Die Element-Insolvenz trifft rund 320.000 Versicherte, von denen viele bis heute nicht wussten, dass Element hinter ihrer Police stand. Seit das Amtsgericht Charlottenburg am 1. März 2025 das Insolvenzverfahren eröffnete,[1] stapeln sich beim Insolvenzverwalter mehr als 25.000 offene Schadenfälle. Ausgezahlt wird davon vorerst nichts.[2]

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Das Wichtigste in Kürze

  • Element meldete am 20. Dezember 2024 Überschuldung an, seit dem 1. März 2025 läuft das Insolvenzverfahren.
  • Rund 320.000 Versicherte sind betroffen, oft ohne davon zu wissen, weil Element als White-Label-Versicherer im Hintergrund arbeitete.
  • Insolvenzverwalter Friedemann Schade rechnet für das Jahr 2026 mit keinen weiteren Auszahlungen.
  • Die BaFin fordert einen Sicherungsfonds für Schadenversicherer, wie ihn Leben und Kranken längst haben.

Wie kippt ein Versicherer, der kaum eigenes Risiko trägt?

Hand hält orangen Regenschirm im Regen mit Etikett „digital“ vor weißem Hintergrund
Element war White-Label-Versicherer: Andere Marken verkauften Policen unter eigenem Namen, Element trug das Risiko und gab es an Rückversicherer weiter

Element war kein klassischer Versicherer, sondern ein White-Label-Anbieter. Andere Marken verkauften die Policen unter eigenem Namen, das Risiko lag bei Element. Solche schlanken Insurtech-Modelle halten wenig Eigenkapital vor und reichen den Großteil des Risikos an Rückversicherer weiter.

Genau hier lag die Sollbruchstelle. Als der Rückversicherer Hannover Rück ausstieg, fehlte Element das Kapital, um allein für die Verträge geradezustehen. Die BaFin stellte daraufhin den Insolvenzantrag. Ein Geschäftsmodell, das den Rückversicherer zum einzigen Sicherheitsnetz macht, hat keinen zweiten Boden.

Digitalversicherer sind damit so verwundbar wie viele Fintechs, die etablierte Anbieter mit schlanken Strukturen angreifen. Das Tempo geht zulasten der Kapitaldecke, und ein einziger ausfallender Partner bringt das ganze Gefüge ins Wanken.

Was bedeutet die Pleite für Vermittler und Plattformen?

Das White-Label-Prinzip verteilt den Schaden weit über Element hinaus. Vermittler und Plattformen, die Element-Policen unter eigenem Namen anboten, stehen nun vor Kunden, deren Verträge niemand mehr bedient. Der bekannte Name auf dem Papier sagte über die Solvenz dahinter nichts aus.

Für die Praxis heißt das konkret: Prüfen Sie bei jeder Embedded-Insurance-Partnerschaft, welches Unternehmen das Risiko am Ende trägt und wie solide dessen Kapitaldecke ist. Die Insolvenzwelle des Jahres 2026 trifft ohnehin viele Branchen, doch bei Versicherern hängt an jeder Pleite ein Deckungsversprechen.

Ein digitaler Versicherer ist nur so stabil wie sein Rückversicherer. Element hat 320.000 Kunden vor Augen geführt, dass ein schickes Interface keine Solvenz ersetzt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Element-Insolvenz in Zahlen
Wie ein digitaler Versicherer 320.000 Kunden in der Warteschleife hinterlässt.
320.000
betroffene Versicherte, viele ohne Kenntnis des Versicherers
25.000+
offene Schadenfälle beim Insolvenzverwalter
01.03.2025
Insolvenzverfahren eröffnet, Amtsgericht Charlottenburg
0 €
Auszahlungen im Jahr 2026, voraussichtlich

Wo ein Auffangfonds einspringt, und wo nicht

Lebensversicherung
gesichert über Protektor
Krankenversicherung
gesichert über Medicator
Schaden und Unfall
kein Sicherungsfonds, hier lag Element

Warum springt für Element-Kunden kein Sicherungsfonds ein?

Für Lebens- und Krankenversicherer bestehen in Deutschland seit Jahren Auffangfonds, Protektor und Medicator. Für Schaden- und Unfallversicherer fehlt ein solches Netz, und deshalb greift für Element-Kunden nichts.

Julia Wiens, bei der BaFin für die Versicherungsaufsicht zuständig, fordert nun einen Sicherungsfonds auch für diese Sparte. Den Rechtsrahmen liefert die EU-Richtlinie IRRD, die bis Ende Januar 2027 in nationales Recht überführt sein muss. Bis dahin bleibt der Fall ein Lehrstück über die Grenzen digitaler Versicherer, ähnlich der Debatte um neue Deckungskonzepte großer Rückversicherer.

Beim digitalen Abschluss einer Versicherung lohnt der Blick hinter die Marke: Welches Unternehmen trägt das Risiko, und wie solide ist seine Kapitaldecke? Bestehende Element-Kunden melden offene Schäden über das Portal des Insolvenzverwalters an und sichern sich parallel neuen Schutz, wie von der BaFin empfohlen.

Quellen

[1] BaFin: „Fragen und Antworten zur ELEMENT Insurance AG“

[2] Insolvenzverwalter der ELEMENT Insurance AG: Informationsportal zum Insolvenzverfahren

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