1.224 Beschäftigte der führenden KI-Labore verlangen von der US-Regierung Werkzeuge, um die KI-Entwicklung verlangsamen zu können. OpenAI und Anthropic haben sich als Unternehmen dahintergestellt. In Europa steht ein Teil davon längst im Gesetz.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin KI-Tempolimit fordern seit dem 28. Juli 2026 nicht Kritiker von außen, sondern die Forschungschefs von OpenAI, Meta AI und Google DeepMind. Ihre Erklärung „Pacing the Frontier“ richtet sich an Washington, und bemerkenswert ist weniger die Forderung als der Absender.
Das Wichtigste in Kürze
- 1.224 Beschäftigte von OpenAI, Anthropic, Google und Meta verlangen von der US-Regierung Werkzeuge, um das Tempo der KI-Forschung zu dosieren. Unterschrieben haben unter anderem Anthropic-Chef Dario Amodei und OpenAI-Chefwissenschaftler Jakub Pachocki.
- OpenAI und Anthropic haben die Erklärung als Unternehmen bestätigt, ohne eine Pause zuzusagen.
- Die EU kann ihre Schwelle für besonders leistungsfähige Modelle ab dem 2. August 2026 durchsetzen. Die internationale Ebene fehlt weiterhin.
Was fordert die Erklärung „Pacing the Frontier“ genau?

Gefordert wird keine Pause, sondern Vorbereitung: Die US-Regierung soll eine internationale Anstrengung unterstützen, die Werkzeuge entwickelt, um das Tempo der automatisierten KI-Forschung bewusst zu dosieren.
Den Grund nennt der Text offen: „Jedes Unternehmen und jedes Land steht unter starkem Wettbewerbsdruck, diese Beschleunigung nicht im Alleingang zu verlangsamen.“[1] Die Mittel, den Fortschritt an der Spitze zu steuern, fehlen bislang.
Zu den Unterzeichnern gehören Anthropic-Chef Dario Amodei, OpenAI-Chefwissenschaftler Jakub Pachocki und Meta-AI-Chefwissenschaftler Shengjia Zhao.[1] OpenAI hat die Erklärung noch am selben Tag als Unternehmen bestätigt und will an Arbeiten der US-Regierung zu solchen Mechanismen mitwirken.[2]
Anthropic hat kurz zuvor seine Position zu Open-Weights-Modellen veröffentlicht und darin Pflichttests statt eines Verbots verlangt.
Warum kann kein einzelnes Labor allein bremsen?
Ein Labor, das langsamer entwickelt, verliert Marktanteile, ohne dass das Risiko sinkt, denn die Konkurrenz zieht weiter. Aus dieser Koordinationsfalle führt kein Alleingang heraus, deshalb geht die Bitte an den Staat.
Auslöser ist die Automatisierung der KI-Forschung selbst. Diesen Punkt halten die Labore für nah.[1] Danach richtet sich das Tempo nicht mehr nach menschlicher Arbeitszeit, sondern nach verfügbarer Rechenleistung, und die wächst schnell, wie sich an Nvidias Bürgschaft für OpenAIs Rechenzentrum ablesen lässt.
„Ich würde gern sehen, dass die Labore solche Mechanismen freiwillig entwerfen, noch bevor die US-Regierung einsteigt“, schreibt John Schulman, Chefwissenschaftler bei Thinking Machines, in seinem Kommentar zur Erklärung.[1] Was ohne belastbare Aufsicht passiert, hat OpenAI erlebt, als ein Testagent aus der Sandbox ausgebrochen ist.
Ein Vorläufer hat wenig bewirkt: Der offene Brief des Future of Life Institute vom März 2023 hat über 30.000 Unterschriften gesammelt, ist aber von Außenstehenden gekommen und hat sich an die Labore gerichtet. Beides ist diesmal umgekehrt.
Die Bitte um eine Bremse kommt diesmal von den Leuten, die am Gaspedal sitzen. Glaubwürdiger wird sie dadurch nicht, aber deutlich schwerer zu ignorieren.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Erklärung „Pacing the Frontier“ in Zahlen, daneben die Schwelle, die in Europa bereits im Gesetz steht
Beschäftigte von OpenAI, Anthropic, Google und Meta, Stand 29. Juli 2026.
Die Forschungschefs von OpenAI, Anthropic, Google DeepMind und Meta AI haben unterschrieben.
Ab diesem Trainingsaufwand gilt ein Modell nach Artikel 51 der KI-Verordnung als systemisches Risiko.
Anteil am weltweiten Jahresumsatz, alternativ 15 Millionen Euro, durchsetzbar ab 2. August 2026.
Zwei Aufrufe, drei Jahre Abstand
Offener Brief 2023
Erklärung 2026
Was bedeutet der Vorstoß für Unternehmen im DACH-Raum?
Die EU hat einen Teil der geforderten Werkzeuge längst im Gesetz. Die KI-Verordnung stuft ein Modell ab 10 hoch 25 Rechenoperationen im Training als systemisches Risiko ein und verpflichtet den Anbieter zu Bewertung und Absicherung.
Ab dem 2. August 2026 kann die EU-Kommission diese Pflichten auch durchsetzen, mit Bußgeldern bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.[3] Welche Pflichten am Ende beim Kunden landen, hat sich am Beispiel von SAP Joule gezeigt.
Der EU fehlt genau das, worum die Unterzeichner bitten: eine internationale Ebene. Eine Schwelle, die nur in Europa gilt, bremst die Weltspitze nicht, zumal China an einem eigenen KI-Gesetz arbeitet.
Für die eigene Planung folgt daraus zweierlei. Halten Sie Ihre KI-Architektur austauschbar, damit ein verzögertes Modell keine Produkt-Roadmap kippt, und dokumentieren Sie schon jetzt, welche Basismodelle in Ihren Anwendungen stecken.
Ein Tempolimit gibt es damit noch nicht, nicht einmal ein Messgerät dafür. Die Erklärung markiert nur den Punkt, an dem die Branche das einräumt.
Quellen
[1] Pacing the Frontier: „A statement from 1,224 employees of frontier AI companies“
[2] OpenAI: Stellungnahme zum Pacing der Modellentwicklung, 28. Juli 2026
[3] Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz
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