Chinesische Open-Weight-Modelle wie DeepSeek müssen sich der neuen US-Sicherheitsprüfung nicht stellen. Das Weiße Haus prüft künftig nur geschlossene Spitzenmodelle aus den USA vor dem Start, offene Gewichte bleiben außen vor. Für Anbieter und Behörden in der EU verschiebt sich damit die eigentliche Kontrolllinie.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenChinesische Open-Weight-Modelle stehen seit Dienstag auf der sicheren Seite: Beim Treffen im Weißen Haus am 4. August erfuhren die großen KI-Konzerne, dass der neue Prüfrahmen der Regierung an offenen Modellen vorbeigeht. Die freiwillige Vorabprüfung trifft allein geschlossene US-Spitzenmodelle mit besonderen Hacking-Fähigkeiten oberhalb einer geheim gehaltenen Schwelle.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Weiße Haus stellte den Konzernen am 4. August 2026 einen freiwilligen Prüfrahmen vor, offene Modelle bleiben ausgenommen.
- Damit entgehen auch die führenden chinesischen Open-Weight-Modelle DeepSeek, Qwen, GLM und Kimi der staatlichen Prüfung.
- Getestet wird nur eine kleine Gruppe geschlossener US-Modelle mit besonderen Cyber-Fähigkeiten, Benchmark und Schwelle bleiben geheim.
- Die EU geht den umgekehrten Weg und nimmt offene Modelle mit systemischem Risiko ausdrücklich in die Pflicht.
Was hat das Weiße Haus beschlossen?

Der neue Prüfrahmen verlangt eine freiwillige Vorabkontrolle nur von geschlossenen US-Spitzenmodellen mit außergewöhnlichen Cyber-Fähigkeiten. Offene Modelle bleiben komplett ausgenommen, ganz gleich, wer sie baut.
Zum Treffen am 4. August kamen Meta, Nvidia, Microsoft, Google, OpenAI und Anthropic sowie kleinere Anbieter. Ein Modell wandert nur zur Prüfung, sofern es laut Benchmark herausragende Cyber- und Hacking-Fähigkeiten erreicht. Benchmark und Schwelle hält die Regierung geheim, auch den Rahmen selbst veröffentlichte sie bislang nicht.[1]
Warum entkommen offene Modelle der Prüfung?
Offene Gewichte lassen sich nicht zurückrufen. Einmal veröffentlicht, liegt ein Modell wie DeepSeek auf tausenden Servern, jeder kann es lokal betreiben und anpassen. Eine staatliche Vorabprüfung greift damit ins Leere.
Kein zentraler Anbieter kontrolliert den Start, deshalb läuft eine Freigabe-Kontrolle bei diesen Modellen strukturell ins Nichts. Genau hier liegt der Streit: Anthropic und OpenAI, beide auf geschlossene Modelle festgelegt, warnten im Treffen vor den Sicherheitsrisiken offener Gewichte, viele davon aus China.[2] Vor zwei Wochen hatten dagegen fast 200 Startups die Regierung vor einem Verbot chinesischer Open-Weight-KI gewarnt.
Ein Modell, das jeder herunterladen kann, prüft keine Behörde mehr vorab. Die Kontrolle verschiebt sich von der Freigabe zur Nutzung. Genau dort steht die EU längst.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
USA: freie Fahrt
Offene Modelle von Meta bis DeepSeek, Qwen, GLM und Kimi gehen ohne staatliche Prüfung an den Start.
Geprüft wird nur eine kleine Gruppe geschlossener US-Spitzenmodelle mit besonderen Cyber-Fähigkeiten.
EU: in der Pflicht
Das KI-Gesetz bindet alle Anbieter von Universalmodellen, die Durchsetzung läuft seit dem 2. August 2026 an.
Offene Gewichte mit systemischem Risiko bleiben an Transparenz-, Cyber- und Meldepflichten gebunden.
Was bedeutet das für europäische Anbieter?
In der EU gilt das Gegenteil: Ihr KI-Gesetz nimmt offene Modelle mit systemischem Risiko voll in die Pflicht. Ein Unternehmen, das solche Modelle im DACH-Raum einsetzt, trägt die Verantwortung dafür selbst, während dieselben Modelle in den USA durch den Rost fallen.
Das KI-Gesetz bindet seit dem 2. August 2025 alle Anbieter von Universalmodellen. Die Durchsetzung läuft seit diesem Monat an. Offene Modelle sind zwar von Teilen der Dokumentationspflicht befreit, nicht aber, sobald sie ein systemisches Risiko tragen. Zusätzlich haben Datenschutzbehörden in Italien und Deutschland DeepSeek bereits geprüft und teils gesperrt.
Prüfen Sie vor dem produktiven Einsatz offener China-Modelle, ob Ihre Anwendung unter die Systemrisiko-Regeln des EU-Gesetzes fällt. Dokumentieren Sie Herkunft sowie eigene Sicherheitstests. Die US-Freistellung nimmt Ihnen diese Arbeit nicht ab, sie verlagert sie nur an den Punkt der Nutzung. Wie sich die offenen Modelle im Vergleich schlagen, ordnet unser LLMs-Ratgeber ein.
Was sind Open-Weight-Modelle?
Open-Weight-Modelle stellen ihre trainierten Gewichte frei zum Download bereit, sodass jeder das Modell lokal betreiben und anpassen kann. Anders als bei geschlossenen Modellen wie GPT oder Claude gibt es keinen zentralen Anbieter, der den Zugang steuert. Führende Beispiele aus China sind DeepSeek, Alibabas Qwen, Zhipus GLM und Moonshots Kimi.
Warum prüft die US-Regierung diese Modelle nicht?
Der neue freiwillige Prüfrahmen zielt nur auf geschlossene US-Spitzenmodelle mit außergewöhnlichen Cyber-Fähigkeiten. Offene Gewichte lassen sich nach der Veröffentlichung nicht mehr zurückrufen, eine staatliche Vorabprüfung greift deshalb ins Leere. Chinesische Open-Weight-Modelle fallen damit vollständig aus dem Rahmen.
Gilt die Ausnahme auch in der EU?
Nein. Das EU-KI-Gesetz nimmt offene Modelle mit systemischem Risiko ausdrücklich in die Pflicht. Anbieter und Betreiber müssen Transparenz-, Cyber- und Meldepflichten erfüllen, unabhängig davon, ob die Gewichte frei verfügbar sind. Die EU-Durchsetzung läuft seit dem 2. August 2026 an.
Was sollten Unternehmen im DACH-Raum jetzt tun?
Prüfen Sie vor dem produktiven Einsatz offener China-Modelle wie DeepSeek oder Qwen, ob Ihre Anwendung unter die Systemrisiko-Regeln des EU-KI-Gesetzes fällt. Dokumentieren Sie Herkunft, Datenflüsse und eigene Sicherheitstests, und beachten Sie die laufenden Datenschutzprüfungen einzelner EU-Behörden.
Quellen
[1] The Washington Post: „White House will exempt ‚open‘ AI systems from security review“
[2] Bloomberg: „China’s Open-Weight Models to Be Spared US Tests, US Firms Told“
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