington eigene Wege. Auf die Agenda gehört daher, welche Daten überhaupt auf externen KI-Plattformen liegen dürfen und ob es eine belastbare Exit-Strategie aus der Anbieterabhängigkeit gibt, bevor ein AIP-Bootcamp Fakten schafft.

FAQ: Palantirs Quartalszahlen

Wie liefen Palantirs Quartalszahlen 2026?

Der Konzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 93 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro (1,94 Milliarden US-Dollar) und den Gewinn auf 924 Millionen Euro. Die bereinigte operative Marge lag bei 62 Prozent. Alle Beträge sind zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar umgerechnet, Stand 5. August 2026.

Was ist Palantirs KI-Plattform AIP?

AIP steht für Artificial Intelligence Platform und verbindet KI-Modelle mit den eigenen Betriebsdaten eines Unternehmens. Der Anbieter führt Kunden in mehrtägigen Praxis-Workshops direkt in einen lauffähigen Anwendungsfall, der sich anschließend in einen Produktivvertrag umwandelt. Genau dieses Geschäft trieb das Wachstum im zweiten Quartal.

Warum ist Palantirs Aktie so stark gestiegen?

Die Aktie sprang am Tag nach der Bilanz um gut 29 Prozent, weil der Umsatz mit US-Privatkunden um 149 Prozent zulegte und der Konzern die Jahresprognose auf 7,09 Milliarden Euro anhob. Mehrere Analysten warnen zugleich, dass die extreme Bewertung das eigentliche Risiko der Aktie bleibt.

Nutzt die Polizei in Deutschland Palantir-Software?

Ja. Hessen setzt die Analyseplattform des Konzerns seit 2017 bei der Polizei ein, Bayern und Nordrhein-Westfalen folgten. Das Bundesverfassungsgericht erklärte die automatisierte Datenanalyse in ihrer damaligen Form am 16. Februar 2023 für verfassungswidrig und verlangte enge Grenzen. Gegen mehrere Nachfolgegesetze laufen erneut Verfassungsbeschwerden.

Was bedeutet KI-Souveränität bei Palantir?

Firmenchef Alex Karp meint damit die Nachfrage von Firmen und Behörden, KI direkt auf ihren eigenen, sensiblen Daten zu betreiben. Aus europäischer Sicht ist der Begriff zwiespältig, denn sensible Daten auf einer US-Plattform zu betreiben verlagert genau die Kontrolle, die das Wort verspricht.

Quellen

[1] Palantir Technologies: „Palantir Reports Q2 2026 Results“

[2] Bundesverfassungsgericht: Urteil vom 16. Februar 2023 (1 BvR 1547/19)

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